DEGAM-Kongress
Einsamkeit trifft nicht nur Ältere
Einsamkeit betrifft Menschen aller Altersgruppen. Daten einer großen BiB-Analyse zeigen zudem: Emotionale und soziale Einsamkeit folgen unterschiedlichen Altersmustern.
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Einsamkeit trifft nicht nur alte Menschen.
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Einsamkeit ist nicht nur ein Phänomen der älteren Generation. Vielmehr kann sie auch im jungen und mittleren Erwachsenenalter Thema sein, betonte Dr. Helena Ludwig-Walz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), Wiesbaden, beim DEGAM-Kongress in Göttingen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spreche von einem wachsenden globalen Gesundheitsproblem.
Einsamkeit multidimensional betrachten
Doch Einsamkeit ist nicht gleich Einsamkeit und bedarf einer differenzierteren Betrachtung, so Ludwig-Walz. Eine Betrachtungsweise sei die Unterscheidung zwischen emotionaler Einsamkeit, also dem Fehlen einer sehr engen, vertrauten Bezugsperson (Partner, beste Freundin) und sozialer Einsamkeit, dem Fehlen eines sozialen Netzwerks (Freundesgruppe).
Ludwig-Walz und ihr Team untersuchten, wie sich allgemeine, emotionale und soziale Einsamkeit nach Alter unterscheiden und welche Faktoren mit stärkerer Einsamkeit assoziiert sind. Grundlage für die Analyse waren Daten der FReDA-Befragung des BiB aus den Jahren 2021/2022, ein familiendemografisches Panel mit knapp 30.000 Teilnehmenden, die zweimal jährlich zu partnerschaftlichen und familialen Lebenssituationen befragt werden. Zur Erfassung von Einsamkeit wurde die De Jong Gierveld Kurzskala mit jeweils drei Items zur emotionalen und zur sozialen Einsamkeit angewandt.
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Gegenläufige Trends
29,6 Prozent der Teilnehmenden berichten von allgemeiner Einsamkeit, allerdings ist soziale Einsamkeit (35,8 Prozent) mit mehr als zehn Prozentpunkten weiter verbreitet als emotionale Einsamkeit (24,3 Prozent).
Beim Blick auf das allgemeine Einsamkeitsempfinden fallen kaum Unterschiede zwischen den einzelnen Altersgruppen auf: Die adjustierten Mittelwerte (Skala: 0–3) für die ältere Altersgruppe (46–51 Jahre) sind im Vergleich zur jüngeren Altersgruppe (18–25 Jahre) nur marginal höher (1,48 versus 1,39).
Bei Betrachtung der einzelnen Einsamkeitstypen fällt nach den Ergebnissen jedoch ein gegenläufiges Altersmuster auf. So ist die jüngere Altersgruppe häufiger von emotionaler Einsamkeit (1,51 versus 1,37) und die ältere Altersgruppe häufiger von sozialer Einsamkeit (1,60 versus 1,28) betroffen.
Assoziationen mit Einsamkeit
Ludwig-Walz führte mehrere Faktoren an, die mit höherer Einsamkeit verbunden sind. Ein starker Zusammenhang findet sich zwischen dem Migrationshintergrund (erste Generation) und sozialer Einsamkeit, während eine depressive Verstimmung stark mit emotionaler Einsamkeit korreliert.
Aber auch andere psychische Belastungen wie Neurotizismus oder Angststörung hingen mit einer hohen (emotionalen) Einsamkeit zusammen. Daher benötigten insbesondere Menschen mit psychischen Belastungen besondere Aufmerksamkeit, um Einsamkeit frühzeitig zu erkennen und gezielt entgegenzuwirken, resümierte Ludwig-Walz. (mke)

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