"Die pAVK ist zu wichtig, um sie Spezialisten zu überlassen!"

KÖLN (cin). "Die periphere arterielle Verschlusskrankheit ist zu wichtig, um sie Spezialisten zu überlassen!" Darauf hat Professor Curt Diehm bei der Herbsttagung der Kardiologen in Köln hingewiesen. Da sind vor allem niedergelassene Kollegen gefragt. Denn Patienten mit pAVK sterben im Schnitt zehn Jahre früher als Gesunde.

Veröffentlicht:

"Die pAVK ist massiv unterdiagnostiziert, die pAVK ist massiv unterschätzt und Patienten mit pAVK sind massiv unterbehandelt." Darauf wies der Kardiologe vom Klinikum Karlsbad-Langensteinbach nachdrücklich hin. "Wir kennen nur ein Drittel der Patienten, die eine pAVK haben und bekommen somit in Klinik und Praxis nur die Spitze des Eisberges zu sehen". Nach seinen Angaben suchen nur etwa zehn bis 50 Prozent der Patienten mit Claudicatio intermittens einen Arzt auf.

"Die große Gefahr bei pAVK ist, dass die Patienten ohne Schmerzen ein ebenso hohes Sterberisiko haben wie Patienten mit Symptomen", so Diehm. Er verwies auf die aktuellen Fünf-Jahres-Ergebnisse der getABI*-Studie, bei der etwa 7000 über 65-Jährige in Hausarztpraxen untersucht wurden.

Die Studie ergab, dass von den Patienten ohne pAVK nach fünf Jahren neun Prozent gestorben waren. Bei den Patienten mit asymptomatischer pAVK waren es hingegen 19 Prozent, mit symptomatischer Erkrankung 24 Prozent. "Zwischen den beiden pAVK-Gruppen gab es keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich der Überlebensraten", sagte Diehm bei dem von Bristol-Myers Squibb organisierten Symposium. Sein Fazit: Beide Gruppen müssen gleich aggressiv behandelt werden.

Doch hat die Studie ergeben, dass viele pAVK-Patienten massiv mit Plättchenhemmern unterversorgt sind. So erhält nur etwa jeder zweite Patient mit pAVK die Thrombozytenfunktionshemmer - bei KHK hingegen sind es drei von vier. Medikament der Wahl ist Clopidogrel (vom Unternehmen als Iscover® angeboten). Bestehen bei den Patienten außerdem Hinweise auf eine KHK, empfiehlt Diehm zusätzlich eine Therapie mit Beta-Blockern.

Diehms Appell an die niedergelassenen Kollegen: "Wenn man bedenkt, dass einer von fünf älteren Patienten eine pAVK hat, davon aber nur einer von zehn symptomatisch ist, wird deutlich, wie wichtig die hausärztliche Diagnostik ist." Eine sehr effektive, genaue und einfache Methode für die Praxis sei die ABI-Messung (Knöchel-Arm-Index). Liegt der Messwert unter 0,9, habe der Patient eine pAVK und müsse therapiert werden.

*getABI bedeutet German epidemiological trial on Ankle Brachial Index

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Wundheilung

Ulcus cruris venosum: Was für die Kompressionstherapie wichtig ist

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Da bewegt sich was – Periphere Durchblutungsstörungen und innovative Stents

© [M] Springer Medizin Verlag GmbH | privat | privat

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Da bewegt sich was – Periphere Durchblutungsstörungen und innovative Stents

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Abbott GmbH, Wiesbaden
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

S2e-Leitlinie aktualisiert

Auto fahren mit Diabetes: Auf diese Punkte sollten Ärzte hinweisen

Lesetipps
Pipetten mit Flüssigkeiten im Labor.

© Alican/stock.adobe.com

Hoffnung durch KI & Co?

Drei neue Strategien gegen Pankreaskrebs

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Die Pressekonferenz zum DKK 2026 mit zahlreichen Menschen auf dem Podium.

© Peter-Paul Weiler, berlin-event-foto.de

DKK 2026

Immuntherapie bei Krebs: Komplexe Kombinationen gefragt

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Blick in den Darm mit einem Krebsgeschwür.

© Juan Gärtner / stock.adobe.com

Gastrointestinale Tumoren

Magen-Darm-Krebs: Wirklich immer früher?

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe