Direkt zum Inhaltsbereich

Einschränkungen für Ungeimpfte?

Corona: Länder nehmen Ausweitung von 2G in den Blick

Für Ungeimpfte könnten die Freiräume enger werden. In den Ländern wird wohl über eine Ausweitung von 2G nachgedacht. Die gesetzliche Krankenkasse erhält derweil einen Rekordzuschuss.

Veröffentlicht:
Mehr 2G ist Sache der Länder: Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin.

Mehr 2G ist Sache der Länder: Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin.

© Frederic Kern / Geisler-Fotopress / picture alliance

Berlin. Menschen, die nicht gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geimpft sind, müssen möglicherweise mit Einschränkungen rechnen. Darüber werden in den kommenden beiden Tagen Gespräche zwischen dem geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den Gesundheitsministerinnen und –ministern der Länder geführt.

Für die 55,6 Millionen vollständig geimpfter Bürgerinnen und Bürger solle die Uhr aber nicht zurückgedreht werden. „Niemand plant für diese Gruppe neue Einschränkungen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert nach der Kabinettssitzung am Mittwoch in Berlin.

Sollte sich die Corona-Lage weiter zuspitzen, könnten Alltagsbeschränkungen somit nur noch die Ungeimpften treffen, betonte Seibert. Konkret folge daraus eine Ausweitung der 2G-Regeln. Der Bund könne an dieser Stelle nicht tätig werden. Zuständig seien die Länder.

Nachdenken über mehr 2G

Nicht alle Gastwirte und Veranstalter hielten sich an die derzeit geltenden 3G-Regeln. „Einige Landesregierungen denken daher über eine Ausweitung der 2G-Regeln nach“, sagte Seibert. Auch über schärfere Kontrollen der Einhaltung von 3G-Regeln und über die Errichtung von Testregimes in Pflegeheimen werde gesprochen.

Bayerns Ministerpräsuident Markus Söder (CSU) preschte noch am Mittwochnachmittag vor. In Abhängigkeit von der Belegung der Intensivbetten im Freistaat sollen die Corona-Maßnahmen verschärft werden. Sobald die Zahl von 450 belegten Betten erreicht werde, würden zum Beispiel für 3G anstelle von Schnelltests verpflichtende PCR-Tests erforderlich. Clubs, Diskotheken und Tanzlokale sollen dann nur noch für Geimpfte und Genesene (2G) zugänglich sein.

Gesundheitsminister tagen am Bodensee

Am Donnerstag und Freitag beraten dazu die Gesundheitsminister von Bund und Ländern in Lindau am Bodensee. Ob sich daran in der kommenden Woche eine Konferenz der Regierungsspitzen der Länder anschließt, stehe noch nicht fest, sagte Seibert. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei grundsätzlich dazu bereit. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich am Mittwoch ebenfalls offen für eine neue Spitzenrunde.

Spekuliert wird zudem, ob an einer solchen Runde auch Merkels möglicher Nachfolger Olaf Scholz (SPD) teilnehmen könnte. Dazu Regierungssprecher Seibert: Die Kanzlerin und Scholz ständen in regelmäßigem Austausch.

Sieben Milliarden Euro mehr für die GKV

Das geschäftsführende Bundeskabinett hat am Mittwoch einen höheren Zuschuss zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gebilligt. Insgesamt sollen im kommenden Jahr 28,5 Milliarden Euro in den Gesundheitsfonds fließen. Ziel der Regierung sei es, den durchschnittlichen Zusatzbeitrag stabil bei 1,3 Prozent zu halten, sagte Seibert. Somit blieben die Sozialversicherungsbeiträge insgesamt unterhalb der von Union und SPD angepeilten 40 Prozent vom Bruttolohn.

Bereits im Juni hatte die Große Koalition im Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) den Zuschuss in einem ersten Schritt um sieben Milliarden Euro auf 21,5 Milliarden angehoben. Nachdem der Schätzerkreis beim Bundesamt für Soziale Sicherung einen Mehrbedarf von weiteren sieben Milliarden festgestellt hatte, legte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Mitte Oktober genau diese Summe per Verordnungsentwurf nach. Diesen Entwurf hat das Kabinett nun durchgewunken.

Kassen reagieren erleichtert

Auf Kassenseite wurde der Schritt mit Erleichterung aufgenommen. „Jetzt kommt es darauf an, dass der Bundestag bis Mitte November zustimmt, damit die Kassen eine verbindliche Basis für ihre Haushaltsplanungen 2022 haben“, kommentierte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Dr. Doris Pfeiffer, den Beschluss.

Der Chef des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, sagte, eine künftige Bundesregierung müsse die GKV-Finanzen „über 2022 hinaus stabilisieren“. Dazu brauche es unter anderem die Absenkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent für alle GKV-Leistungsbereiche, in denen Mehrwertsteuerpflicht bestehe. (af)
Lesen sie auch
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Mit Daten von 4,2 Millionen Menschen

US-Analyse: COVID-19 verdoppelt Risiko für chronische Rhinosinusitis

Berufsobergericht für Heilberufe Berlin

Urteil: Kein Maulkorb für Ärzte wegen Äußerungen zu COVID-Pandemie

Juli-Sitzung des CHMP

Acht Pharma-Innovationen auf der Zielgeraden zur EU-Zulassung

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung

Symposium der Paul-Martini-Stiftung

COVID-19 akut: Früher Therapiestart effektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Update 2026

S3-Leitlinie Lungenkrebs: Das sind die wichtigsten Änderungen

Lesetipps
Ein Dermatologe mit blauen Handschuhen untersucht im Rahmen einer Hautkrebsvorsorgeuntersuchung die durch einen Kreis als auffällig markierten Muttermale auf dem Rücken eines Mannes.

© kinomaster / stock.adobe.com

Frage an die Ethiker

Darf der Intimbereich beim Hautkrebs-Screening ausgelassen werden?

Ein junger Mann liegt im Herz-CT und bekommt gleichzeitig ein EGK geschrieben.

© Svitlana / stock.adobe.com

Plaques bewerten

Screening mittels Koronar-CT: Was das bringen könnte