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Neuer Virenstamm

Besorgnis wegen Robbengrippe

Forscher haben einen neuen Influenzastamm entdeckt: Ein H3N8-Virus entpuppte sich als Ursache eines Robbensterbens an der Ostküste der USA. Das Virus stammt von Wasservögeln und hat sich inzwischen an Säuger angepasst.

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Das Virus im Blick: Phoca vitulina.

Das Virus im Blick: Phoca vitulina.

© INSADCO / imago

NEW YORK (mut). Es sind nicht immer nur Hühner und Schweine, die potenzielle Pandemieviren tragen und verbreiten können: Bei toten Robben haben US-Forscher nun ein neues H3N8-Influenzavirus entdeckt.

Es ist nahe verwandt mit einem H3N8-Vogelgrippevirus, das seit 2002 unter Wasservögeln an der Ostküste grassiert.

Infektiologen um Dr. Simon Anthony von der Columbia University in New York vermuten, das Virus sei über den Kot infizierter Wasservögel auf Robben übergesprungen und habe sich mittlerweile an die Säuger angepasst (mBio 2012, 3(4): e00166-12).

Das Team um Anthony hatte zunächst nach der Ursache eines Robbensterbens gesucht, bei dem zwischen September und Dezember vergangenen Jahres über 160 tote oder schwer kranke Tiere an die Ostküste von Neu England gespült wurden.

Fast alle Tiere waren weniger als sechs Monate alt und zeigten Symptome einer Pneumonie. Fünf der Tiere wurden gründlich obduziert und mit molekularbiologischen Methoden auf eine ganze Reihe potenzieller Erreger hin untersucht.

Bei allen Tieren fanden sich hohe Konzentrationen von Influenza-A-Viren im Gewebe. Eine genaue Analyse ergab einen Stamm vom Subtyp H3N8.

Sequenzvergleiche zeigten eine starke Ähnlichkeit mit einem H3N8-Vogelgrippevirus, lediglich 37 Genveränderungen wurden zwischen den beiden Stämmen festgestellt, davon treten drei auch bei humanpathogenen Influenzaviren auf und sind offenbar für den Wirtswechsel von Vögeln zu Säugern nötig.

Das neue Virus hat zudem die Fähigkeit, mit seinem Hämagglutinin-Rezeptor sowohl an Zelloberflächen mit a-2,6-Sialinsäure zu binden, die in den oberen Atemwegen von Säugern vorkommt, als auch an a-2,3-Sialinsäure, wie sie in Säugerlungen und im Magen-Darm-Trakt von Vögeln auftritt.

Eine Gefahr auch für Menschen?

Das Virus kann sich dadurch gut verbreiten und zugleich schwere Pneumonien auslösen. Ähnliche Rezeptoreigenschaften hatte auch das Influenzavirus der Spanischen Grippe von 1918.

Das Robbenvirus zeigt zusätzlich einige Veränderungen, die bei Influenzaviren mit einer erhöhten Pathogenität einhergehen.

Die Studienautoren um Anthony fordern, die Verbreitung des neuen Virus genau zu überwachen, da es eine Gefahr für Menschen darstellen könnte, falls es in der Lage ist, auch andere Säuger zu infizieren.

Bisher sind allerdings keine humanpathogenen Influenzaviren bei Robben bekannt. Zwar gab es in der Vergangenheit zahlreiche Influenza-Ausbrüche unter Robben, die Tiere waren aber stets von Virussubtypen befallen, die nicht in der menschlichen Population vorkommen.

Dr. Thorsten Wolff vom Robert Koch-Institut (RKI) sieht nicht zuletzt deswegen auch kaum eine Gefahr für Menschen. Robbenpopulationen würden als zu klein angesehen, um eine Zirkulation oder Ausbreitung des Virus zu ermöglichen.

Zudem sorge die Infektionskette des Virus dafür, dass sich der Erreger nicht auf andere Populationen ausbreitet: Junge Tiere sterben entweder daran, oder sie sind nach der Erkrankung immun.

In beiden Fällen werde das Virus nicht aus der Population heraus transportiert, sagte der Leiter des Fachgebiets "Influenza/Respiratorische Viren" am RKI der "Tageszeitung" (taz).

Dr. Anne Moscona von der American Society of Microbiology (ASM) ist von der Harmlosigkeit des neuen Virus allerdings nicht ganz überzeugt.

"Neue Grippeviren können von überall herkommen", schreibt sie in einer Pressemitteilung zur Publikation von Anthony und Mitarbeitern. "Es ist daher wichtig, dass wir auch auf Routen achten, die wir bisher nicht im Blick hatten."

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