Haut-Krankheiten

Ein Stückchen Individualität: der neue Bart-Kult

Von Nadine Schwede Veröffentlicht:

Der Bart ist wieder dran: Lange Zeit war die haarige Zier aus den Gesichtern der Modebewußten verschwunden, nun folgt ein Rasurtrend nach dem anderen. Einst ließen sich junge Männer ein Ziegenbärtchen am Kinn stehen - Handball-Punk Stefan Kretzschmar hält dem Modell noch immer die Treue.

Jetzt setzen Prominente wie der Fußballer Kevin Kuranyi und Rapper DMX einen neuen Trend: Schmale Linien verlaufen vom Kinn zum Mund oder ziehen sich am Unterkiefer entlang bis zu den Koteletten. Noch ist ungewiß, ob sich die geometrische Rasur durchsetzt. Eingefleischte Bartträger halten sie für eine modische Laune, Frauen könnten die neuen Kreationen begeistern: Sie kratzen nicht so wie der Drei-Tage-Bart.

Immer mehr junge Männer haben neuen Rasur-Ideen

Friseur Franz Stenzel vom Salon Harry auf dem Kiez in Hamburg beobachtet seit zwei Jahren eine Renaissance des Bartes. Seither kommen zunehmend junge Männer mit immer neuen Rasur-Vorstellungen zu ihm. Einige verlassen sich auf den passenden Schnitt des Meisters, der ausschließlich mit dem Messer naßrasiert.

Vor hundert Jahren stand der Bart noch für Respekt, Ansehen und Männlichkeit, die 68er brachten mit Bäckchens Pelz ihren Unmut gegen das Establishment zum Ausdruck. Heute wollen sich die Bartträger nach Ansicht Stenzels eher ein Stückchen Individualität sichern. Für den Bart-Spaß, der je nach Form und Haarwuchs teils schon nach drei, vier Tagen aus der Form gerät, legen die Kunden bei ihm zwischen zehn und 20 Euro hin.

Viele Männer lassen sich daher nur zu besonderen Gelegenheiten eine neue Kreation auf Kinn oder Wangen rasieren: "Sie kommen, wenn sie eine neue Freundin haben oder ihre Hochzeit bevor steht", sagt der Friseur. Entgegen aller Unkenrufe störe ein gut gepflegter Bart keineswegs beim Küssen. "70 Prozent aller Frauen mögen es mit Bart", glaubt Stenzel zu wissen. Als Träger eines fein gestutzten Schnäuzers mit gezwirbelten Enden hat er auch seine eigenen Erfahrungen: "Mit bin ich stets öfter angesprochen worden als ohne."

Kirsten Segler, Leiterin des Ressorts "Pflege" beim Männer-Magazin "Men's Health" ist geteilter Meinung bezüglich der Zukunft des neuen Rasurtrends. Ihrer Erfahrung nach sind die schmallinigen Bärte den meisten Männern zu aufwendig, weil sie so oft nachrasiert werden müssen.

Beim Thema Gesichtsbehaarung rät sie den Herren der Schöpfung besonders von zotteligen Vollbärten ab. "Ungepflegte Bärte können Frauen gar nicht ausstehen, und außerdem macht der Wildwuchs im Gesicht alt." Zeitlos in sei jedoch der Drei-Tage-Bart. "Das erinnert Frauen an einen einsamen, wilden Cowboy." Die Träger müßten aber ihre Stoppeln mit einem Langhaarschneider in Form halten.

Einen neuen Bart-Kult bei den geometrischen Modellen wollen leidenschaftliche Bartträger wie Jürgen Burkhardt noch nicht erkennen. Der dreimalige Weltmeister in der Kategorie "Kaiserlicher Backenbart" und Präsident des Bartclubs "Belle Moustache" in der Nähe von Stuttgart unterscheidet zwischen über viele Jahre gewachsenen, oft traditionellen Bärten und den neuen Modeerscheinungen. "Die Rasuren entstehen eher aus einer Laune der jungen Männer heraus."

Burkhardt hat trotzdem was für die kurzen Bartmodelle übrig: "Zum Beispiel beim Fußballer Kuranyi sieht man: Da macht sich einer Gedanken, wie er sein Gesicht interessanter gestalten kann". Ob die neue Mode als Kategorie bei Bartmeisterschaften wie der im April 2004 in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart eingeführt werden könnte, wagt der Bart-Weltmeister bisher noch zu bezweifeln.

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