Chronischer Schmerz bestimmt das Leben

Defizite in der Versorgung von Patienten mit chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen hat eine europaweite Umfrage aufgedeckt. Trotz Therapie haben neun von zehn Betroffenen mittelstarke bis starke Schmerzen.

Von Simone Reisdorf Veröffentlicht:
Starke chronische Schmerzen machen einen normalen Tagesablauf unmöglich. © Junial Enterprises / fotolia.com

Starke chronische Schmerzen machen einen normalen Tagesablauf unmöglich. © Junial Enterprises / fotolia.com

© Junial Enterprises / fotolia.com

BERLIN. Ernüchternde Ergebnisse zur Versorgung von Patienten mit chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen hat die PainSTORY, eine europaweite Umfrage, zutage gebracht: 95 Prozent der Patienten leiden trotz Behandlung an mittelstarken bis starken Schmerzen.

In PainSTORY (Pain Study Tracking Ongoing Responses for a Year), einer von Mundipharma unterstützten Umfrage in 13 Staaten Europas, ist erstmals der Einfluss chronischer Schmerzen auf das tägliche Leben von Schmerzpatienten qualitativ erfasst worden. Dazu gaben 294 Patienten mit mittelstarken bis starken, nicht tumorbedingten Schmerzen viermal innerhalb eines Jahres (April 2008 bis Mai 2009) dem Marktforschungsinstitut Ipsos MORI telefonisch Auskunft zu verschiedenen Aspekten im Zusammenhang mit ihrer Schmerzerkrankung. In den dazwischen liegenden Monaten führten sie ein Schmerztagebuch, schrieben Erlebnisberichte oder fertigten Zeichnungen an, die weitere Ergebnisse über ihre Befindlichkeit lieferten.

Die Ergebnisse sind für die Teilnehmer aller 13 Länder ähnlich und ernüchternd: Am Ende des Befragungsjahres hatten trotz Therapie noch immer 95 Prozent der Patienten mittelstarke bis starke Schmerzen. 19 Prozent empfanden ihren Schmerz sogar stärker als zu Umfragebeginn. Aber nur 12 Prozent wurden mit starken und 25 Prozent mit schwachen Opioiden behandelt; 43 Prozent erhielten Nicht-Opioidanalgetika.

Mehr als die Hälfte der Patienten fühlte sich schmerzbedingt in der Lebensqualität stark beeinträchtigt. Nach einem Jahr berichteten immer noch sechs von zehn Patienten, dass der Schmerz ihr Leben kontrolliert. Zwei Drittel fürchteten, aus dem Berufsleben ausscheiden zu müssen, und etwa ein Drittel musste Arbeitsweise oder Arbeitsstunden an die mit den Schmerzen verbliebenen Möglichkeiten anpassen.

Viele Teilnehmer empfanden den Schmerz als unerträglich und "zum Heulen", fühlten sich "gefangen" oder "wie in der Hölle", was auch in Zeichnungen zum Ausdruck kam. Während des gesamten Jahres wurden nur 23 Prozent der Patienten auf ein stärkeres Schmerzmedikament umgestellt. Trotzdem glaubten etwa zwei Drittel, dass sie bereits die bestmögliche Therapie erhielten und alles getan wurde, um ihnen zu helfen.

Dass viele Patienten mit chronischen Schmerzen die Hoffnung auf Ärzte und Medikamente bereits aufgegeben haben, kommt auch darin zum Ausdruck, dass zu Beginn der Befragung 83 Prozent, am Ende aber nur noch 70 Prozent wegen ihrer Schmerzen einen Arzt aufsuchten. Nur zwei Prozent hatten einen Schmerzspezialisten konsultiert.

Zwei von drei Patienten litten wegen der Schmerzen unter Angst und Depressionen. Ein Drittel fühlte sich von den Mitmenschen ausgegrenzt oder gab an, wegen der Schmerzen weniger Freunde als früher zu haben. 44 Prozent fühlten sich während des gesamten Jahres in ihrem Kampf gegen den Schmerz allein gelassen, und 28 Prozent empfanden zumindest phasenweise den Wunsch zu sterben.

Mehr zum Thema

Studie mit Fremanezumab

CGRP-Antikörper lindert Migräne auch bei Minderjährigen

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Prozesse werden teurer

Tipps: So können Praxen die Risiken für einen GOÄ-Streit minimieren

Sie fragen – Experten antworten

Ab wann darf ich jüngere Menschen auf Kasse gegen Herpes zoster impfen?

Bei Senioren

Hypothermie bei Sepsis – ein Warnsignal!

Lesetipps
Eine Blutdruckmessung

© CasanoWa Stutio / stock.adobe.com

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Ein Mann im Hintergrund nimmt einen Schluck von einem Drink. Im Vordergrund stehen vier Flaschen mit alkoholischen Getränken.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert