Direkt zum Inhaltsbereich

Einfrieren von Ovarialgewebe erhält Fertilität

HAMBURG (nie). In Deutschland steht jetzt eine neue Behandlung zur Verfügung, mit der die Fertilität bei Krebspatientinnen möglicherweise erhalten bleibt. Frauen im gebärfähigen Alter können sich vor einer Chemo- oder Strahlentherapie Eierstockgewebe entnehmen und einfrieren lassen. Das Gewebe wird später wieder eingepflanzt, und die Frauen haben dadurch noch die Chance, eigene Kinder zu bekommen.

Veröffentlicht:

Jedes Jahr erkrankten bundesweit etwa 20 000 Frauen im gebährfähigen Alter allein an Brustkrebs, sagte der Reproduktionsmediziner Privatdozent Frank Nawroth zur "Ärzte Zeitung". Nawroth bietet das neue Verfahren seit etwa einem Jahr im Endokrinologikum in Hamburg an. Bei adjuvanten lokalen und besonders bei systemischen Therapien werden die Ovarien oft irreversibel geschädigt.

Zum Schutz geben Ärzte häufig vor Beginn einer Krebstherapie GnRH-Agonisten, die vorübergehend die Funktion der Ovarien ausschalten und die Patientinnen in einen Zustand wie in den Wechseljahren versetzen. Dadurch sollen die Eierstöcke unempfindlicher gegen eine Chemotherapie werden. Die Effektivität sei jedoch nicht eindeutig erwiesen, so Nawroth.

Eine weitere Möglichkeit zum Erhalt der Fertilität ist die Kryokonservierung von unfertilisierten oder fertilisierten Eizellen. Nawroth: "Die dafür notwendige hormonelle Stimulation der Patientin dauert allerdings drei bis vier Wochen. Wenn die Krebstherapie rasch erfolgen muß, fällt diese Möglichkeit aus." Auch Mädchen vor der Pubertät könnten nicht nach diesem Konzept behandelt werden, weil ihre Ovarien noch nicht stimulierbar sind.

Seit etwa einem Jahr besteht an spezialisierten Kinderwunschzentren in Deutschland - wie dem Endokrinologikum in Hamburg - die Möglichkeit, vor einer Krebstherapie Ovarialgewebe entnehmen und einfrieren zu lassen. Die Entnahme ist ein kleiner operativer Eingriff und erfolgt zusammen mit einer Bauchspiegelung.

Das Gewebe wird dann in Portionen geschnitten und kann zeitlich unbegrenzt eingefroren werden. Nach Abschluß der Krebstherapie wird ein Teil des Gewebes zurück in den Eierstock transplantiert, wo es die ursprüngliche Funktion wieder übernehmen soll. Klappt das nicht, können weitere Versuche mit restlichem Gewebe gemacht werden.

Das Konzept ist nach Angaben des Reproduktionsmediziners vielversprechend, obwohl die Erfolgsaussichten für einzelne Frauen bisher nicht genau abzuschätzen seien. Weltweit sind bisher zwei Kinder zur Welt gekommen, die nach dieser Methode gezeugt wurden.

Im Endokrinologikum in Hamburg haben bereits fünf Patientinnen Ovarialgewebe einfrieren lassen. Zu einer Schwangerschaft ist es damit in Deutschland jedoch noch nicht gekommen. Die Behandlung kostet etwa 600 bis 700 Euro und ist eine IGeL-Leistung.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Brustkrebsfrüherkennung

Wie effektiv ist das Mammografiescreening in Europa?

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Elternzeit, Krankheitsvertretung und Co.

Befristete Arbeitsverträge: Welche Fehler Sie vermeiden sollten

Ernährungsberatung

Schilddrüse: Vegane Ernährung verschärft Jodmangel

Übergriffiges Verhalten im Gesundheitswesen

Medizinstudentin zu sexueller Belästigung: „Ich möchte beim Ärztetag nicht mit ,Hase‘ angesprochen werden“

Lesetipps
Ein Stapel mit vielen Büchern

© Frank Rumpenhorst/dpa

State-of-the-Art

Was in den Praxisempfehlungen und Leitlinien der DDG neu ist

Blick über die Schulter eines Trompeters, der ein Konzert spielt.

© Kitreel / Stock.adobe.com

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte