Auch späte Frühchen brauchen Schutz vor RSV-Infektion

Die passive Immunprophylaxe mit dem monoklonalen Antikörper Palivizumab kann auch reiferen Frühgeborenen schwere RSV-Atemwegsinfektionen ersparen.

Von Helga Brettschneider Veröffentlicht:

Die passive Immunprophylaxe mit Palivizumab mindert bei Frühgeborenen nicht nur das Risiko für Infektionen mit RSV (Respiratory Syncytial Virus), sondern auch für Klinikeinweisungen. Außerdem sind Spätfolgen der Infektion bei einer solchen Prophylaxe seltener.

Dafür sprechen Daten einer Studie mit 421 Kindern, wie Professor Jürgen Seidenberg vom Oldenburger Elisabeth Kinderkrankenhaus bei einem Abbott-Symposium in Mannheim berichtete. Die Kinder galten mit einer Geburt bis zur 35. Schwangerschaftswoche (SSW) als Frühchen. Knapp die Hälfte hatte zuvor eine Prophylaxe mit Palivizumab (Synagis®) erhalten. Der monoklonale Antikörper ist bei besonders gefährdeten Kindern zur Prävention schwerer Erkrankungen der unteren Atemwege indiziert, die durch RSV hervorgerufen werden und einen stationären Aufenthalt erfordern.

Die Prophylaxe senkt bei Frühgeborenen das Risiko für eine solche Hospitalisierung um rund 80 Prozent. Sie kann aber auch Langzeitfolgen der Infektion verringern. Das ist auch für Kinder wichtig, die nur wenige Wochen zu früh zur Welt kommen. Denn auch ihre Anfälligkeit für RSV-bedingte Hospitalisierungen ist erhöht. So wurde für späte Frühgeborene der Wochen 32 bis 35 ein Risiko für schwere RSV-Infektionen von etwa 9,6 Prozent ermittelt. Das ist kaum weniger als bei Frühgeborenen der Wochen 29 bis 32. Späte Frühgeborene haben demnach den gleichen Schutzbedarf wie jüngere Frühchen, sagte Professor Volker Stephan vom Sana Klinikum Lichtenberg in Berlin.

Außerdem kann als Langzeitfolge eine solche RSV-Infektion der unteren Atemwege nach Angaben der WHO das Risiko für Asthma im späteren Kindesalter erhöhen. So wurde bei betroffenen Kindern über mehrere Jahre deutlich häufiger ein rezidivierend auftretendes Giemen festgestellt. In der auf der Jahrestagung der Kinder- und Jugendärzte vorgestellten Studie aber trat dies bei den zuvor mit Palivizumab behandelten Kindern, die rund zwei Jahre lang beobachtet wurden, nur halb so häufig auf wie bei den nicht mit dem Antikörper behandelten Kindern.

Eine generelle Prophylaxe verbietet sich aus Kostengründen. Deshalb sollte nach Risikofaktoren geschaut werden. Dem Gemeinsamen Bundesausschuss zufolge ist die Prophylaxe bei Kindern mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe wirtschaftlich. Dazu zählen auch Frühgeborene der SSW < 28, die zu Beginn der RSV-Saison höchstens sechs Monate alt sind. Außerdem Frühgeborene der Wochen 29 bis 35 mit mindestens zwei Risikofaktoren wie eine schwere neurologische Krankheit oder Geschwister im Kindergarten- oder Schulalter.

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