Diabetes

Breite Klaviatur der Therapieoptionen nutzen

Der DPP-4-Hemmer Sitagliptin ist als Add-on oder als Fixkombi mit Metformin eine gute Option bei Diabetes-Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen.

Von Dagmar Jäger-Becker Veröffentlicht:

MANNHEIM. Für die individualisierte Behandlung des heterogenen Typ-2-Diabetes steht eine große Auswahl an Antidiabetika für Patienten in allen Diabetesphasen zur Verfügung. Der DPP-4-Hemmer Sitagliptin adressiert mehrere pathologische Mechanismen der Erkrankung und ist eine gute Option für ein breites Patientenspektrum, erklärte Dr. Andreas Lueg vom Diabeteszentrum L1 in Hameln beim Internistenkongress.

Am Fall eines langjährigen, adipösen, 63-jährigen Typ-2-Diabetikers mit schlecht eingestelltem Blutzucker, unregelmäßiger Einnahme von Metformin und Widerstand gegen Lebensstilveränderungen diskutierte Lueg die Möglichkeiten einer Therapieeskalation nach Metformin.

Der vorgestellte Patient brachte erst nach einem Myokardinfarkt die Disziplin auf, sein Gewicht um 6 kg zu reduzieren und regelmäßig seine Medikamente einzunehmen. Außer einer koronaren Herzerkrankung, die in der bisherigen Therapie nicht berücksichtigt worden war, hatte der Patient auch mikrovaskuläre Spätschäden (Nephropathie, Neuropathie) sowie eine diabetische Dyslipidämie entwickelt. Durch eine frühzeitige Reduktion des HbA1c-Wertes hätten die mikrovaskulären Spätschäden verhindert werden können, so Lueg bei einer von Berlin-Chemie unterstützten Veranstaltung.

Als relevante Möglichkeit einer Add-on-Therapie zu Metformin sieht Lueg einen DPP-4 (Dipeptidylpeptidase-4)-Hemmer wie Sitagliptin, der die Konzentration der aktiven Inkretinhormone erhöht, damit die Blutzuckerkontrolle verbessert und zudem gewichtsneutral wirkt und keine Hypoglykämien verursacht.

Trotz der kardiovaskulären Vorerkrankung des Patienten sei Sitagliptin (Xelevia®) als Add-on oder Sitagliptin als Fixkombination mit Metformin (Velmetia®) eine gute Wahl, so Lueg. Wie eine große, Placebo-kontrollierte kardiovaskuläre Sicherheitsstudie bei mehr als 14.000 Patienten mit kardiovaskulärer Vorerkrankung gezeigt hat (TECOS-Studie, NEJM 2015, 373: 232-242), führte Sitagliptin zusätzlich zu einer bestehenden antidiabetischen Standardtherapie weder zu einem Anstieg des Risikos für schwere kardiovaskuläre Komplikationen noch zu vermehrten Klinikeinweisungen aufgrund von Herzinsuffizienz oder anderen unerwünschten Ereignissen.

Bei Diabetikern mit Nierenfunktionseinschränkung sei Sitagliptin eine der wenigen verbleibenden Therapieoptionen, betonte Lueg. In einer Studie über 54 Wochen mit Typ-2-Diabetikern mit mäßiger bis schwerer Niereninsuffizienz senkte das inkretinbasierte Antidiabetikum den HbA1c-Wert ebenso gut wie ein Sulfonylharnstoff, wobei im Vergleich weniger Hypoglykämien auftraten und es zudem zu einem Gewichtsverlust kam.

Dass außerdem die Blutdruck- und Lipidkontrolle wichtige Bausteine zur Risikoreduktion sind, machte Professor Klaus Bonaventura von der Ernst von Bergmann Klinik für Kardiologie und Angiologie in Potsdam deutlich. Alle Risikofaktoren müssten behandelt werden. Bei der Blutdruckkontrolle liege der RR-Zielwert < 140 / 85 mmHg, das Ziel-LDL-Cholesterin liege bei den Hochrisikopatienten < 70 mg / dl. Studiendaten sprechen zudem für den Nutzen einer verlängerten dualen Thrombozytenaggregationshemmung nach einem Myokardinfarkt.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Seltene, aber schwere Nebenwirkung

NSAR und Metformin: eine gefährliche Kombination

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Porträts: [M] Feldkamp; Luster | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

© Portraits: [M] Feldkamp; Luster | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Die Schilddrüse tickt in jedem Lebensalter anders

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Influenza-Saison 2026/27

Bestellung von Grippe-Impfstoffen: jetzt!

Lesetipps
Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?

Ein Stempel mit der Aufschrift "Regress"

© Gina Sanders / stock.adobe.com |

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen