HINTERGRUND

Chikungunya - exotische Virus-Infektion bei deutschen Touristen

Von Stefan Käshammer Veröffentlicht:

"Chikungunya" - das ist der Name eines bisher wenig bekannten Virus, das sich auf den vor der afrikanischen Ostküste gelegenen Inseln im Indischen Ozean seit Monaten stark ausbreitet. Es verursacht eine "sehr lästige, aber nicht lebensbedrohliche" Erkrankung, sagt Professor Thomas Löscher, Leiter des Münchner Tropeninstituts.

Jetzt könnten auch Ärzte in Deutschland damit konfrontiert werden, denn das exotische Virus wurde in dieser Woche bei Reiserückkehrern in München und Hamburg nachgewiesen.

Eine 63jährige Münchnerin hatte sich auf Mauritius mit dem Chikungunya-Virus infiziert. Auch das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg berichtet von mehreren Infektionen bei Reiserückkehrern.

Touristen sollte man guten Mückenschutz empfehlen

Reisemedizinisch tätige Ärzte werden sicher häufig auf das Virus angesprochen werden. Urlaubern in Risikogebiete können sie dann nur raten, sich rund um die Uhr vor Mücken zu schützen. Denn das Chikungunya-Virus wird von tag- und nachtaktiven Aedes-Mücken übertragen. Ein Impfstoff ist noch nicht verfügbar.

Das Wort "Chikungunya" ist Kisuaheli und bedeutet "gekrümmt laufen". Tatsächlich bekommen Infizierte nach einer Inkubationszeit von fünf bis zehn Tagen plötzlich starke Muskel- und Gelenkschmerzen, die ein charakteristisches Gangbild bedingen. Außerdem tritt hohes Fieber auf. Das Krankheitsbild ähnelt somit dem Dengue-Fieber, wobei schwere Verläufe mit Meningitis und Hämorrhagien bei Chikungunya-Infizierten viel seltener sind.

Die Patienten können nur symptomatisch behandelt werden. Die Krankheit heilt meist spontan aus, oft leiden die Patienten aber noch nach Monaten unter Abgeschlagenheit. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt. Ob die Infektion eine Immunität hinterläßt, ist unklar. Das Robert-Koch-Institut bittet um Meldung, wenn Ärzte bei Reiserückkehrern die beschriebenen Symptome beobachten.

    Risikogebiete sind La Réunion und andere Inseln im Indischen Ozean.
   

Am schlimmsten betroffen ist die zu Frankreich gehörende Insel La Réunion. Dort sprechen Tropenmediziner von epidemischen Ausmaßen. Seit Beginn der Regenzeit im Dezember hat die Zahl der Infektionen dort exponentiell zugenommen. Mittlerweile war bereits jeder fünfte der 775 000 Inselbewohner mit dem Virus infiziert. Allein im Januar starben über 70 Menschen an Komplikationen, hauptsächlich Alte und Kinder.

In der Bevölkerung wachse die Angst vor einer weiteren Ausbreitung und einer möglichen Mutation des Virus’, beschreiben Tropenmediziner vor Ort die Situation. Inzwischen sind 2400 französische Soldaten im Einsatz. Sie sollen mit Pestiziden die Brutstätten der Moskitos austrocknen. Die Moskitobekämpfung war auf La Réunion nach Ausrottung der Malaria stark eingeschränkt worden.

Auch aus Mauritius wurden über 200 mit Chikungunya-Infizierte gemeldet. Außerdem betroffen sind Madagaskar, die Komoren und die Seychellen. In Frankreich wurden bei über 30 Reiserückkehrern aus La Réunion Infektionen nachgewiesen. Es bestehe aber keine Gefahr, daß sich das Virus auch in Europa ausbreitet, so die französische Zeitung "Le Monde". "Wir gehen davon aus, daß die Epidemie auf La Réunion in den kommenden Wochen abklingt", sagt François Bricaire, Infektiologe aus Paris.



STICHWORT

Mückenschutz

Wie man sich richtig vor Mücken schützt, ist ein wichtiges Thema für die reisemedizinische Beratung. Dazu kann man einige Tips weitergeben.

  • Am besten wirken Mückenschutzmittel mit den Wirkstoffen DEET oder Bayrepel®. Ist es warm und feucht, muß man sich öfter mit den Mückenmittel einschmieren, etwa alle zwei bis drei Stunden. Es genügt aber, das Mittel dünn aufzutragen.
  • Sonnencreme gehört immer unter das Repellent.
  • Es ist sinnvoll, zusätzlich die Kleidung mit einem Permethrin-Spray zu imprägnieren.
  • Aedes-Mücken, die das Chikungunya-Virus übertragen, stechen tags und nachts. Man muß sich also zu jeder Zeit vor ihnen schützen. Es kann sinnvoll sein, unter einem Moskitonetz zu schlafen.
  • Duftende Deos und Parfums sollte man weglassen, sie ziehen Stechmücken an.
  • Auch alter Schweiß zieht die Mücken an - man sollte also auf Sauberkeit achten. (ug)
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