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Auf Intensivstationen ist jeder zehnte Patient von Sepsis bedroht

BREMEN (grue). Schwere Sepsis und septischer Schock sind häufiger als bisher angenommen. Das Kompetenznetz Sepsis (SepNet) rechnet nach Daten einer repräsentativen Querschnittsstudie in Deutschland mit 154 000 Patienten pro Jahr. Auf Intensivstationen ist demnach etwa jeder Zehnte von einer Sepsis bedroht.

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Das statistische Bundesamt ging bisher von jährlich 40 000 Patienten mit Sepsis aus, von denen etwa 6 000 die Komplikation nicht überleben. Die tatsächlichen Zahlen seien aber deutlich höher, sagte Dr. Frank Brunkhorst von der Universität Jena bei einer Fortbildung für Intensivmediziner in Bremen.

Das SepNet hat in einer prospektiven Studie die Prävalenz von Sepsis und septischem Schock auf 454 Intensivstationen in 310 deutschen Krankenhäusern ermittelt, die in Größe und regionaler Verteilung einen repräsentativen Querschnitt bilden. Gleichmäßig über das Jahr 2003 verteilt haben SepNet-Mitarbeiter die Kliniken für jeweils einen Tag besucht und die Zahl der Sepsis-Patienten erfaßt.

"Insgesamt haben wir bei 3287 Patienten die Diagnose schwere Sepsis oder septischer Schock gestellt, das entspricht einer Prävalenz von elf Prozent", sagte Brunkhorst. In Universitätskliniken hatten 19 Prozent der intensivmedizinisch versorgten Patienten eine schwere Sepsis, in kleinen Krankenhäusern mit weniger als 200 Betten waren es sechs Prozent.

"Dabei gab es deutliche saisonale Schwankungen in der Sepsis-Häufigkeit mit einem ausgeprägten Erkrankungs-Gipfel im Mai", so Brunkhorst. Warum im spätem Frühjahr das Sepsis-Risiko erhöht ist, sei nicht bekannt.

Auch zur Mortalität bei Sepsis liefert die SepNet-Studie nun erstmals verläßliche Zahlen: Innerhalb von drei Monaten waren 54 Prozent der in der Studie erfaßten Patienten an den Folgen der Sepsis gestorben, davon 47 Prozent auf der Intensivstation. Bei einer mittleren Krankheitsdauer von neun Tagen errechnet sich nach den neuen Prävalenzdaten eine Gesamtzahl von jährlich 154 000 neu an Sepsis erkrankten Patienten; 60 000 von ihnen sterben an den Folgen. "Damit wird klar, welche Bedrohung von der Sepsis ausgeht", so Brunkhorst.

Es sei eine weit verbreitete Auffassung, daß Sepsis-Erreger von Patient zu Patient übertragen werden. "Der SepNet-Studie zufolge hatten aber 30 Prozent der Sepsis-Patienten eine ambulant erworbene Infektion", so Brunkhorst. "Sie haben die Keime also schon mit ins Krankenhaus gebracht." Weitere Sepsis-Erkrankungen gehen vermutlich auf endogene Infektionen zurück, etwa nach Invasion von Darmbakterien.

Eine vom SepNet-Träger, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, initiierte Studie hat nur bei zwei Prozent von 1 900 Sepsis-Patienten Krankenhauskeime als Ursache gefunden. Das heißt: 95 Prozent der Sepsis-Infektionen sind offenbar unvermeidlich - es sei denn, Risikopatienten werden schneller erkannt, zum Beispiel mit neuen Verfahren der Proteom- oder Genomdiagnostik.

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