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COPD-Medikamente meist sicher fürs Herz

Eine chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD) ist mehr als nur eine Erkrankung der Atemwege: Häufig ist auch das Herz betroffen. Zudem gilt es, Auswirkungen der COPD-Medikamente im Auge zu behalten.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Eine Option bei schwerer COPD: Sauerstoff-Langzeittherapie.

Eine Option bei schwerer COPD: Sauerstoff-Langzeittherapie.

© Photos.com plus

DRESDEN. Bei COPD-Patienten kann es sekundär zu Problemen speziell des rechten Herzens kommen (Cor pulmonale). Auch deswegen wird möglichen kardialen Wirkungen von COPD-Medikamenten traditionell viel Beachtung geschenkt.

Insgesamt ist die Datenlage bisher aber relativ dünn, weil herzkranke Menschen bisher kaum an COPD-Studien teilnehmen.

Professor Heinrich Worth von der Medizinischen Klinik I am Klinikum Fürth gab bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Dresden einen breit angelegten Überblick über die Datenlage zu den kardialen Effekten der COPD-Medikation.

Inhalative Beta-Sympathomimetika seien in Langzeitstudien mit einer höheren Inzidenz an supraventrikulären Tachykardien assoziiert gewesen, so Worth. Eine geringe Zunahme ventrikulärer Tachykardien wurde in einigen Studien gesehen, in anderen dagegen nicht.

Retrospektive Daten zu einer Erhöhung des Herzinfarktrisikos unter Sympathomimetika hält der Experte für nicht überzeugend genug, um daraus beim herzgesunden Patienten Einschränkungen ableiten zu können. Wenn überhaupt, dann sei dieser Effekt bei sehr hohen Dosen und sehr langer Therapie denkbar. Eindeutig belegt sei das aber nicht.

Auf dem Prüfstand: kardiale Effekte von Anticholinergika

Etwas mehr Daten gibt es zu möglichen kardialen Effekten von Anticholinergika. Hier hatte im Jahr 2008 eine Metaanalyse für Aufsehen gesorgt, die angab, ein um knapp 60 Prozent erhöhtes Risiko für kardiovaskulären Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall bei anticholinerg behandelten COPD-Patienten gefunden zu haben.

Diese Metaanalyse sei unter anderem deswegen methodisch kritikwürdig, weil der kardiovaskuläre Endpunkt der Metaanalyse in den einzelnen Studien gar nicht auftauche, so Worth.

Zudem gebe es aus kontrollierten Studien wie der UPLIFT-Studie mit Tiotropium über drei Jahre kontrollierte Daten, die im Hinblick auf unterschiedliche kardiale Ereignisse keinen Unterschied zwischen Anticholinergikum und Placebo gezeigt hatten.

Für kardiovaskulär mit hoher Wahrscheinlichkeit unbedenklich hält Worth inhalative Steroide und den PDE4-Hemmer Roflumilast. Bei den inhalativen Steroiden, konkret Fluticason, fand sich in der TORCH-Studie über ein Jahr kein Hinweis auf ein erhöhtes kardiales Risiko.

"An dieser Studie haben auch Patienten teilgenommen, die vorher einen Herzinfarkt gehabt hatten", so Worth. Ebenfalls keine Hinweise auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko lieferten die bisherigen Studien zu Roflumilast bei Patienten mit schwerer COPD und Bronchitissymptomen. QT-Verlängerungen, Rhythmusstörungen und schwere kardiovaskuläre Ereignisse waren jeweils nicht häufiger als in den Kontrollgruppen. Eher gab es einen gegenläufigen Trend.

Zu kardialen Komorbiditäten nur sehr wenige Daten

"Insgesamt kann die kardiale Sicherheit der COPD-Medikamente aufgrund der existierenden Studien damit als hoch angesehen werden, wenn keine kardialen Komorbiditäten bestehen", so Worth. Für Patienten mit kardialen Komorbiditäten gebe es dagegen nur sehr wenige Daten, sodass hier keine definitive Aussage möglich sei, so der Experte aus Fürth.

Zieht man das Thema COPD und Herz von hinten auf, dann gibt es umgekehrt bisher keinen Hinweis darauf, dass die derzeit eingesetzten Medikamente die Funktion des bei COPD oft in Mitleidenschaft gezogenen rechten Herzens nennenswert verbessern.

Das gelte auch für die Langzeittherapie mit Sauerstoff, wie Dr. Michael Halank vom Uniklinikum Dresden ausführte. Ein Überlebensbenefit für die Sauerstoff-Langzeittherapie sei bisher überhaupt nur für jene COPD-Patienten nachgewiesen worden, deren CO2-Partialdruck über 43 mmHg liegt.

"Und hier ist der Nutzen neueren Daten zufolge eher auf eine Entlastung der Atempumpe zurückzuführen als auf eine Entlastung des rechten Herzens", so Halank. In einigen Studien bei gesunden Probanden habe Sauerstoff sogar einen hemmenden Einfluss auf die Herzfunktion gehabt. Hier wurde allerdings überwiegend Sauerstoff in hohen Konzentrationen beziehungsweise in Reinform eingesetzt.

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