Tuberkulose

Deutlicher Trend nach oben

Die Tuberkulose-Fallzahlen nehmen in Deutschland seit kurzem wieder zu, ein Grund ist die Migration. Extrapulmonale Manifestationen werden beim Screening durch Röntgenthoraxuntersuchungen nicht erkannt.

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MANNHEIM. Es gibt keinen Zweifel: Die Tuberkulosezahlen in Deutschland steigen. Lagen die Inzidenzen ab 2009/2010 zwischen 5,2 und 5,6 pro 100.000 Einwohner, könnte die Rate für das vergangene Jahr bei 7 pro 100.000 liegen.

Bundesweit waren dem Robert Koch-Institut in Berlin 4533 Tuberkulosen im Jahr 2014 gemeldet worden, das sind circa 200 mehr als im Jahr zuvor. Der Trend nach oben setzte sich dann im letzten Jahr mit 5865 Erkrankungen fort (Epid Bulletin 10/11; 2016).

"Es ist klar, dass der Anstieg auch auf die aktuellen Migrationsbewegungen zurückzuführen ist", sagte Dr. Stefan Schmiedel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf beim Internistenkongress in Mannheim.

Der Anteil der im Ausland geborenen Patienten an den Tuberkulosen hat in den letzten zehn Jahren zugenommen von 45 auf 62 Prozent im Jahr 2014.

Dennoch: Flüchtlinge in Deutschland seien keine wesentliche Gefährdung für die Bevölkerung in Deutschland, das gelte auch für die Tuberkulose. "Übertragungen auf die autochtone Bevölkerung finden bisher praktisch nicht statt", sagte Schmiedel.

Ziel: Tuberkulosen frühzeitig erkennen

Nach § 36 des Infektionsschutzgesetzes ist ein Röntgenthorax für alle Flüchtlinge und Asylsuchenden älter als 15 Jahre vorgeschrieben.

Primäres Ziel ist die frühzeitige Entdeckung potenziell infektiöser Lungentuberkulosen zum Schutz des Asylsuchenden und ihrer engen Kontaktpersonen. 80 Prozent der pulmonalen Tuberkulosen im Jahr 2014 waren offene Formen, davon knapp die Hälfte mikroskopisch positiv im Sputum.

Jede vierte bis fünfte Erkrankung aber werde im Röntgenbild nicht erkannt, weil es sich um eine extrapulmonale Manifestation handelt, sagte Schmiedel.

Dieser Anteil lag im vorvergangenen Jahr bei 24 Prozent. "Das bedeutet, wir sollten auch bei untypischen Symptomen wie extra- oder intrathorakal geschwollenen Lymphknoten an eine Tuberkulose denken und diese ausschließen", sagte der Infektiologe.

Würden Proben von befallenen Organen wie den Lymphknoten ins Labor gesandt, sollte daher nicht nur die Testung auf gramnegative und grampositive Erreger beauftragt werden, sondern auch auf intrazelluläre Erreger wie Mykobakterien. Tonsillen- und Larynx-Tuberkulosen seien hoch infektiös.

"Durch den Stress der Flucht können Tuberkulosen reaktiviert werden, auch die Morbidität ist erhöht" sagte Schmiedel. Die Tb-Prävalenz sei daher bei Flüchtlingen höher als in den jeweiligen Herkunftsländern.

In Syrien liege die Inzidenz bei 24/100.000 Einwohnern, in Eritrea bei 153/ 100.000 in Afghanistan bei 200/ 100.000, in Pakistan bei 270/100.000 und in Somalia zum Beispiel bei 548/100.000. (nsi)

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