WHO-Resolution

Bissiger gegen Schlangenbisse

An den Folgen eines Schlangenbisses sterben jährlich rund 138.000 Menschen. Mit einer neuen Strategie will die WHO nun die Zahl dieser Todesfälle senken – und nimmt dafür 73 Millionen Euro in die Hand.

Von Anne Bäurle Veröffentlicht: 05.06.2019, 14:10 Uhr
Bissiger gegen Schlangenbisse

Vorsicht, Schlange! Die WHO will die Zahl der Todesfälle durch Schlangenbisse bis 2030 halbieren.

© mgkuijpers / stock.adobe.com

Mit einem neuen, gerade verabschiedeten Strategiepapier will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Zahl der weltweiten Todesfälle durch Schlangenbisse bis zum Jahr 2030 halbieren.

Auch wenn Touristen nicht unbedingt zu den stark gefährdeten Gruppen gehören: Giftschlangen sind bekanntlich auch in den bei Urlaubern beliebten Reisezielen Australien oder in südostasiatischen und afrikanischen Ländern heimisch.

Für Touristen – und Einheimische – gelten die Ratschläge, nicht barfuß im Buschgelände umherzulaufen, eine Taschenlampe mitzunehmen und bei Dunkelheit Wege zu beleuchten.

Auch Netze vor offenen Fenstern können Giftschlangen abhalten. Viel häufiger als Reisende ist aber ohne Frage die lokale Bevölkerung von Schlangenbissen betroffen, etwa wenn die Menschen barfuß auf den Feldern arbeiten.

Bleibende Schäden

Angaben der WHO zufolge sind Giftschlangen eine Gefahr für fast sechs Milliarden Menschen weltweit. Jeden Tag würden fast 7400 Menschen von giftigen Schlangen gebissen, 2,7 Millionen Menschen pro Jahr.

Bis zu 138.000 Menschen sterben laut WHO weltweit nach einem Biss von Giftschlangen, und 400.000 Menschen behalten bleibende Schäden, darunter Amaurose, Amputationen oder eine posttraumatische Belastungsstörung. Damit seien Schlangenbisse und deren gesundheitliche Folgen neben Dengue-Fieber (das deutlich mehr Beachtung erfährt) oder Schistosomiasis eine der 20 vernachlässigten Tropenkrankheiten.

Gut 82 Millionen Dollar (73 Millionen Euro) will die WHO für ihr Ziel in die Hand nehmen. So sollen etwa Menschen in gefährdeten Gebieten besser informiert und traditionelle Heiler geschult werden, da diese von der Bevölkerung häufig als erste aufgesucht werden.

Bei alarmierenden Symptomen sei es wichtig, dass die Heiler Patienten direkt zur Behandlung in eine Klinik schickten und nicht versuchten, die Patienten selbst zu behandeln.

Die WHO will auch die bislang „völlig unzureichende“ Produktion von Gegengift fördern. In Afrika etwa ist das Problem besonders groß, weil es kein einziges adäquates Mittel gibt. In Indien wird zwar Gegengift hergestellt, viele Produkte sind allerdings von zweifelhafter Qualität.

Kaum Antivenine

Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ begrüßt die Resolution. „Schlangenbisse sind mit Antiveninen gut behandelbar. Vor allem in ländlichen Gegenden haben aber viele Menschen zu wenig Zugang zu einer wirksamen Behandlung“, heißt es in einer Mitteilung der Hilfsorganisation.

Gegengifte seien oft nicht verfügbar oder so teuer, dass die Menschen die Behandlung nicht bezahlen könnten. Mehrere pharmazeutische Unternehmen hätten zudem die Herstellung von auf die Anwendung in afrikanischen Ländern zugeschnittenen Antiveninen gestoppt.

„Wir sind vorsichtig optimistisch, dass das Strategiepapier der WHO ein Wendepunkt in der Bekämpfung von Schlangenbissen ist“, wird Julien Potet von der Medikamentenkampagne von „Ärzte ohne Grenzen“ in der Mitteilung zitiert.

Die jetzt von der WHO veröffentlichte Strategie enthalte klare Finanzierungsvorgaben, die gewährleisten sollen, dass Betroffene nicht mehr selbst für ihre Behandlung aufkommen müssen, heißt es in der Mitteilung weiter.

Die Strategie ziele außerdem darauf ab, dass neue sichere Gegengifte entwickelt werden und bezahlbar sind und dass in den am stärksten betroffenen Regionen mehr Menschen behandelt werden.

Weltweite Koalition

Ausgerollt werden soll das WHO-Projekt bis zum Jahr 2020 zunächst in zehn bis zwölf Ländern, in denen die Gefahr für Schlangenbisse besonders hoch ist. In den Jahren 2021 bis 2024 sollen dann weitere 35 bis 40 Länder hinzukommen, wenn die bisherigen Erfahrungen positiv seien und die Strategie erfolgreich verlaufe, berichtet die WHO.

In den Jahren 2024 bis 2030 schließlich sollen weltweit alle Länder Strategien zum Kampf gegen Todesfälle durch Schlangenbisse in ihre Gesundheitssysteme implementiert haben.

Die Organisation will zudem eine weltweite Koalition aufbauen, die die Erfolge überwacht und sicherstellt, dass bis 2030 das Ziel, die Zahl der Todesfälle durch Schlangenbisse zu halbieren, tatsächlich auch erreicht wird. (mit Material von dpa)

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