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Palliativtherapie

Bestmögliche Lebensqualität ist das Ziel

Palliativsituation: Elemente der Schmerztherapie werden abhängig von Situation und Wünschen der Betroffenen verschieden gewichtet.

Veröffentlicht:

NEU-ISENBURG. In der Palliativsituation steht die Lebensqualität des Patienten im Mittelpunkt. So müssen zum Beispiel möglicher Schaden und potenzieller Nutzen einer kausal ansetzenden Strahlentherapie abgewogen und mit den Wünschen des Patienten abgeglichen werden.

Nach Ansicht des emeritierten Palliativmediziners Professor Hans-Christof Müller-Busch aus Berlin gilt es, folgende Aspekte besonders zu beachten:

  • Wo befindet sich der oder die Betroffene in seiner/ihrer biografischen Lebenssituation?
  • Wie und wie stark wird die Lebensqualität durch die Schmerzen beeinträchtigt?
  • Welches Behandlungsziel verfolge ich mit einer effektiven Schmerztherapie?
  • Welche Belastungen in Diagnostik und Nebenwirkungen der Therapie kann und darf ich im Einverständnis mit den Betroffenen in Kauf nehmen?
  • Welche existenziellen Probleme begleiten Betroffene in ihrer fortgeschrittenen Krankheitssituation angesichts des Todes? (Angew Schmerzther Palliativmed 2011; 2: 27).

Wichtig ist es zudem, Begleitbeschwerden wie Schlafstörungen, Angst, Schwitzen, Obstipation und Übelkeit zu erfassen. Entsprechend werden die Elemente der Schmerztherapie - optimale Medikation, physikalische Maßnahmen, psychosoziale Begleitung und Pflege - verschieden gewichtet.

"Schmerz ist zwar eines der wichtigsten Symptome bei Palliativpatienten. Dennoch wird von vielen Patienten nicht der Schmerz, sondern die mit der Grunderkrankung verbundene Schwäche und Erschöpfung als das am meisten beeinträchtigende Symptom empfunden", so Müller-Busch.

Er zitiert eine Studie, wonach zwar Onkologen glaubten, dass Schmerzen ihre Patienten in stärkerem Ausmaß beeinträchtige als Fatigue (61 versus 37 Prozent), die Patienten sahen es jedoch genau umgekehrt: Fatigue beeinträchtige ihr tägliches Leben stärker als der Schmerz (61 versus 19 Prozent).

Insgesamt wird Fatigue zwischen Patienten und Ärzten selten besprochen und unregelmäßig behandelt (Semin Hematol 1997; 34 (3 Suppl 2):4-12).

Des Weiteren erinnert Müller-Busch daran, dass etwa 10-25 Prozent der Schmerzen auf antineoplastische Therapien zurückzuführen sind.

Davon zu unterscheiden sind tumorassoziierte Schmerzsyndrome, sowie chronische Schmerzleiden, die unabhängig von der Krebskrankheit zusätzlich vorliegen, etwa Migräne, Arthrose- oder Osteoporose-bedingte Schmerzen. Deren Therapie dürfe in der Palliativsituation nicht vernachlässigt werden, fordert Müller-Busch.

Als wesentliche Aufgabe einer umfassenden palliativmedizinischen Versorgung sieht er zudem die Beratung und Begleitung des Betroffenen und der Familie an.

Das Aufnehmen existenzieller Fragen und die respektvolle Kommunikation erlaube es, eine differenzierte und reflektierte Position zu den im Raume stehenden Entscheidungsfragen und existenziellen Sorgen zu finden. (ner)

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