Depression erhöht Sterberisiko bei Diabetikern und Herzkranken

BERLIN (ugr). Übergewichtige werden depressiv, Schwermütige bekommen Diabetes: Psychische und somatische Erkrankungen sind stärker miteinander verbunden als bisher vermutet. Treten jedoch Krankheiten wie KHK oder Diabetes zusammen mit einer Depression auf, reduziert dies die Lebenserwartung drastisch.

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Daher ist es wichtig, bei KHK-Patienten und Diabetikern auch nach psychischen Störungen zu schauen und früh dagegen zu behandeln, sofern eine Depression vorliegt. Darauf hat Professor Fritz Hohagen von der Uniklinik Lübeck hingewiesen. Denn solche Patienten sind nicht selten - etwa die Hälfte aller Patienten mit schweren somatischen Erkrankungen haben auch psychische Störungen.

Und es gilt: Je depressiver ein solcher Patient ist, desto schneller stirbt er, sagte Hohagen auf einem Psychiatrie-Kongress in Berlin. So haben nach Schätzungen etwa 15 bis 25 Prozent aller Patienten nach einem Herzinfarkt eine Depression. Bei diesen Patienten ist das Risiko, im folgenden halben Jahr an einer kardialen Ursache zu sterben, um den Faktor drei bis sechs erhöht.

Auch depressive Schlaganfallpatienten sterben früher als nicht depressive. Oft haben chronisch Depressive auch einen gestörten Knochenstoffwechsel - sie erkranken im Schnitt acht Jahre früher an Osteoporose.

Besonders eng ist die Komorbidität jedoch von Diabetes und Depressionen: Zuckerkranke haben ein dreimal höheres Risiko, Depressionen zu entwickeln als Gesunde. Umgekehrt bekommen Depressive dreimal so häufig Diabetes, so Hohagen. Und auch hier haben Studien gezeigt: Eine Depression reduziert die Lebenserwartung bei Diabetikern deutlich.

Weshalb sich Depression und Diabetes gegenseitig bedingen, darüber gibt es inzwischen einige Hypothesen. Depressivität begünstigt einen ungesunden Lebensstil - ein Teil der Depressiven versucht das Seelenleid offenbar mit Schokolade oder Alkohol zu lindern. Übergewicht und letztlich Diabetes kann die Folge sein.

Doch auch Kennzeichen des metabolischen Syndroms wie Hypertonie und Fettstoffwechselstörungen treten bei Depressionen gehäuft auf. Umgekehrt kann gerade Übergewicht vermehrt zu Depressionen führen. Letztlich verstärken sich die Leiden gegenseitig, so Hohagen.

Ein wesentliches Bindeglied: "Mehr als zwei Drittel aller Depressiven schütten zu viele Stresshormone aus", so der Psychiater. Neuere Untersuchungen hätten ergeben, dass Stresshormone die Insulinverwertung beeinträchtigen und so eine Insulinresistenz begünstigen.



STICHWORT

Depression

Neben anderen Depressionsformen wird zwischen endogenen und exogenen Depressionen unterschieden. Die endogene Form hat ein klinisch wechselndes Bild: Patienten haben eine traurige Grundstimmung ohne äußere Ursache, Schlafstörungen, Antriebsarmut. An erster Stelle der Therapie steht, einen drohenden Suizid zu verhindern. Die exogene Depression ist Folge einer körperlichen Erkrankung, die oft schwer erkennbar ist, wie Hirntumor oder chronische Vergiftung. (eb)

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