HNO-Krankheiten

Bei oft verschnupften Kindern hilft Adenoidektomie nicht unbedingt

Holländische Forscher finden keinen Nutzen, wenn oft erkälteten Kindern die Polypen entfernt werden.

Veröffentlicht: 20.09.2011, 14:25 Uhr

UTRECHT (hkj). Sollte man Kindern mit häufigen Infektionen der oberen Atemwege die Polypen entfernen? Niederländische Forscher sprechen sich eher für abwarten und beobachten aus. In einer Studie nahm nach dem Eingriff die Häufigkeit der Infektionen nicht ab.

111 für Adenoidektomien vorgesehene Kinder im Alter von eins bis sechs Jahren wurden randomisiert einer Adenoidektomiegruppe zugeteilt oder es wurde mit dem Eingriff erst einmal abgewartet (BMJ 2011; 343; d5154).

Während einer zweijährigen Verlaufsbeobachtung unterschied sich die Zahl der oberen Atemwegsinfektionen in beiden Gruppen nicht (7,91 Infektionen pro Jahr pro Kind nach Operation, 7,84 Infektionen pro Jahr pro Kind bei aufmerksamer Beobachtung). Kinder, die operiert wurden, hatten sogar mehr Tage Fieber.

Zahl der Atemwegsinfektionen in beiden Studiengruppen ähnlich

Die jährliche Anzahl oberer Atemwegsinfektionen pro Person, Zahl der Episoden von fiebrigen Mittelohrbeschwerden oder Schulfehltage waren in beiden Studiengruppen ähnlich.

Im Verlauf wurden 40 Prozent der Kinder in der Beobachtungsgruppe doch noch operiert, was nach Angabe der Studienautoren die tägliche Praxis widerspiegelt.

Abwarten angesagt

Daher sprechen sich die Forscher dafür aus, bei zur Adenoidektomie vorgeschlagenen Kindern mit häufigen Infekten der oberen Atemwege zunächst abzuwarten.

Mit 60 Prozent seien rezidivierende Infektionen die häufigste Indikation zur Adenoidektomie in den Niederlanden. Eine Operation kann die Zahl der Infektionen aber offenbar nicht verringern, so die Forscher.

Mehr zum Thema

Langzeituntersuchung

Nur selten Spätkomplikationen nach Tympanoplastik

Rhinosinusitis mit Nasenpolypen

Dupilumab mit Zusatznutzen

Kommentare
Tilman Kappe

Indikation zur AT ist die behinderte Nasenatmung, nicht rez. Infekte

Die Indikation zur Adenotomie (AT) ist die dauerhaft behinderte Nasenatmung, nicht die Frequenz der Erkältungen. Beides hängt zwar zusammen, aber rez. Infekte bei unbehinderter Nasenatmung ist definitiv keine Indikation zur AT, was die Studie auch bewiesen hat.
Eine dauerhaft behinderter Nasenatmung bei Kindern kann auch zu ein Schlaf-Apnoe-Syndrom führen: hier haben Studien sehr schön die dramatischen Verbesserungen durch eine OP gezeigt.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
S1-Leitlinie zu COVID-19 aktualisiert

DEGAM

S1-Leitlinie zu COVID-19 aktualisiert

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden