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Aufruf zur Koloskopie - durch ein Hühnchen auf dem Autodach

Noch immer werden Vorsorgekoloskopien in Deutschland zu selten in Anspruch genommen. Ein Blick in die USA zeigt, wie die Teilnahmerate mit unkonventionellen Methoden angekurbelt werden kann. Ein blauer Stern analog zur roten Aids-Schleife, ein Koloskopiefilm im Frühstücksfernsehen - so wird in New York für Vorsorge geworben.

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Von Philipp Grätzel von Grätz

Zahlen des Zentralinstituts für Kassenärztliche Versorgung zufolge haben in den Jahren 2003 bis 2008 ungefähr 20 Prozent der Berechtigten im Alter zwischen 55 und 75 Jahren eine Vorsorgekoloskopie in Anspruch genommen. "Das könnten schon noch etwas mehr sein", sagte Dr. Berndt Birkner aus München, der Vizepräsident des Netzwerks gegen Darmkrebs.

Haupthinderungsgrund ist in seinen Augen die Vorbereitung auf die Koloskopie, die von vielen Menschen als sehr unangenehm empfunden wird. Als ungünstig wertete er zudem die Tatsache, dass es in Deutschland zwar Daten zu periprozeduralen Komplikationen der Vorsorgekoloskopie, nicht aber zur 30-Tage-Komplikationsrate gebe.

Auch in Sachen Öffentlichkeitsarbeit könnte möglicherweise noch mehr getan. Professor Mark Pochapin vom Presbyterian Hospital in New York berichtete beim 14. Merckle Recordati-Symposium zur "Zukunft der Gastroenterologie" in Berlin über die Erfahrungen mit dem Thema Vorsorgekoloskopien in der Ostküstenmetropole.

Dort gab es vor einigen Jahren einen plötzlichen Sprung nach oben bei der Inanspruchnahme der Vorsorgekoloskopie. Grund war, dass die TV-Journalistin Katie Couric sich des Themas annahm, nachdem ihr Lebensgefährte an Darmkrebs erkrankt war. Couric moderiert eine beliebte morgendliche Informationssendung. "Sie sitzt mit Millionen von New Yorkern am Frühstückstisch", so Pochapin. Als Couric eines Morgens einen Videofilm ihrer eigenen Koloskopie zeigte, stieg die Inanspruchnahme ad hoc um rund ein Drittel. "Couric-Effekt" heißt der Sprung in der Statistik seither.

Doch Katie Couric ist nicht alles. In New York werden Aufrufe zur Koloskopie auch auf den Dächern von Taxen angebracht und sind damit ständig im Stadtbild präsent. Dazu wurde eigens ein "Wappentier" geschaffen: Es ist ein Hühnchen, das jetzt von vielen Taxen herunterschaut.

Es gibt außerdem mittlerweile ein nationales Symbol für die Vorsorgekoloskopie, ein blauer Stern in Analogie zur roten Aids-Schleife. Zu Anlässen wie dem Darmkrebsmonat trügen viele Ärzte entsprechende Sticker am Revers, berichtete Pochapin. "Wir würden uns sehr freuen, wenn wir den blauen Stern zu einem internationalen Zeichen machen könnten", sagte Pochapin.

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