Neuroblastom

Autophagie schützt vor Chemotherapie

Bei therapieresistenten Neuroblastomen schützt ein Enzym, das die Selbstverdauung fördert, Krebszellen vor der Chemotherapie.

Veröffentlicht:

HEIDELBERG. Eigene Bestandteile zu verdauen ist eine Überlebensstrategie, die Zellen hilft, Hunger und Mangelzustände zu überstehen.

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Universitätsklinikum Heidelberg entdeckten nun bei therapieresistenten Neuroblastomen ein Enzym, das die Selbstverdauung fördert und die Krebszellen damit vor der Chemotherapie schützt (PNAS 2013; online 25. Juni).

Eine gezielte Blockade des Enzyms könnte Krebszellen wieder für die Behandlung sensibilisieren, teilt das DKFZ mit.

Wissenschaftler aus der Abteilung von Professor Dr. Olaf Witt im DKFZ und im Universitätsklinikum Heidelberg suchen nach Möglichkeiten, Neuroblastome wirksamer zu behandeln.

Besonders im Blick haben die Forscher die Rolle der 18 verschiedenen HDAC-Enzyme, die bei dieser Erkrankung offensichtlich auf ganz unterschiedliche Art und Weise die Aggressivität der Tumoren fördern.

Zellen schützen sich vor Hungerphasen

Die Heidelberger Forscher untersuchten nun bei Hochrisiko-Neuroblastomen, ob eines der verschiedenen Mitglieder der HDAC-Enzym-Familie mit der Empfindlichkeit der Tumoren gegen Chemotherapien in Zusammenhang steht.

Dabei entdeckten sie, dass genau jene Hochrisiko-Tumoren gut auf die Behandlung ansprachen, die vor Therapiestart nur geringe Mengen von HDAC10 bilden.

Die Forscher schalteten dann in hochaggressiven Neuroblastomzellen in der Kulturschale HDAC10 mit einem experimentellen Wirkstoff oder durch eine Genblockade aus. Diese Zellen behandelten sie dann mit dem Chemotherapeutikum Doxorubicin.

Eine solche Behandlung löst in Neuroblastomzellen normalerweise die als Autophagie bezeichnete Selbstverdauung aus, eine Art von Recycling zelleigener Bestandteile.

Mit diesem entwicklungsgeschichtlich uralten Überlebensprogramm schützen sich Zellen vor Hungerphasen. Besonders aggressive Krebszellen nützen die Autophagie, um den durch die Zellgifte ausgelösten Stress besser zu überstehen.

In Neuroblastomzellen, denen funktionierendes HDAC10 fehlte, war der mehrstufige Prozess der Selbstverdauung von Zellbestandteilen an einem bestimmten Punkt unterbrochen. Erwartungsgemäß waren diese Zellen wieder empfindlich für das Krebsmedikament.

Als Gegenprobe kurbelten die Forscher die Aktivität des HDAC10-Gens im Neuroblastom an, was die Zellen vor der Chemotherapie schützte. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gebrechliche Patienten

Hüft-Operation bei Herzpatienten: Wie sich Risiken minimieren lassen

Zum Jahresstart

Das ändert sich 2026 für Praxen

Sie fragen – Experten antworten

Polio und Diphterie: Impfen bleibt zentraler Baustein

Lesetipps
Eine Person hält drei Figuren in den Händen

© Suriyo/stock.adobe.com

Man kann nicht nicht führen

Mitarbeiterführung in der Arztpraxis: Tipps für Praxisinhaber

Frau telefoniert

© Matthias Balk / picture alliance

Kontakt mit Patienten

Arztpraxis ohne Telefon: Kann das funktionieren?