EU-Vergleich

Deutschland hat zweithöchste Prävalenz bei Depressionen

Im Vergleich zu anderen EU-Ländern kommen depressive Symptome bei Menschen in Deutschland offenbar besonders oft vor. Das offenbart eine Bürger-Befragung.

Veröffentlicht: 11.12.2019, 14:27 Uhr
Deutschland hat zweithöchste Prävalenz bei Depressionen

Depressive Symptome: In Deutschland ist die Prävalenz bei Frauen höher als bei Männern.

© Dan Race / stock.adobe.com

Berlin . Die Bundesbürger fühlen sich im Vergleich zur Bevölkerung anderer EU-Staaten stärker durch Depressionen belastet. Das geht aus einem neuen Teil der EU-Gesundheitsbefragung (Ehis) hervor, die das Robert Koch-Institut (RKI) am Mittwoch veröffentlicht hat.

Bestimmt wurde die altersstandardisierte Prävalenz einer depressiven Symptomatik in den letzten zwei Wochen vor der Befragung, die im Zeitraum November 2014 bis Juli 2015 stattgefunden hat.

Für Deutschland wird eine Prävalenz von 9,2 Prozent ausgewiesen, die deutlich über dem EU-Durchschnitt (6,6 Prozent) liegt. Die Bundesrepublik rangiert damit hinter Luxemburg (10,0 Prozent) auf Position 2 (siehe nachfolgende Tabelle).

Zudem ist die Prävalenz bei Frauen (10,8 Prozent) höher als bei den Männern (7,6 Prozent). Dies ist insgesamt auch bei 24 der 25 EU-Ländern, die sich an der Studie beteiligt haben, der Fall. Ausnahme ist Kroatien (jeweils 3,4 Prozent bei Frauen und Männern).

Besonders deutlich sind die Prävalenz-Unterschiede bei den Geschlechtern in Portugal (12,9 Prozent bei Frauen, 4,7 Prozent bei Männern) und Schweden (11,2 Prozent bei Frauen, 6,5 Prozent bei Männern).

250.000 Bürger in 25 EU-Ländern befragt

Die Ergebnisse für Deutschland könnten jedoch auch davon beeinflusst sein, dass hierzulande über das Thema Depression öffentlich breit diskutiert wird und die Sensibilität dafür höher sein könnte als in anderen EU-Ländern, vermuten die Studienautoren.

Darüber hinaus könnte es sein, dass die befragten Bundesbürger eher bereit gewesen seien, psychische Symptome offen im Fragebogen zu nennen.

Insgesamt wurden in 25 EU-Ländern über 250.000 Einwohner befragt, darunter rund 25.000 Bundesbürger, die zufällig per Stichproben aus Registern der Einwohnermeldeämter ausgewählt wurden. Rund jeder Vierte (27 Prozent) beantwortete den Fragebogen schriftlich oder online. (ths/dpa)

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Kommentare
Dr. Schätzler

DIE NEUE DEUTSCHE WEINERLICHKEIT?

Derartig subjektive Studien mittels Laienbefragungen unterliegen bio-psycho-sozialen Prägungen und länderspezifischen Krankheits- und Gesundheits-Verständnissen.
"Das Vorliegen einer depressiven Symptomatik wurde durch Selbstangabe der Teilnehmenden in einer länderspezifischen Version des international etablierten 8-Item
Patient Health Questionnaire (PHQ-8) erfasst. Dabei wurden die Symptome einer Major Depression gemäß
Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV, 4. Auflage) hinsichtlich ihres Vorkommens
innerhalb der letzten zwei Wochen bewertet":
1. Depressive Verstimmung,
2. vermindertes Interesse,
3. Gewichts- oder Appetitverlust,
4. Schlafstörungen,
5. psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung,
6. Müdigkeit oder Energieverlust,
7. Wertlosigkeits- oder Schuldgefühle
8. Konzentrationsprobleme (modifiziert).
"Ergebnisse und Einordnung - Die Prävalenz einer depressiven Symptomatik ist mit 9,2 % in Deutschland höher als im EU-Durchschnitt (6,6 %) und höher als in den meisten anderen EU-Mit-
gliedstaaten, mit Ausnahme von Luxemburg, Schweden und Portugal...".
Der PHQ-8 ist viel zu unspezifisch und reicht von für Laien nosologisch gar nicht zuzuordnenden allgemeinen Befindlichkeitsstörungen, physiologischen Trauerreaktionen, Überforderungs- und Erschöpfungs-Syndromen, Alltagseinschränkungen bis zu psychiatrisch relevanten Depressionen und depressiven Erkrankungen.
Der Deutsche Trend, bei zu 50% gefüllten Gläsern von halb-leeren und nicht von halb-vollen Gläsern zu sprechen, trifft sich mit einer depressiv-dysphorischen Grundhaltung des Meckerns, Moserns und überängstlich Seins.
Das ist m. E. Ursache für depressive Gemeinsamkeiten mit Luxemburg, Schweden und Portugal.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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