Die Innere Uhr des Menschen tickt auch in den Haaren

Veröffentlicht:

WASHINGTON (dpa). Frühaufsteher und Langschläfer sind schon an ihren Haaren zu erkennen - allerdings nur nach einer Analyse einzelner Gene. Japanische Forscher untersuchten in den Follikelzellen ausgerissener Haare sogenannte Uhrengene, die bei der Steuerung der inneren Uhr des Menschen eine Rolle spielen. Die nicht invasive Methode könne unter anderen bei der Untersuchung von Patienten mit Schlafstörungen eingesetzt werden. Bei demjenigen Studienteilnehmer, der am frühesten wach war, sei auch die früheste Aktivität einzelner Gene registriert worden, berichten die Forscher in PNAS online. Bei Arbeitern mit wöchentlich wechselnden Schichten sind die Phasen, in denen die Uhrengene abgelesen werden, verschoben.

Uhrengene sind seit mehr als einem Jahrzehnt bekannt. Zusammen mit Eiweißen, mit denen sie sich wechselseitig steuern, geben sie den Takt der Organfunktionen an, beispielsweise in der Nebennierenrinde. Der Taktgeber selbst sitzt im Nucleus suprachiasmaticus im Gehirn. Störungen der Inneren Uhr wie beim Jetlag führen dazu, dass Organe zur "falschen" Zeit aktiv sind und führen zu körperlichen Beschwerden. Schichtarbeiter mit wechselnden Schichten gelten als gefährdet für eine Reihe von Erkrankungen.

Die Zeitforscher sammelten bei ihren vier Testpersonen alle drei Stunden Haare ein (Haupt- und Barthaare) und untersuchten diese. Die Teilnehmer waren zuvor tagelang auf einen regelmäßigen Tagesrhythmus eingestellt worden. Bei Menschen mit dicken Haaren hätten fünf Haare ausgereicht, um die Genaktivität zuverlässig messen zu können. Von feineren Haaren seien bis zu 20 Haare notwendig gewesen. Bislang hatten Forscher die Genaktivität unter anderem in Hautzellen untersucht, die bei einer Biopsie entnommen werden.

Akashi und Kollegen wandten ihre Methode auch bei Schichtarbeitern an, die je eine Woche im Wechsel Früh- oder Spätdienste hatten. Die Aktivität der Gene und der Tagesablauf waren bei ihnen demnach um mehrere Stunden verrückt. Eines der Gene (Per3) sei bei den vier Studienteilnehmern mit regelmäßigem Rhythmus etwa eine Stunde vor dem Aufwachen am aktivsten gewesen. Bei den Schichtarbeitern hingegen maßen die Forscher den Gipfel der Aktivität während der Frühschichten erst nach dem Aufstehen.

Lesen Sie dazu auch: Zirkadiane Rhythmik wird zur Therapie bei Rheumatoider Arthritis genutzt

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

10 Fragen, 10 Antworten

Ausgeschlafen trotz Schichtdienst: Wie das klappen kann

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

Lesetipps
Ein Mann schwimmt in einem Schwimmbecken.

© TeamDF / stock.adobe.com

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft