Die ärztliche Empfehlung ist entscheidend für den Erfolg des Darmkrebs-Screenings

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Die Bevölkerung weiß über Darmkrebs Bescheid, so eine Allensbach-Umfrage. Ein Grund, doch nicht zur Vorsorge zu gehen, ist die Angst vor Komplikationen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

85 Prozent der Bevölkerung wissen, dass es die Darmkrebsvorsorge gibt, aber nur ein Viertel der Menschen über 55 lässt sich untersuchen.

85 Prozent der Bevölkerung wissen, dass es die Darmkrebsvorsorge gibt, aber nur ein Viertel der Menschen über 55 lässt sich untersuchen.

© Foto: Klaro

Was wissen Menschen über Darmkrebs? Nehmen sie die Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch? Solchen Fragen ist das Allensbach-Institut für Demoskopie im Auftrag der Stiftung Lebensblicke in einer repräsentativen Umfrage nachgegangen. Die Ergebnisse wurden jetzt bei einer Veranstaltung in Berlin vorgestellt.

Insgesamt 1808 Bundesbürger ab 16 Jahren wurden befragt. Wie sich herausstellte, sind sich 85 Prozent bewusst, dass es beim Darmkrebs die Möglichkeit zur Vorsorge gibt. "Das ist ein guter Wert. Mehr ist es nur beim Brustkrebs, wo 90 Prozent erreicht werden", sagte der Vorsitzende des Fördervereins Stiftung LebensBlicke, Dr. Franz Wuppermann aus Mannheim.

Die Aufklärungsbotschaften sind angekommen

Immerhin 60 Prozent der Befragten gaben an, dass sie die Darmkrebsvorsorge für hilfreich halten. Das heißt: Wesentliche Botschaften zur Darmkrebsfrüherkennung kommen an.

Trotzdem ist die Anspruchnahme der Vorsorgekoloskopie noch nicht optimal. Rund 550 000 dieser Untersuchungen werden pro Jahr in Deutschland gemacht, die Hälfte davon bei Menschen zwischen 55 und 64 Jahren. Da hier jährlich etwa eine Million Menschen das 55. Lebensjahr erreicht, bedeutet das: Nur etwa ein Viertel dieser wichtigen Altersgruppe geht zur Untersuchung, sagte Dr. Gerhard Brenner vom Zentralinstitut für Kassenärztliche Versorgung.

Woran liegt das? Die Allensbach-Befragung liefert einige Hinweise. So geben noch immer 15 Prozent der Befragten über 50 Jahre an, sich noch nie mit dem Thema Darmkrebs befasst zu haben. Bemerkenswert ist besonders der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Während nur etwa jede zehnte Frau in dieser Altersklasse das Thema Darmkrebs ignoriert, ist es fast jeder fünfte Mann.

Großen Einfluss hat die Schulbildung. Insgesamt gesehen gaben 58 Prozent der Befragten älter als 50 an, schon einmal mit dem Arzt über eine Vorsorgekoloskopie gesprochen zu haben. Bei jenen mit Hochschulreife lag diese Quote bei 69 Prozent, in der Gruppe mit Hauptschulabschluss jedoch nur bei 57 der Frauen und 47 Prozent der Männer. "Für uns als Stiftung heißt das ganz konkret, dass wir uns dringend überlegen müssen, wie wir speziell Männer ab 50 Jahren in bildungsfernen Schichten besser erreichen", so Wuppermann.

Mit dem Vorurteil, dass viele Menschen aus Angst vor pathologischen Befunden keine Vorsorgekoloskopie machen ließen, räumt die Allensbach-Befragung weitgehend auf. Lediglich jeder sechste berichtete, Angst vor einem Krebsbefund zu haben. "Das ist eindeutig nicht der große Hemmschuh." Eher schon sind es Zweifel an der Sicherheit des Eingriffs: Nur jeder dritte Befragte im Gesamtkollektiv und vier von zehn Befragten über 50 Jahre sind der Auffassung, dass die Darmspiegelung ungefährlich sei und dass selten Komplikationen aufträten. Hier sei in der Aufklärung noch einiger Nachholbedarf, so Wuppermann. Zahlen dazu lieferte Gerhard Brenner: "In Deutschland kommen auf tausend Vorsorgeuntersuchungen lediglich drei Komplikationen." Meist sind das Blutungen bei der Abtragung von Adenomen. Einer von tausend Patienten hat eine kardiopulmonale Komplikation, vor allem bei Vorerkrankungen am Herzen. Nur bei einer von fünftausend Vorsorgekoloskopien komme es zu einer Perforation der Darmwand.

Vom familiären Risiko haben viele noch keinen Begriff

Auch über den Nutzen der Vorsorgekoloskopie sind sich viele Menschen noch nicht im Klaren. Dass etwa bei einem unauffälligen Befund eine weitere Untersuchung erst nach zehn Jahren nötig ist, weiß nicht einmal jeder fünfte. Auch bei jenen, die mit ihrem Arzt über Vorsorge gesprochen haben, weiß das nur jeder vierte. Nachholbedarf gibt es schließlich beim Thema familiäre Belastung. Dass ein Darmkrebs bei Verwandten ersten Grades das eigene Risiko stark erhöht, darüber ist sich auch bei jenen, die mit ihrem Arzt gesprochen haben, nur jeder zweite im Klaren. "Diese Botschaften müssten in den Informationsgesprächen noch intensiver verbreitet werden", betonte Wuppermann.

Eine große Bedeutung hat das Gespräch mit dem (Haus-)Arzt. So gaben 42 Prozent der Befragten über 50 an, schon einmal eine Koloskopie aus irgendeinem Grund gehabt zu haben. Bei denjenigen, die das Thema mit ihren Arzt besprochen hatten, lag diese Quote bei 56 Prozent. Und denjenigen, denen der Arzt die Vorsorgekoloskopie empfohlen hatte, lag die Quote bei 73 Prozent. "Die direkte ärztliche Empfehlung ist damit eine ganz wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Screeningprogramms", so Wuppermann.

Lesen Sie dazu auch: "Koloskopie für Männer vorverlegen!"

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