Depression oder Aphatie

Die Pupillen verraten es

Wenn Geld lockt, macht so mancher große Augen - allerdings nicht jeder Parkinsonkranke. Denn bei der Erkrankung ist oft das Belohnungssystem gestört, vor allem in den Off-Phasen. Dann können die Pupillen verraten, ob eine Apathie oder eine Depression vorliegt.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Wie stark weitet sich die Pupille nach äußeren Reizen? Die Reaktion gibt auch Aufschluss über eine mögliche Apathie.

Wie stark weitet sich die Pupille nach äußeren Reizen? Die Reaktion gibt auch Aufschluss über eine mögliche Apathie.

© endostock / Fotolia

Der Dopaminmangel im Gehirn von Parkinsonpatienten beeinträchtigt auch das Belohnungssystem - die Betroffenen wirken oft apathisch und depressiv. Als Folge ist die Lebensqualität deutlich reduziert, die Belastung für die Betreuer hoch und auch das Risiko für eine Demenz deutlich gesteigert, erläuterte Professor Masud Husain von der Universität in Oxford auf dem europäischen Neurologenkongress in Kopenhagen.

Eine Apathie werde jedoch häufig als Depression fehlgedeutet. Zwar sind depressive Patienten häufig auch apathisch, aber nicht jeder apathische Patient hat eine Depression: Viele Parkinsonkranke mit Apathie hätten keine negativen Gedanken und machten sich auch keine übermäßigen Sorgen um ihre Zukunft. Diese Unterscheidung sei für die Therapie sehr wichtig, sagte Husain.

Pupillen weiten sich nur ohne Apathie

Der britische Neurologe hat mit seinem Team geschaut, ob sich eine Apathie von einer Depression per Pupillentest gut unterscheiden lässt. An der Untersuchung nahmen 30 Parkinsonkranke teil, bei 14 von ihnen hatten die Neurologen anhand eines speziellen Fragebogens eine Apathie diagnostiziert.

Apathische und nicht-apathische Patienten waren ähnlich alt (im Mittel 66 Jahre) und vergleichbar schwer an Parkinson erkrankt. Als Kontrollgruppe dienten 31 gesunde ältere Personen. Alle Teilnehmer sollten zunächst mit ihren Augen einem kurz eingeblendeten Objekt auf einem Monitor in die richtige Richtung folgen.

Vor jeder Bewegung wurde den Teilnehmern gesagt, wie viel Geld sie bekommen, wenn sie der Bewegung folgen - der Gewinn lag jeweils zwischen 0 und 50 Pence. Augenbewegung und Pupillengröße wurden dabei automatisch erfasst.

Wie sich zeigte, bemühten sich gesunde ältere Probanden und Patienten ohne Apathie umso mehr, je höher der Gewinn war - sie reagierten sehr schnell mit einer Sakkade in die beabsichtigte Richtung. Die Apathiepatienten waren jedoch, wie zu erwarten, weitgehend immun gegen die monetäre Verlockung. Ihr Belohnungssystem sah nicht genug Anreiz, um aktiv zu werden. Husain sprach von einer "geringen Belohnungsempfindlichkeit" (reward sensitivity).

 Diese Empfindlichkeit ließ sich auch sehr gut an der Erweiterung der Pupillen ablesen. Je höher die Belohnung, umso weiter gingen die Pupillen bei den gesunden Probanden auf. Ohne jeglichen finanziellen Anreiz vergrößerten sich die Pupillen im Mittel um 2,8 Prozent, bei 50 Pence um 3,3 Prozent - ein Unterschied von 0,5 Prozent. Diese Differenz verwendeten die Neurologen als Maß für die Belohnungsempfindlichkeit.

Kein Einfluss bei Depressionen

Bei den Parkinsonpatienten hing der Wert zum einen stark von der dopaminergen Medikation ab, zum anderen vom Apathie-Score. Nicht apathische Patienten zeigten in den Off-Phasen mit etwa 0,6 Prozent eine ähnliche Belohnungsempfindlichkeit wie gesunde Kontrollen, in den On-Phasen lagen sie mit rund 1,3 Prozent jedoch deutlich darüber.

Parkinsonpatienten ohne Apathie offenbaren unter der dopaminergen Medikation in On-Phasen also ein deutlich aktiveres Belohnungssystem als Gesunde.

Anders sah es bei apathischen Patienten aus: Bei ihnen fanden die Forscher in den Off-Phasen überhaupt keine Aktivität (0 Prozent), und in den On-Phasen lag sie mit rund 0,3 Prozent noch deutlich unter den Werten der Gesunden. Die Belohnungsempfindlichkeit war insgesamt umso geringer, je höhere Apathiewerte die Neurologen feststellten.

Ganz anders sah es bei den depressiven Parkinsonkranken aus: Sie reagierten in den Tests nicht anders als Parkinsonpatienten ohne Depressionen und Apathie.

Eine schlechte Belohnungsempfindlichkeit, wie sie sich über die Pupillenreaktion ablesen lässt, ist nach Ansicht der Forscher um Husain daher ein recht spezifisches Zeichen für eine Apathie.

Für interessant halten die Wissenschaftler den Zusammenhang mit der dopaminergen Medikation: Sie verbessert auch bei den apathischen Patienten die Motivation. Möglicherweise lasse sich die Apathie durch eine optimierte dopaminerge Therapie deutlich lindern. Ärzte sollten bei der Medikation also nicht nur die motorischen Symptome im Blick haben.

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