Klug entscheiden

Blick über den Tellerrand nützt Rheuma-Patienten

Mit ihrer Initiative „Klug entscheiden“ will die DGIM einer Über- und Unterversorgung entgegenwirken. Dabei lohnt auch der Blick auf Empfehlungen der Nachbardisziplinen.

Veröffentlicht: 28.10.2020, 07:02 Uhr

Wiesbaden. Die bis dato 149 Empfehlungen aus 12 Fachbereichen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin enthalten auch solche der rheumatologischen Fachgesellschaft.

Aufgrund der Multimorbidität vieler Patienten und fachlicher Überlappungen profitieren Rheumatologen aber auch von Empfehlungen anderer Fachgruppen. Sie sollten Verordnungen beachten, um Patienten vor Wechselwirkungen zu schützen.

Gesamtmedikation kann problematisch werden

„Das Typische bei diesen Risiken ist, dass die Verordnung des einzelnen Arztes in Ordnung ist, aber die Behandlung der Patienten in der Regel durch 3–5 Ärzte erfolgt, und somit die Gesamtmedikation zum Problem werden kann“, warnte Professor Daniel Grandt, Internist und Gastroenterologe am Klinikum Saarbrücken und Koordinator der S2k-Leitlinie „Arzneimitteltherapie bei Multimorbidität“ auf dem virtuellen Rheumatologie-Kongress 2020.

So verwies er neben den bekannten Risiken von NSAR bei Herzerkrankungen unter anderem auf mögliche Interaktionen von ACE-Hemmern (ACEi) – und Sartanen –, die auch bei Proteinurie bei rheumatischen Erkrankungen mit Nierenbeteiligung verschrieben werden. So könne die Kombination aus ACEi + Diuretikum + NSAR akut zum Nierenversagen führen und werde daher manchmal als „chemische Nephrektomie“ bezeichnet.

Gefährlich ist auch die Kombination QT-Zeit-verlängernder Medikamente, etwa von Hydroxychloroquin mit manchen Psychopharmaka wie Citalopram oder Antibiotika wie Azithromycin. Cotrimoxazol + ACEi erhöht das Risiko einer Hospitalisierung wegen Hyperkaliämie 7fach, ACEi + Phenprocoumon das wegen Blutungen, und ACEi + Sulfonylharnstoff das von Hypoglykämien. (bib)

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