Bendamustin wird als Option bei Lymphom geprüft

BERLIN (grue). Der Wirkstoff Bendamustin (Ribomustin®) wird bei Lymphom nun als Erstlinien-Therapie geprüft. Die mit Alkylanzien verwandte Substanz wird bereits erfolgreich zur Therapie von Patienten mit therapierefraktären oder rezidivierten Lymphomen genutzt.

Veröffentlicht:

Das nur in Deutschland zugelassene und hier gut bekannte Bendamustin wird jetzt von Mundipharma vertrieben. Es will sich auch in weiteren Bendamustin-Studien engagieren und strebt die europäische Zulassung für das Medikament an. Bisher hat die in den 70er Jahren entwickelte Substanz ein Schattendasein geführt, weil sie nie in großen Studien geprüft worden ist - und das trotz guter Wirksamkeit und Verträglichkeit. Das entfernt mit den Alkylanzien verwandte Bendamustin wird bei Non-Hodgkin-Lymphomen wie bei chronischer lymphatischer Leukämie und beim Multiplen Myelom therapeutisch genutzt.

Bendamustin hat ein eigenständiges Aktivitätsprofil, wie Privatdozent Matthias Rummel von der Uni Gießen-Marburg bei einer Veranstaltung des Unternehmens in Berlin berichtet hat. Und es gibt kaum Kreuzresistenzen gegen wichtige Zytostatika wie Cyclophosphamid, Doxorubicin und Etoposid. Rummel stellte Phase-II-Studien zum NHL vor, in denen bei zuvor mehrfach behandelten Patienten mit verschiedenen Bendamustin-Kombinationen hohe Ansprechraten erzielt worden waren. "Am effektivsten ist aber wohl die moderne Kombination aus Bendamustin plus Rituximab, weil diese beiden synergistisch wirken", sagte Rummel. "Sogar die aggressiven Mantelzell-Lymphome sprechen darauf zu über 90 Prozent an."

Die Zweifachkombination wird von der "Studiengruppe indolente Lymphome" nun in kontrollierten Studien genauer untersucht, etwa im Vergleich zu einer Fludarabin/Rituximab-Kombination. "Von uns befragte Onkologen trauen Bendamustin auch genug Potenzial als First-Line-Medikament zu", so Rummel, "wir prüfen deshalb auch diese Option." In die Studie zur Erstlinien-Therapie konnten bereits 400 Patienten mit niedrig-malignen NHL aufgenommen werden. Sie erhalten den Antikörper Rituximab in Kombination mit Bendamustin oder mit der CHOP-Chemo (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison).



STICHWORT

Non-Hodgkin-Lymphome

Unter den Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) ist mit 75 Prozent der Anteil der B-Zell-Lymphome am höchsten. Die indolenten, niedrig-malignen Lymphome lassen sich durch eine Therapie gut zurückdrängen. Die Patienten sind aber nicht heilbar. Das aggressive NHL führt unbehandelt innerhalb eines Jahres zum Tod. In Deutschland erkranken etwa 12 von 100 000 Menschen pro Jahr neu an einem NHL. Die NHL-Häufigkeit steigt in Industrienationen aus bisher unbekannten Gründen. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Chronische lymphatische Leukämie

Acalabrutinib: TTNT-Update der AMPLIFY-Studie und RWE-Daten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg

inMIND-Studie

Neuer Standard fürs refraktäre follikuläre Lymphom in Sicht

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Acalabrutinib: TTNT-Update der AMPLIFY-Studie und RWE-Daten

© jarun011 / stock.adobe.com

Chronische lymphatische Leukämie

Acalabrutinib: TTNT-Update der AMPLIFY-Studie und RWE-Daten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Nächtlicher Augeninnendruckanstieg

Sind zwei Kopfkissen für Menschen mit Glaukom eines zu viel?

Lesetipps
Eine Frau steht am Empfang einer Praxis und spricht mit einer Praxismitarbeiterin.

© auremar / stock.adobe.com

Hausarzt und Gebietsärztin im Interview

Hausarztvermittlungsfälle: Wo es hakt und wie es besser ginge

Ärztin hält sich den Mund zu

© MQ-Illustrations / stock.adobe.com

Beispiele aus der Praxis

Ärztliche Schweigepflicht in der Pädiatrie: Konfliktsituationen aus dem Alltag