Begleiterkrankungen

Die Psyche HIV-Infizierter bekommt zu wenig Aufmerksamkeit

HIV-Infizierte haben mittlerweile eine Lebenserwartung, die fast bei der Nichtinfizierter liegt. Dafür ist aber auch eine Therapie bei psychischen Folgen der Infektion nötig.

Marco MrusekVon Marco Mrusek Veröffentlicht:
Auch die Psyche leidet: In einer Umfrage gaben HIV-Erkrankte eine wesentlich schlechtere emotionale Verfassung an als Diabetes-Patienten oder Kontrollpersonen aus der Allgemeinbevölkerung. (Symboldbild mit Fotomodellen)

Auch die Psyche leidet: In einer Umfrage gaben HIV-Erkrankte eine wesentlich schlechtere emotionale Verfassung an als Diabetes-Patienten oder Kontrollpersonen aus der Allgemeinbevölkerung. (Symboldbild mit Fotomodellen)

© Dragos Iliescu / iStock / Thinkstock

AMSTERDAM. In der Therapie HIV-infizierter Menschen wird den psychischen Folgen der Erkrankung, vor allem Depressionen, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Das betonte Professor Kees Brinkman, OLVG Stadtkrankenhaus in Amsterdam, bei einer Veranstaltung der Internationalen Aids-Konferenz in Amsterdam.

Brinkman präsentierte einen Fragebogen, den er und sein Team vor zwei Jahren entwickelt haben, um die physische und psychische Verfassung der Patienten zu erfassen. Dieser umfasst 62 Fragen und ist in ungefähr 15 Minuten auszufüllen. Auf der Station von Brinkman wird er seit Ende 2016 verwendet. Brinkman stellte in Amsterdam Daten aus den Antworten von 170 Patienten seines Krankenhauses vor und verglich die Selbsteinschätzung von HIV-Patienten mit der von Diabetes-Kranken sowie der Allgemeinbevölkerung.

Im Ergebnis gaben HIV-Patienten an, sich körperlich ähnlich fit und wohl zu fühlen wie die Allgemeinbevölkerung. Im Gegensatz dazu gaben die HIV-Erkrankten jedoch eine wesentlich schlechtere emotionale Verfassung, soziale Funktionalität, Vitalität sowie allgemeine Gesundheitswahrnehmung im Vergleich mit Diabetes-Kranken und der Allgemeinbevölkerung an. "Nach der ersten Auswertung der Daten haben wir erkannt, dass HIV-Patienten wesentlich mehr Probleme in diesen Punkten haben als zuvor angenommen", so Brinkman bei der vom Unternehmen Gilead unterstützten Veranstaltung. Vor allem bei HIV-Infizierten, die ein starkes Stigma empfinden, sei die mentale Verfassung besonders schlecht.

Um die Auswirkungen der HIV-Infektion auf die Patienten besser erfassen zu können, verwendete das Team um Brinkman die Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS). Dieser Test liefert einen Punktewert zwischen 0 und 42, wobei Werte bis 7 eine unauffällige psychische Verfassung, 8 bis 10 eine suspekte und mehr als 10 Punkte eine auffällige psychische Verfassung nahelegen. Ab 15 Punkten besteht Brinkman zufolge ein deutliches Risiko, eine depressive Störung zu entwickeln.

In Amsterdam berichtete Brinkman von einem 45-jährigen Patienten, der nach seiner HIV-Diagnose im Mai 2017 einen HADS-Wert von 27 hatte und in der Folge suizidal wurde. Nach einer Notfall-Überweisung an einen Psychiater besserte sich seine psychische Verfassung und sein HADS-Wert sank im August 2017 auf 5.

Brinkman und sein Team stellten fest, dass ein HADS-Wert über 15 verbreiteter ist als angenommen. Ende 2017 versandten die Amsterdamer Mediziner mehr als 1000 Fragebögen, 600 wurden ausgefüllt zurückgeschickt. Das Ergebnis: 25 Prozent der Personen, die den Fragebogen ausgefüllt hatten, hatten einen HADS-Wert von über 15.

Um besser auf die psychischen Bedürfnisse ihrer Patienten einzugehen, haben Brinkman und Kollegen deshalb die App "Happi" entwickelt, die die mentale Verfassung der Benutzer erfasst. Die Amsterdamer Mediziner reagieren damit auf die positive Rückmeldung ihrer Patienten zur Auseinandersetzung mit ihrer psychischen Befindlichkeit. Brinkman und sein Team hoffen, mit der App eine einfache Erfassung der mentalen Verfassung der Patienten bei Kontrollbesuchen in der Klinik zu ermöglichen.

"Happi" ist auf Niederländisch und Englisch erhältlich für iOS und Android.

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