Bei Divertikulitis reicht oft Arznei plus Flüssigkost

HAMBURG (grue). Drei von vier Patienten mit akuter Divertikulitis brauchen keine Darmoperation. Denn Stenosen, Abszesse und Perforationen sind bei solchen Patienten eher die Ausnahme. Meist genügt eine antibiotische Therapie und dazu Flüssigkost, Spasmolytika sowie 5-ASA-Präparate.

Veröffentlicht:

Eine Divertikulose wird dann zur Krankheit, wenn die Betroffenen davon Bauchschmerzen oder Probleme mit dem Stuhlgang bekommen. "Dann muss zunächst durch eine Koloskopie ein Kolonkarzinom ausgeschlossen werden", sagte Professor Wolfgang Kruis aus Köln bei einer gastroenterologischen Fortbildungsveranstaltung in Hamburg.

Sonografisch oder besser noch computertomografisch erkennt man Divertikel, verdickte Darmwandabschnitte mit oder ohne Entzündung. Gelegentlich werden in diesem Zusammenhang auch Abszesse oder gar Stenosen, Blutungen oder Perforationen festgestellt. Dann ist eine Operation notwendig. "Bei Patienten mit unkomplizierter Divertikulitis reicht dagegen die konservative Therapie", so Kruis bei der von der Falk Foundation unterstützten Veranstaltung.

Bewährt hat sich Nahrungskarenz in Verbindung mit Antibiotika. Derzeit werden bei Divertikulitis Metronidazol oder Ciprofloxacin verordnet. Ziel der Behandlung ist es, den akuten Schub zu heilen und Rückfälle zu verhindern. Einen solch vorbeugenden Effekt hat wohl auch die zusätzliche Behandlung mit dem 5-ASA-Präparat Mesalazin, sagte Kruis.

In einer Studie war die Kombinationstherapie bei rezidivierender akuter Divertikulitis wirksamer als die Antibiose allein. Eine Arbeitsgruppe um Kruis hat den Effekt von Mesalazin (Salofalk Mikropellets) nun auch in einer kontrollierten Studie gegen den von Placebo geprüft. An der noch nicht publizierten Untersuchung haben 123 Patienten mit schmerzhafter Divertikelkrankheit teilgenommen. Sie wurden vier Wochen mit Mesalazin, dreimal täglich 1 g, oder mit Placebo behandelt. Bei konsequenter Einhaltung der Therapie wurden die Verum-Patienten signifikant schneller schmerzfrei und hatten nach einem Monat weniger Beschwerden als die Patienten der Placebo-Gruppe.

Nach einer ausgeheilten akuten Divertikulitis bleiben etwa 80 Prozent der Patienten anhaltend beschwerdefrei, wie Kruis berichtet hat. Die übrigen behalten eine chronische Divertikelentzündung zurück und brauchen bei wiederholen Rezidiven meist eine Darmoperation.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Vergleich mit offener Operation

Laparoskopische Ulkuschirurgie ist der Goldstandard

Das könnte Sie auch interessieren
Innovationsforum für privatärztliche Medizin

© Tag der privatmedizin

Tag der Privatmedizin 2025

Innovationsforum für privatärztliche Medizin

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer und Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, hofft, dass das BMG mit der Prüfung des Kompromisses zur GOÄneu im Herbst durch ist (Archivbild).

© picture alliance / Jörg Carstensen | Joerg Carstensen

Novelle der Gebührenordnung für Ärzte

BÄK-Präsident Reinhardt: Die GOÄneu könnte 2027 kommen

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Medizinischer Infusions-Tropf mit buntem Hintergrund

© Trsakaoe / stock.adobe.com

Hochdosis-Therapie

Vitamin C bei Infektionen und Long-COVID

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Maximale Vitamin-C-Blutspiegel nach oraler (blau) und parenteraler (orange) Tagesdosis-Gabe.

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Infusion

Parenterale Gabe erzielt hohe Plasmakonzentrationen an Vitamin C

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 2: Schneller Wirkeintritt von Naldemedin im Vergleich zu Placebo in den Studien COMPOSE-1 und COMPOSE-2

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [15]

Opioidinduzierte Obstipation

Selektive Hemmung von Darm-Opioidrezeptoren mit PAMORA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Viatris-Gruppe Deutschland (Mylan Germany GmbH), Bad Homburg v. d. Höhe
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikofaktoren identifiziert

Für wen könnten Harnwegsinfekte gefährlich werden?

Systematisches Review und Metaanalyse

Antidepressiva absetzen: Welche Strategie ist am wirksamsten?

Metaanalyse

Subjektive Krankheitsbelastung bei Krebs prognostisch relevant

Lesetipps
Übersichtsarbeit: Wie wirken Hochdosis-, rekombinante und mRNA-Vakzinen verglichen mit dem Standardimpfstoff?

© Sasa Visual / stock.adobe.com

Übersichtsarbeit zu Grippeimpfstoffen

Influenza-Vakzinen im Vergleich: Nutzen und Risiken

Serotoninkristalle, die ein Muster ergeben.

© Michael W. Davidson / Science Photo Library

Für wen passt was?

Therapie mit Antidepressiva: Auf die Nebenwirkungen kommt es an