Bessere Kooperation bei Wundversorgung

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Gemeinsames Fortbildungsprojekt von Ärzte- und Apothekerkammer / Zertifizierte Veranstaltungen in Berlin

BERLIN (run). Unabhängig von Gesundheitsreformen und berufspolitischen Debatten läuft in Berlin seit nunmehr 10 Jahren eine bundesweit einmalige enge Kooperation zwischen Ärzte- und Apothekerkammer bei der Fortbildung ihrer Mitglieder. Seit 1998 werden dabei auf regionaler Ebene regelmäßig pro Jahr zwei Fortbildungs-Themen für interessierte Ärzte und Apotheker angeboten.

Zur Therapie bei offenen Beinen bilden sich Ärzte und Apotheker in Berlin bereits gemeinsam fort.

Zur Therapie bei offenen Beinen bilden sich Ärzte und Apotheker in Berlin bereits gemeinsam fort.

© Foto: Klaro

"Gemeinsam mit der Berliner Apothekerkammer konzipieren wir die Fortbildung und richten sie meist in Hörsälen der Charité aus. Darüber hinaus bieten wir eine Reihe von zusätzlichen Workshops an, etwa zur Harninkontinenz oder zur enteralen Ernährung", so Dr. Matthias Brockstedt, Vorsitzender der Arzt-Apothekerkooperation der Berliner Ärztekammer zur "Ärzte Zeitung".

Bei den Vorträgen seien im Schnitt zwei Drittel der Zuhörer Apotheker und ein Drittel Ärzte. Bei den Workshops, für die eine Anmeldung nötig ist, gebe es immer eine gleich verteilte Teilnehmerzahl von je 15 bis 20 Ärzten und Apothekern. Die Veranstaltungen sind jeweils für beide Berufsgruppen zertifiziert. Aktuell für dieses Frühjahr stand nun vergangene Woche das Thema "Arzt und Apotheker als Teampartner bei der Wundversorgung" an.

"Vor zehn Jahren war der Markt an Verbandmaterialien noch recht übersichtlich. Das hat sich inzwischen mit den Möglichkeiten zur modernen Wundversorgung stark geändert. Apotheker kennen sich hier meist besser aus in den verschiedenen Materialien. Ärzte haben wiederum das medizinische Wissen zur Entstehung von Wunden und zu aktuellen Therapiekonzepten", erläutert Dr. Christian Heyde, Chefapotheker der Ruppiner Kliniken das Veranstaltungskonzept. "In der Klinik haben wir dazu bereits gemeinsam eine Strategie entwickelt, für welche Wunde welcher Verband geeignet ist. Das könnte aber auch im niedergelassenen Bereich ähnlich funktionieren", so der Vorsitzende der Kommission Arzt-Apotheker der Apothekerkammer Berlin, der die Fortbildung vor kurzem moderierte.

Dazu könnte ein Apotheker aufgrund seines Know-hows eine Liste zu verschiedenen Wundverbänden mit den jeweiligen Eigenschaften und Preisen aufstellen und eventuell noch mit einer persönlichen Bewertung ergänzen. Diese Liste kann einem kooperierenden Arzt dann helfen, je nach Wunde das optimale Versorgungssystem zu verordnen. In einem gemeinsamen Gespräch lässt sich so auch klären, wann die Verordnung feuchter Wundverbände sinnvoll ist, so Heyde.

Denn gerade bei chronischen Wunden, etwa Unterschenkelgeschwüren, helfe ein solches teures modernes Wundmanagement langfristig Kosten zu sparen, nämlich durch eine schnellere Heilung, weniger Komplikationen, weniger Arztbesuche oder weniger ambulante Verbandwechsel. Dies ist etwa auch Thema auf der gemeinsamen Fortbildung. Zusätzlicher Effekt der Kooperation: Der Patient fühlt sich optimal betreut von Arzt und auch von Apotheker.

Eine ähnliche Liste mit verschiedenen Inkontinenz-Produkten, ihren Qualitäten und ihrer Erstattungsfähigkeit habe auch der referierende Apotheker beim Harninkontinenz-Seminar vorgestellt, berichtete Heyde. Denn gerade bei deren Verordnung herrsche oft Unsicherheit - einerseits wegen des unübersichtlichen Angebotes, andererseits wegen der Erstattungssituation, so Heyde.

"Selbst unsere ärztliche Referentin, eine Expertin mit eigener Inkontinenz-Sprechstunde in der Klinik, war überrascht, welche Materialienvielfalt es auf dem Markt gibt", ergänzte Brockstedt. Es sei aber nicht immer leicht, Vertreter beider Berufsgruppen vom Nutzen der gemeinsamen Veranstaltungen zu überzeugen. Ärzte sorgten sich etwa wegen möglicher Kompetenzüberschreitungen bei den Apothekern. "Tatsache ist jedoch, dass beide Berufsgruppen von der gemeinsamen Fortbildung profitieren können.

Wir berücksichtigen das bereits bei der Themenplanung", betont Heyde. Das Themenspektrum sei breit. So habe es bereits Veranstaltungen zu Themen wie "Lifestyle und Internet", "Arzneimittelanwendungen bei Kindern und im Alter", zur "HIV-Therapie" und zu "Zeckenübertragbaren Krankheiten" gegeben. Die Inhalte konnten Arzt und Apotheker als Service zur Patienten-Beratung gezielt nutzen. "Ich habe selbst von der Kooperation profitiert und kann besser einschätzen, auf welche Kompetenzen ich bei Apothekern zurückgreifen kann, wenn es darum geht, Asthma-Patienten in den Gebrauch ihres Inhaliergerätes einzuweisen, um so Compliance und Arzneimittelsicherheit zu erhöhen", so Brockstedt.

Alles, was Ärzte und Apotheker gemeinsam bewegt, steht auch im Fokus von "ApothekerPlus". Das neue interdisziplinäre Medium finden Sie ab 9. Mai jeden zweiten Freitag in Ihrer "Ärzte Zeitung".

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