Direkt zum Inhaltsbereich

Clostridien-Sporen im Essen können Säuglinge rasch töten

MAGDEBURG/WÜRZBURG (nsi). Bauchlage, schwere Decken, rauchende Eltern - das sind bekannte Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod. Die Ursache für den unerwarteten Tod eines Kindes kann jedoch auch eine ganz andere sein: etwa Nahrung, die mit Clostridien kontaminiert ist.

Veröffentlicht:

Der Tod von knapp zwei Jahre alten Zwillingen schien verdächtig: Die beiden Mädchen waren nicht mehr aus dem Mittagsschlaf erwacht. Plötzlicher Kindstod? Bei der Obduktion der beiden Kinder entdeckten die Pathologen massive Schleimhautverdickungen und -rötungen im Bereich des Dickdarms. Außerdem wiesen sie Clostridium difficile und dessen Toxin im Stuhl der Mädchen nach. Im Haushalt stießen die Ärzte auf Babynahrung, die mit Clostridien kontaminiert war. Offenbar war sie nicht frisch verwendet worden.

Das Ergebnis der Obduktion: Vermutlich hat Botulismus durch die belastete Nahrung den Tod herbei geführt, berichten Dr. Gerhard Jorch und Dr. Dagmar Fischer vom Zentrum für Kinderheilkunde der Universität Magdeburg (Klinische Pädiatrie 2004, 216, 31).

Um Botulismus bei Babys zu vermeiden, rät Fischer, angebrochene Babynahrung möglichst sofort zu verfüttern. Alternativ kann auch ein Teil, etwa aus einem noch ungeöffneten Glas, für die Mahlzeit entnommen und der Rest im Kühlschrank gelagert werden - jedoch höchstens einen Tag lang. Selbstgekochtes sollte mindestens zehn Minuten durchgekocht werden - aber möglichst nicht in der Mikrowelle, so Fischer zur "Ärzte Zeitung". Ein Löffelchen voll für Mama, eines fürs Kind ist ebenfalls tabu: Den Löffel fürs Baby sollte die Mutter nicht in den Mund nehmen.

Säuglingsbotulismus wird als Ursache für einen plötzlichen Kindstod unterschätzt, berichtet Dr. Ulrike Bartram von der Universitätskinderklinik in Würzburg (Klinische Pädiatrie 2004, 216, 26). In Studien aus Deutschland und anderen Ländern wurden bei 15 bis 30 Prozent der unerwartet gestorbenen Säuglinge Clostridien sowie Botulinumtoxin in Darm und Leber nachgewiesen. Bei den Kindern fand sich das Toxin im Darm teilweise in so hohen Konzentrationen, daß eine Clostridien-Infektion als Todesursache wahrscheinlich war. Bei plötzlichem Kindstod sollte daher auch an Botulismus gedacht werden, so Bartram.

Der mikrobiologische Nachweis von Clostridien oder deren Toxin sei allerdings nur ein indirekter Hinweis auf eine klinische bedeutsame Toxinwirkung, da es auch asymptomatische Verläufe gebe.

Daß Säuglinge besonders empfindlich auf die Erreger reagieren, liege daran, daß sie noch wenig Clostridien-hemmende Gallensäuren im Darm haben, erläutert die Ärztin. So können über die Nahrung aufgenommen Sporen auskeimen und das Toxin im Körper produzieren. Bei Erwachsenen müsse jedoch bereits genügend Toxin über die Nahrung aufgenommen werden, damit es zu Botulismus kommt. Denn bei ihnen können die Erreger im Darm in der Regel nicht überleben.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main

Galenus-Kandidat 2026

Verlangsamte Progression der Duchenne-Muskeldystrophie

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Lithiumtherapie aktiviert WNT-Signalweg

Regeneration der COPD-Lunge: Was ist da möglich?

Änderungen im Überblick

So wirkt sich das GKV-Spargesetz auf Praxen aus

Hepatologie im Wandel

Patienten mit Leberfibrose und -zirrhose bald heilbar?

Lesetipps
Ärztin untersucht einen Mann an der Schulter

© New Africa / stock.adobe.com

Betäubungsmittel richtig verordnen

Opioide in der Urlaubsvertretung: Wie sich Missbrauch vorbeugen lässt

Tablets to maintain the correct functioning of the human cardiovascular system on a blue background close-up

© bisonov / stock.adobe.com

Kombi schlägt Monotherapie

Diese Blutdrucksenker werden am besten vertragen