Bad Reichenhall - Mitschüler der Opfer schwer traumatisiert

BAD REICHENHALL (ddp.vwd). Nach dem Unglück von Bad Reichenhall sind einige Mitschüler der Opfer schwer traumatisiert. Der Sprecher des Kriseninterventions- und Bewältigungsteams bayerischer Schulpsychologen (KIBBS), Hans-Joachim Röthlein, sagte im Anschluß an den ersten Schultag nach dem Einsturz der Eissporthalle: "Viele Schüler sind nicht in der Lage zu sprechen." Sie zeigten akute Schockreaktionen.

Veröffentlicht:

Gestern wurde in Bad Reichenhall der 15 Todesopfer der Katastrophe mit einem Trauergottesdienst gedacht. Röthlein betonte: "Die Bilder des Einsturzes und der Opfer haben sich in die Köpfe der Kinder und Jugendlichen eingeprägt."

Teilweise hätten Schüler Angst vor Hallen, Gebäuden und auch Brücken. Am ersten Schultag sei die Trauerarbeit in den Klassenzimmern sehr wichtig gewesen. Man habe an den Plätzen, die jetzt leer sind, Kerzen gemalt oder angezündet, Texte geschrieben und gemeinsam gebetet. "Der erste Schritt zur Bewältigung so einer Katastrophe ist das Reden darüber und das Hören, daß es anderen auch so geht", sagte Röthlein.

Insgesamt waren neun Schulen aller Schularten betroffen. Außer dem KIBBS waren auch die Krisenseelsorge in Schulen (KiS) und die Notfallseelsorger (NFS) vor Ort. Die Lehrer wurden laut Röthlein vorab informiert, mit welchen Reaktionen der Schüler sie rechnen müssen.

So gebe es Schüler, die sich vollkommen in sich zurückziehen, und meinten, "sie werden verrückt, weil sie zum Beispiel Geräusche hören". Andere hätten das Bedürfnis, sich mit Mitschülern auszutauschen.

Nach Angaben der Leiterin des Fachbereichs Schulpastoral des Erzbischöflichen Ordinariats München, Gabriele Rüttiger, wurde den Lehrern und Kindern geraten, die leeren Plätze in den Klassenzimmern nicht sofort wieder zu besetzen. "Damit der Tote nicht gleich aufgeräumt wird", erläuterte Rüttiger. Die Sitzordnung sollte erst später geändert werden.

Die beiden Kinder, die bei dem Unglück ihre Mütter verloren haben, müssen Röthlein zufolge individuell, intensiv und langfristig betreut werden. Die Polizei betonte unterdessen, daß entgegen anderslautenden Berichten alle 15 Opfer "in kürzester Zeit" an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben seien.

Mehr zum Thema

Mitochondriale Dysfunktion

Atmungskette bei Alzheimer offenbar beeinträchtigt

Glosse

Die Duftmarke: Frühlingserwachen

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tierexperiment: Neuer Signalweg identifiziert

Essen in Sicht? Die Leber ist schon aktiv!

Lesetipps
Wo lang im Gesundheitswesen? Der SVR Gesundheit und Pflege empfiehlt mehr Richtungspfeile für alle Akteure.

© StefanieBaum / stock.adobe.com

Sachverständigenrat Gesundheit und Pflege

Gesundheitsweise empfehlen Primärversorgung für alle – und Quotierung der Weiterbildung

„Wenn die Politik Wissenschaftlern sagen würde, wir wollen dieses oder jenes Ergebnis, ist das Propaganda.“ Klaus Überla – hier im Treppenhaus seines Instituts – über Einmischungen aus der Politik.

© Patty Varasano für die Ärzte Zeitung

Interview

STIKO-Chef Überla: RSV-Empfehlung kommt wohl bis Sommer