Rückenschmerzen

Auch psychosomatische Ursachen?

Bei Patienten mit Kreuzschmerzen finden sich überdurchschnittlich häufig auch Zeichen psychischer Erkrankungen - etwa für Angststörung, Depression oder Somatisierungsstörung.

Veröffentlicht: 15.03.2013, 15:50 Uhr

DOHA. Heute geht man davon aus, dass unter den vielen Faktoren, die an der Entstehung von Rückenschmerzen beteiligt sein können, auch psychosoziale Probleme von wesentlicher Bedeutung sind.

Um diese Zusammenhänge zu untersuchen, nahmen 2180 Patienten der Primärversorgung zwischen 15 und 65 Jahren an einer Querschnittstudie teil (J Pain Res 2013; 6: 95-101). Mit Hilfe spezifischer Scores wurden Hinweise auf Angststörungen, Depressionen und Somatisierungsstörungen eruiert.

Für den Kreuzschmerz ergab sich eine Prävalenz von insgesamt 59,2 Prozent. Bis zum Alter von 55 Jahren stieg der Anteil an Patienten mit Rückenbeschwerden immer stärker und fiel nach diesem Altersgipfel allmählich wieder ab.

Angststörungen bei Kreuzschmerz-Patienten öfter vorhanden

Die durchschnittlichen Ergebnisse in den Scores zur Diagnose einer Depression, Somatisierungs- oder Angststörung lagen bei Patienten mit Kreuzschmerz signifikant höher als bei rückenschmerzfreien Patienten.

So litten 14,9 Prozent der Kreuzschmerzpatienten auch unter Somatisierungsstörungen, aber nur 8,3 Prozent der Patienten ohne Rückenbeschwerden.

Bei den Depressionsscores wurden Quoten von 13,7 versus 8,5 Prozent erreicht, für Angststörungen Anteile von 9,5 versus 6,2 Prozent.

Somatisierungsstörungen äußerten sich vor allem durch Kopfschmerzen sowie Schmerzen in Armen, Beinen und Gelenken.

Und Patienten mit hohen Depressions-Scores fühlten sich deprimiert und ohne Hoffnung, dachten oft an Selbstverletzung und Suizid. Rückenschmerzpatienten mit zusätzlicher Angststörung klagten am häufigsten über unkontrollierbare Sorgen und unbestimmte Ängste vor schrecklichen Ereignissen. (St)

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Kommentare
Dr. Walther J. Kirschner

Back Pain & Psyche - Rückenschmerzen und Psyche

Ein Thema, das häufig zu diagnostischen Unsicherheiten Anlaß gibt und zu therapeutischen Fehlindikationen führt. Oftmals wird verkannt, daß bei psychischen (psychosomatischen, psychiatrischen) Störungen primär eine Ursachen bezogene Behandlung erforderlich ist (psychosomatisch, psychotherapeutisch, psychiatrisch), nicht jedoch eine Therapie mit Schmerzmitteln oder orthopädischen Behandlungsverfahren. Allenfalls können einzelne symptomatische gezielte orthopädische Methoden dann angewendet werden, wenn spezifische primäre Psychotherapie erfolgt.

Häufige derzeitige Behandlungsverfahren beachten nicht diese Grundsätze Ursachen bezogener Therapieindikationen - fehlende Therapieerfolge, jahrelange leidvolle Patientenkarrieren und vermeidbare volkswirtschaftliche Schäden sind die Folgen.

Paradigmenwechsel stehen aus.

Dr. med. Walther Kirschner
FA Orthopädie, Spezielle Schmerztherapie et al.


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