Bei Schizophrenie ist Aripiprazol nun eine neue Option

PARIS (mut). Der partielle Dopamin-Agonist Aripiprazol bessert bei Schizophrenie-Patienten Symptome wie Wahn, Paranoia und Apathie mindestens ebenso gut wie bisher verfügbare atypische Neuroleptika. Die neue jetzt in der EU zugelassene Arznei wird aber von vielen Patienten besser vertragen.

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Die neue Arznei, die als Abilify® jetzt auch in Deutschland verfügbar ist, hilft, den Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn zu stabilisieren. Sie hemmt das dopaminerge System überwiegend dort, wo es überaktiv ist und etwa Wahnsymptome verursacht, und aktiviert es in Bereichen zu geringer Aktivität. Darauf hat Professor Arvid Carlsson aus Gothenburg in Schweden beim Psychiatriekongreß in Paris hingewiesen.

Der Grund für diese Wirkweise: Die Substanz blockiert die Rezeptor-Aktivität nicht ganz, sondern wirkt selbst leicht stimulierend. Damit seien unerwünschte Effekte seltener als bei Arzneien, die Dopaminrezeptoren komplett blockieren, sagte Carlsson auf der Einführungsveranstaltung von Bristol-Myers Squibb und Otsuka Pharmaceuticals.

So traten in einer ein Jahr dauernden Studie mit Haloperidol bei knapp 60 Prozent der Patienten extrapyramidale Störungen auf, mit Aripiprazol nur bei 27 Prozent, hat Professor Max Schmauss aus Augsburg berichtet. In einer sechs Monate dauernden Studie lag die Rate dieser Störungen mit Aripiprazol bei knapp 17 Prozent und damit ähnlich hoch wie mit Olanzapin (16 Prozent). Mit Olanzapin nahmen die Patienten in dieser Zeit im Schnitt jedoch um 4,2 Kilogramm zu, mit Aripiprazol dagegen um 1,4 Kilogramm ab.

In Vergleichsstudien wirkte die neue Arznei auf Positiv- und Negativsymptome ähnlich effektiv wie Olanzapin und Risperidon. Im Vergleich mit Haloperidol besserte sie Negativsymptome wie Depression und Apathie stärker, aber auch Feindseligkeit und Erregung wurden deutlicher reduziert, wie Schmauss berichtet hat.

Auch die Compliance sei mit Aripiprazol besser als mit Haloperidol: Nach einem Jahr Therapie nahmen an einer Vergleichsstudie noch 43 Prozent der Patienten mit Aripiprazol teil, aber nur 30 Prozent derjenigen mit dem klassischen Neuroleptikum.

Die neue Arznei wird als Tabletten in mehreren Dosierungen angeboten. Die empfohlene Startdosis liegt bei 15 mg und wird einmal täglich eingenommen.

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