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Ungewöhnliches Therapieschema

Dieser Arznei-Cocktail senkt den Blutdruck am besten

Eine Fixkombination aus vier Antihypertensiva in extrem niedriger Dosis soll die initiale Hochdrucktherapie effektiver machen. Aktuelle Studiendaten sind vielversprechend.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:

SYDNEY. Eine antihypertensive Monotherapie reicht für viele Hochdruckpatienten nicht aus. Bei "deutlich erhöhten Blutdruckwerten oder hohem bis sehr hohem kardiovaskulärem Risiko" ist daher in den Leitlinien zum Therapieeinstieg eine Zweierkombination vorgesehen.

Ärzte aus Australien wollen jetzt noch einen Schritt weitergehen. Sie haben erstmals in einer Placebo-kontrollierten, randomisierten Studie eine Viererkombination als Ersttherapie eingesetzt; darin war jede Einzelsubstanz nur mit einem Viertel der Standarddosis enthalten.

Wie die Mediziner um Professor Clara Chow von der Universität Sydney berichten, wurde in der Proof-of-Concept-Studie der Blutdruck "substanziell" reduziert. Beim 24-Stunden-Blutdruck betrug dieser Rückgang im Mittel 19/14 mmHg (Lancet 2017, online 9. Februar).

Die Studienmedikation bestand aus Irbesartan 37,5 mg, Amlodipin 1,25 mg, Hydrochlorothiazid 6,25 mg und Atenolol 12,5 mg, in einer Gelatinekapsel zusammen verpackt. Studienteilnehmer waren 18 Patienten mit bislang unbehandeltem Hochdruck (> 140/90 mmHg bei zwei aufeinander folgenden Praxismessungen oder > 135/85 mmHg bei der 24-Stunden-Messung). Sie erhielten randomisiert im Verhältnis 1 : 1 vier Wochen lang die Viererkombi oder eine Placebokapsel. Nach einer zweiwöchigen Auswaschphase wurde die Behandlung getauscht.

Der 24-Stunden-Blutdruck lag anfangs im Mittel bei 140/87 mmHg und ging während der vierwöchigen Verumtherapie nach Abzug des Placeboeffekts systolisch um 18,7 und diastolisch um 14,2 mmHg zurück. Beim Praxisblutdruck wurde ausgehend von 154/90 mmHg eine Reduktion um 22,4 und 13,1 mmHg erzielt.

Einen Praxisblutdruck unter 140/90 mmHg erreichten alle 18 Patienten mit der Kombitherapie und 6 Patienten mit Placebo, einen 24-Stunden-Wert unter 135/85 mmHg schafften 15 vs. 7 Patienten. Schwere Nebenwirkungen der Kombitherapie gab es keine. Wegen Benommenheit setzte ein Patient vorübergehend die Medikation ab. Kreatinin, Harnsäure und Glukosespiegel stiegen leicht an, aber bei niemandem um mehr als 12 Prozent.

"Die Ergebnisse sprechen dafür, dass eine einzelne Kapsel mit vier Blutdrucksenkern in ultraniedriger Dosierung beträchtliche Vorteile haben könnte", schreiben Chow und Kollegen. Sie halten es für erfolgversprechender, eine Therapie gleich mit einer "hocheffektiven und verträglichen" Kombination einzuleiten, als mit einer oder zwei Substanzen zu beginnen, die bei Bedarf aufdosiert werden müssten, was in der Praxis oft nicht geschehe.

Dass ein Antihypertensivum schon in einem Viertel der üblichen Dosis wirksam ist, zeigt auch ein systematisches Review, berichten die australischen Ärzte. In randomisierten Placebo-kontrollierten Studien wurden demnach Blutdrucksenkungen von ungefähr 5/2 mmHg oder 7/5 mmHg erzielt, je nachdem ob nur ein einzelnes Medikament oder eine Zweierkombination eingesetzt worden war.

Eine Viererkombination mit so niedrigen Dosierungen war bislang nur in einer Studie ohne Placebokontrolle getestet worden. Dort wurde der Blutdruck von anfangs 160/96 mmHg um 26/15 mmHg reduziert, wie die Forscher berichten. Sie gehen davon aus, dass die vier Blutdrucksenker in der extrem niedrigen Dosierung additive Effekte haben.

Wirksamkeit und Sicherheit der Viererkombination müssten nun in Langzeitstudien mit mehr Patienten und im Vergleich zu anderen Medikamenten untersucht werden.

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Kommentare
Thomas Georg Schätzler 02.03.201709:52 Uhr

QUAD ist Quatsch - reine Blutdruck-Kosmetik!

Betablocker auch als Co-Medikation primär nur zur Blutdrucksenkung verwenden zu wollen, ist nicht evidenzbasiert! Erst n a c h stattgehabtem Herz- und/oder Hirn-Infarkt bzw. bei Herzinsuffizienz wirksam.

Außerdem fehlen harte Endpunkt-Studiendaten, die bei allen Antihypertensiva oder antihypertensiven Interventionen (Nierenarterien-Ablation/renale Denervation, Glomus caroticum Schrittmacher) von wissenschaftlichen Fachgesellschaften gefordert werden.

Irbesartan 37,5 mg, Amlodipin 1,25 mg, Hydrochlorothiazid 6,25 mg und Atenolol 12,5 mg in einer sehr kleinen randomisierten klinischen Studie ist zur Hypothesen-Bildung mit nur 21 Teilnehmern, von denen am Ende nur 18 (!) übrig geblieben sind, ungeeignet. Das genügt nicht mal den Kriterien einer "Proof-of-Concept"-Studie. Aber selbst Pilotstudien gehören nun wirklich nicht in den LANCET!

Ein Audi-Quattro mag ja die Verkehrssicherheit erhöhen, aber eine 4-fach Kombi ist doch schon als Polypille gescheitert! Oder wollen die Autoren ihre Quad-Pille etwa gleich ins Trinkwasser tun?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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