Leitartikel zur DNA-Doppelhelix

Die Gentechnik begann mit Untertreibungen

Sechs Dekaden ist es her: Heute vor 60 Jahren haben zwei Forscher die DNA-Doppelhelix entdeckten - und es damals nicht einmal für einen überwältigenden Erfolg gehalten. Aber die Entdeckung eröffnete den Weg auch zur personalisierten Medizin.

Von Peter LeinerPeter Leiner Veröffentlicht:
Bunte Kügelchen.

Bunte Kügelchen.

© Mopic / fotolia.de

"Es ist uns nicht entgangen, dass die spezifische Paarung, die wir postuliert haben, einen möglichen Kopiermechanismus für das genetische Material unmittelbar nahelegt." So hieß es mit einer gehörigen Portion an Untertreibung in der Publikation, die heute vor genau 60 Jahren im Wissenschaftsmagazin "Nature" erschienen ist.

Mit "Paarung" ist die komplementäre Bindung des Bausteins Adenin in einem der beiden DNA-Stränge mit dem Baustein Thymin im gegenüberliegenden Strang sowie des Bausteins Guanin mit Cytosin gemeint.

Der US-Genetiker James D. Watson und der britische Physiker Francis H. C. Crick hatten damals unter anderem auf der Grundlage der Kristallografie mithilfe der Röntgenbeugungerkannt, dass die DNA die Struktur einer Alpha-Doppelhelix besitzt.

Gemeinsam mit Maurice H. F. Wilkins wurden sie schon 1962 für ihre "Entdeckungen im Zusammenhang mit der molekularen Struktur von Nukleinsäuren und deren Bedeutung für die Informationsübertragung in lebenden Organismen" mit dem Medizinnobelpreis geehrt.

Ohne Wilkins' und Rosalind E. Franklins Arbeiten - Franklin starb bereits 1958 im Alter von 38 Jahren an Krebs -hätten Watson und Crick ihre Entdeckung nicht machen können.

Der 2004 gestorbene Crick in seinen Erinnerungen an diese Zeit: "Die Doppelhelix war kein Ende, sondern ein Anfang, aufgrund all der Perspektiven, die sie hinsichtlich der Genreplikation, der Proteinsynthese und so weiter eröffnete."

Und die Entdeckung ließ mit der Zeitall jene verstummen, die bis dahin noch glaubten, dass Gene Proteine sind ...

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