Chirurgen wollen Technik, aber nicht um der Technik Willen

BERLIN (gvg). Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie hat die Bedeutung technischer Innovationen für die Weiterentwicklung der operativen Fächer herausgestellt. Wichtig sei aber vor Markteinführung eine solide Überprüfung der Verfahren.

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Die Chirurgen haben sich mit dem Thema Technik unter anderem mit Blick auf den 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) Ende April 2009 auseinandergesetzt. Der Kongress wird das Motto "Humanität durch Technik" tragen. Eine ganze Reihe von Symposien und Beiträgen wird sich mit dem Einsatz moderner Medizintechnik im Operationssaal auseinandersetzen.

"Ich möchte den Glanz in den Augen der Erfinder sehen"

"Die Technik ist das Instrument des Chirurgen, nie aber Selbstzweck und Inhalt", betonte DGCH-Präsident Professor Volker Schumpelick vom Universitätsklinikum der RWTH Aachen. Als Beispiel für eine technische Innovation, die die Chirurgie in jüngerer Vergangenheit voran gebracht habe, nannte er die Computernavigation, etwa bei der operativen Entfernung von Lebertumoren: "Durch massiven Einsatz von Rechenleistung wird es möglich, dass wir bei einer Resektion weniger gesunde Leber entfernen müssen."

Ein ganz anderes Beispiel sind leichtgewichtige Netze: Sie lösen vor allem in der Hernienchirurgie zunehmend die starken Kunststoffnetze ab, die viele Jahre lang zum Einsatz kamen. "Diese einfache Neuerung führt zu weniger Narbenbildung und weniger postoperativen Schmerzen und damit zu höherer Versorgungsqualität", so der Experte. Gerade die leichten Netze seien ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Innovationen in der Chirurgie aus der Anwendung heraus kommen müssen. "Das müssen wir viel stärker fördern. Ich möchte wieder häufiger den Glanz in den Augen von Erfindern sehen", so Schumpelick.

Positionspapier soll veröffentlicht werden

DGCH-Generalsekretär Professor Hartwig Bauer betonte aber, dass technische Innovationen in der Chirurgie geprüft werden müssten, bevor sie in der breiten Versorgung angewandt werden. Die arthroskopische "Knorpelkosmetik" bei Kniegelenksarthrose sei ein Beispiel für eine Innovation, die sich breit durchgesetzt habe, in Studien dann aber keinen überzeugenden Effekt hatte.

Auch die gescheiterte Einführung der Robotik bei der Hüftgelenksendoprothetik und der Misserfolg von Verfahren wie der Lasertherapie des Herzmuskels mahnten zur Vorsicht.

Die Einführung innovativer Verfahren in die Chirurgie zu unterstützen, will die DGCH bald ein Positionspapier veröffentlichen. "Darin wollen wir den Begriff der Innovation in der Chirurgie klären und die Voraussetzungen benennen, die erfüllt sein müssen, bevor eine chirurgische Innovation in der breiten Versorgung angewandt werden kann", so Bauer.

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