AIDS / HIV

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Von Peter Leiner

Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen den Aids-Erreger HIV-1 kommt einfach nicht voran. Bisher gab es keinerlei durchschlagende Erfolge - davon wird auch beim Welt-Aids-Kongress in Mexico ab kommenden Sonntag nichts zu hören sein.

Weltweit, vor allem in Afrika, ist die Erprobung von Impfstoffen vorangetrieben worden - allerdings ohne durchschlagenden Erfolg.

Weltweit, vor allem in Afrika, ist die Erprobung von Impfstoffen vorangetrieben worden - allerdings ohne durchschlagenden Erfolg.

© Foto: imago

Der Misserfolg liegt nicht nur daran, dass viele HIV-Strukturen sehr variabel sind und dadurch das Virus kaum zu fassen ist, sondern auch daran, dass noch immer nicht genau verstanden wird, welche Immunmechanismen den Aids-Erreger in Schach halten können.

Mehr noch: Die Ergebnisse der Impf-Studie STEP Ende 2007 sind ein schwerer Rückschlag dieser Forschung. Die Wissenschaftler werden sich deshalb jetzt verstärkt wieder der Grundlagenforschung zuwenden, wie der US-Aids-Forscher Dr. Anthony Fauci vom NIAID (National Institute of Allergy and Infectious Disease) in Bethesda jetzt bekannt gab (Science 321, 2008, 530). Das NIAID hatte die Studie finanziell mit unterstützt.

Die Vakzine sollte die T-Zell-Antwort stärken

Zur Erinnerung: In der STEP-Studie wurde der Impfstoff MRKAd5 HIV-1 zur Prävention einer Infektion mit HIV-1 geprüft. An der Placebo-kontrollierten Impfstudie nahmen 3000 HIV-negative Probanden zwischen 18 und 45 Jahren teil. Die Vakzine von Merck und Co., Inc., enthält zum einen das Adenovirus 5 (Ad5) als Genfähre, zum anderen die drei synthetisch hergestellten HIV-Gene "gag", "pol" und "nef". Sie sollte eine starke T-Zellantwort hervorrufen. Ergebnissen der Studie zufolge schützte die Vakzine nicht vor einer Infektion mit dem Aids-Erreger.

Tragisch ist, dass der getestete Impfstoff in der STEP-Studie nicht nur in der Prävention einer HIV-Infektion versagte, sondern bei manchen Patienten eine Infektion mit dem Virus sogar förderte. Das war für alle Aids-Forscher eine Überraschung. Eine mögliche Erklärung sei, so Fauci, dass manche Studienteilnehmer zuvor bereits mit dem als Genfähre verwendeten Adenovirus infiziert waren und dagegen eine Immunität besaßen.

Dr. Anthony Fauci: In künftigen Studien muss sehr genau auf mögliche ungewollte immunologische Effekt von Genfähren geachtet werden.

Dr. Anthony Fauci: In künftigen Studien muss sehr genau auf mögliche ungewollte immunologische Effekt von Genfähren geachtet werden.

© Foto: dpa

Nach der Impfung gegen HIV mit dem Merck-Impfstoff seien Immunzellen aufgrund der immunologischen Reaktionen gegen die Genfähre empfänglicher für eine Infektion mit HIV geworden. Fauci betont allerdings, dass der genaue Wirkmechanismus derzeit noch nicht bekannt sei. In künftigen HIV-Impfstudien müsse deshalb sehr genau auf mögliche ungewollte immunologische Effekte der im Impfstoff verwendeten Genfähren geachtet werden.

Und noch etwas geht aus der STEP-Studie nach Ansicht des Infektiologen hervor: Jene Geimpften, die sowohl eine Immunität gegen die Genfähre hatten, als auch nicht beschnitten waren, hatten das höchste Risiko, sich mit Vergleich zur Placebo-Gruppe mit dem Aids-Erreger HIV zu infizieren.

Bereits im März 2008 gab es ein Treffen von HIV-Vakzine-Forschern am NIAID. Dort wurden vorrangige Strategien für die weitere Entwicklung von Impfstoffen gegen den Aids-Erreger vorgestellt. Sie betreffen im Wesentlichen Aspekte der Grundlagenforschung. So sollen zum Beispiel jene ersten Ereignisse bei einer HIV-Infektion aufgeklärt werden, die es dem Virus ermöglichen, in Lymphgewebe des Darms einzudringen.

Ein weiteres Ziel soll sein, die zelluläre und humorale Immunantwort zu definieren, die erforderlich ist, um HIV durch eine Immunisierung in Schach zu halten. Schließlich, so die Forderung der Aids-Forscher, sollen bessere Tiermodelle geschaffen werden. Fauci setzt bei diesen Vorhaben auf junge, unvoreingenommene Wissenschafter, die verstärkt für diese Forschung angeworben werden sollen.

Trotz der Misserfolge: Impfstoffforscher geben nicht auf

Trotz der Misserfolge mit einem Impfstoff gegen HIV müsse diese Forschung fortgesetzt und verstärkt werden. Bisherige Erfolge mit der Impfstoffentwicklung gegen andere Erreger sprächen dafür.

Dass es Immunmechanismen gibt, die HIV in Schach halten können, belegt die Tatsache, dass bei manchen HIV-Infizierten die Virusmenge über viele Jahre unter der Nachweisgrenze bleibt, sogar bis zu 25 Jahre lang. Und: Es gibt ja Erfolge mit HIV-Vakzinen in Tiermodellen. Zumindest mit Lebendimpfstoffen ist es bereits gelungen, die Tiere vor der Infektion mit dem Aids-Erreger zu schützen. Allerdings sind derartige Impfstoffe für die Anwendung bei Menschen zu gefährlich.

Schließlich gibt es HIV-Infizierte, deren B-Lymphozyten schützende Antikörper bilden, offenbar aber nicht in ausreichend hohen Titern. Aber auch das ist ein Hinweis dafür, dass die Entwicklung eines HIV-Impfstoffs nicht aussichtslos ist.

Trotz der 2007 beendeten STEP-Studie ist auch Dr. Seth Berkley, Präsident der International AIDS Vaccine Initiative, optimistisch, dass eine HIV-Vakzine möglich ist. Er erinnerte kürzlich daran, dass die in der STEP-Studie erprobte Vakzine erst der zweite Impfstoff ist, dessen Wirksamkeit in einer Studie geprüft wurde. Weitere Impfstoffe seien derzeit in der Entwicklung. Allein in diesem Jahr ist der Beginn von drei Phase-I-Studien geplant.

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