Neuropathie durch Krebsbehandlung

Chemotherapie erhöht das Sturzrisiko

Viele Jahre nach einer Chemotherapie haben Frauen mit Krebs noch immer Symptome einer durch die Krebsbehandlung induzierten peripheren Neuropathie. Im Vergleich zu Patientinnen ohne diese Symptome ist bei ihnen zudem das Risiko für Stürze verdoppelt.

Veröffentlicht:

PORTLAND. Bisherige Untersuchungen zur Chemotherapie-induzierten peripheren Neuropathie stützten sich vor allem auf die Angaben der betroffenen Patienten. Ärzte um Dr. Kerri M. Winters-Stone von der Oregon Health & Science University in Portland haben deshalb in einer Studie sowohl anhand der subjektiven Angaben von Krebspatientinnen als auch anhand objektiver Messungen die Folgen der anhaltenden Neuropathie analysiert (J Clin Oncol 2017; 35: 2604-2612).

Die Patientinnen waren Teilnehmerinnen von vier Studien und zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose älter als 50 Jahre. Sie hatten keine Metastasen und keine neurologischen Symptome und waren mehr oder weniger Bewegungsmuffel. An der Universität wurden sie Jahre nach der Diagnose zum einen nach ihrer körperlichen Fitness, zum anderen nach möglichen Stürzen gefragt. Außerdem wurden objektive Messungen vorgenommen, etwa der körperlichen Leistungsfähigkeit, sowie eine Ganganalyse (Geschwindigkeit und Muster).

Fast die Hälfte der Frauen hat nach sechs Jahren noch eine Neuropathie

Mehr als 500 Patientinnen im Alter von 63 ± 6 Jahren nahmen an der Studie teil, die meisten hatten Brustkrebs (78 Prozent). Sie waren mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 29,6 ± 6,6 kg/m2 adipös. Nur 11 Prozent hatten außer Krebs auch einen Diabetes mellitus. Die Krebsdiagnose lag drei Monate bis 33 Jahre zurück (5,8 ± 4,1 Jahre).

Nach Angaben der Ärzte berichteten durchschnittlich sechs Jahre nach der Krebstherapie 47 Prozent der Teilnehmerinnen noch immer über einen Sensibilitätsverlust in den Beinen. Sowohl den Eigenberichten als auch den objektiven Messungen zufolge war die körperliche Fitness in der Gruppe mit peripherer Neuropathie signifikant schlechter. Ausnahme: die maximale Beinmuskelkraft und die Unterstützungsfläche des Körpers (Base of Support, BOS) während des Gehens.

Im Vergleich zu Patientinnen ohne periphere Neuropathie gingen die Frauen mit der neurologischen Störung langsamer und in kürzeren Schritten. Sie berichteten, körperlich deutlich eingeschränkter zu sein und mussten öfter stehen bleiben, um das Gleichgewicht zu stabilisieren. Außerdem war bei ihnen die Wahrscheinlichkeit, innerhalb des vergangenen Jahres gestürzt zu sein, um fast das Zweifache höher (Odds Ratio [OR]: 1,78; 95%-Konfidenzintervall zwischen 1,19 und 2,67; p < 0,01) als in der Vergleichsgruppe. Etwas geringer lag die Wahrscheinlichkeit für Stürze mit Verletzungsfolgen (OR: 1,32; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,84 und 2,10). Das Sturzrisiko war zudem höher, je ausgeprägter die Neuropathiesymptome waren.

Nach Angaben der Studienautoren um Winters-Stone sprechen die Ergebnisse dafür, so früh wie möglich Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathien zu erkennen und entsprechend zu behandeln, um das Fortschreiten zu unterbinden und damit die körperliche Funktion zu erhalten und damit letztlich auch Stürze zu verhindern. (ple)

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Kommentare
Dipl.-Psych. Waltraud Braek 20.09.201710:10 Uhr

Behandeln - aber wie?

Ich (Psychologin) kenne viele Betroffene, die nach Chemotherapie (besonders mit Taxanen) unter Polyneuropathie leiden. Keiner davon wurde irgendwie "behandelt". Wie kann eine Polyneuropathie behandelt werden???

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