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Tot-Impfstoffe

Elektronen ersetzen giftiges Formaldehyd

Tot-Impfstoffe herzustellen ist bislang ein schwieriges Unterfangen. Eine neue Technik von Fraunhofer-Forschern ermöglicht, mithilfe von Elektronenstrahlen Tot-Impfstoffe chemikalienfrei, schnell und reproduzierbar anzufertigen.

Veröffentlicht:
An einer Forschungs- und Versuchsanlage zur Impfstoff-Produktion. Fraunhofer IZI

An einer Forschungs- und Versuchsanlage zur Impfstoff-Produktion. Fraunhofer IZI

© Fraunhofer IZI

MÜNCHEN. Impfungen gegen Kinderlähmung, Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus gehören seit Jahrzehnten zum Standard-Programm beim Kinderarzt. Bei vielen Vakzinen handelt es sich um Tot-Impfstoffe.

Zur Herstellung der Impfstoffe würden die Krankheitserreger in großer Zahl gezüchtet und durch Chemikalien abgetötet, erinnert die Fraunhofer-Gesellschaft in einer Mitteilung. Meist komme hier das giftige Formaldehyd zum Einsatz – stark verdünnt, damit es dem Menschen später bei der Impfung nicht schadet.

Die niedrige Konzentration bringe allerdings auch Nachteile mit sich: Das Gift muss meist mehrere Tage bis Wochen auf die Krankheitserreger einwirken, was sich ungünstig auf die Struktur der Erreger und auf die Reproduzierbarkeit der Impfstoffproduktion auswirkt.

Muss es schnell gehen, wie bei der Influenza-Impfung, greift man zu höheren Dosen an Formaldehyd. Hier muss jedoch eine aufwändige Filtration folgen. Reste der giftigen Chemikalien verbleiben dennoch im Impfstoff.

Keine Chemikalien mehr nötig

Künftig können pharmazeutische Unternehmen Tot-Impfstoffe herstellen, die keinerlei Reste von Chemikalien enthalten – und das zudem schnell und reproduzierbar, teilt die Fraunhofer-Gesellschaft mit. Besonderes Potenzial sehen Forscher in der Herstellung von Impfstoffen, die bislang nicht durch eine chemische Inaktivierung produziert werden konnten.

Forscher der Fraunhofer-Institute für Zelltherapie und Immunologie IZI, für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP sowie für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB haben das entsprechende Verfahren entwickelt.

„Statt die Krankheitserreger mittels Chemikalien zu inaktivieren, nutzen wir niederenergetische Elektronenstrahlen“, erläutert Martin Thoma, Gruppenleiter am Fraunhofer IPA, in der Mitteilung.

Die beschleunigten Elektronen brechen die DNA der Erreger entweder über direkte Stöße auf, oder aber erzeugen Sekundärelektronen, die dann wiederum zu Doppel- oder Einzelstrangbrüchen führen. Sprich: Die DNA der Krankheitserreger wird durch die Elektronen regelrecht zerschreddert, während die äußere Struktur der Erreger intakt bleibt. Dies wiederum ist wichtig, um einen effektiven Immunschutz auszulösen.

Die Herausforderung dabei: Die Elektronen dringen nicht allzu tief in die Suspension mit den Krankheitserregern ein – für eine homogene Dosisverteilung sollte der Flüssigkeitspegel nicht höher sein als 200 µm. Die entsprechenden Techniken gab es bislang nicht, sie wurden am Fraunhofer IPA neu entwickelt.

Die erste Methode, wie sie die Fraunhofer-Gesellschaft in ihrer Mitteilung beschreibt: Eine Rolle wird kontinuierlich mit der Erregersuspension benetzt, bestrahlt und die dann inaktivierte Flüssigkeit in ein steriles Gefäß überführt.

Zwei Flüssigkeitsreservoirs

Es gibt also zwei Flüssigkeitsreservoirs: Eines mit aktiven und eines mit inaktiven Erregern – verbunden über die sich drehende Rolle. „Dabei handelt es sich um einen kontinuierlichen Prozess, der sich ausgezeichnet für die Produktion von Impfstoffen hochskalieren lässt“, wird Thoma zitiert.

Der zweite Ansatz eignet sich vor allem für kleinere Volumina, wie sie etwa in der Forschung und der Impfstoffentwicklung verwendet werden. Hierbei befindet sich die Lösung mit den Erregern in Beuteln, die mittels eines patentierten Verfahrens durch die Elektronenstrahlung geführt werden.

Ein solches Projekt erfordert unterschiedliche Expertisen, die die vier beteiligten Institute optimal abdecken. Die Forscher am Fraunhofer IZI waren unter anderem für die Kultivierung der verschiedenen Erreger zuständig – etwa einen für die Vogel- und Pferdegrippe.

„Zudem haben wir nach der Bestrahlung gemeinsam mit den Kollegen vom Fraunhofer IGB untersucht, ob diese vollständig inaktiviert wurden und somit einen effektiven Impfschutz bieten“, so Dr. Sebastian Ulbert, Abteilungsleiter am Fraunhofer IZI und Initiator des Projekts, in der Mitteilung.

Das Know-how hinsichtlich der Elektronen-Bestrahlung brachten die Forscher des Fraunhofer FEP ein: Sie entwickelten eine Anlage, die die niederenergetischen Elektronen exakt dosiert – schließlich soll das Erbgut der Erreger zwar zuverlässig zerstört werden, ihre Struktur muss jedoch erhalten bleiben, damit das Immunsystem Antikörper bilden kann.

Vier Liter Impfstoff pro Stunde

Das Verfahren funktioniert bereits, und das nicht nur im Labormaßstab: „Im Herbst 2018 haben wir am Fraunhofer IZI eine Forschungs- und Versuchsanlage in Betrieb genommen.

Mit dem kontinuierlichen Modul – also der mit Flüssigkeit benetzten Rolle – können wir momentan vier Liter Impfstoff pro Stunde herstellen“, wird Ulbert zitiert.

Das sei bereits sehr nah an den Industriemaßstäben: So lassen sich bei einigen Impfstoffen etwa aus 15 Litern Erreger-Suspension eine Million Impfstoffdosen herstellen.

Auch Gespräche mit Industriepartnern liefen bereits, so die Mitteilung. Bis erste mit Elektronenstrahlen hergestellte Impfstoffe in die klinische Prüfung kämen, werde es jedoch mindestens noch zwei bis vier Jahre dauern. (eb)

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Kommentare
Dr. Horst Grünwoldt 05.01.201914:41 Uhr

Impfstoffe

Warum sind die Molekularbiolgoen des RKI und FLI nicht längst auf die naheliegende Idee der elektronischen Serum-Bestrahlung/Desinfektion gekommen?
Ohne chemische Konservierungsmittel -vor allem Mercurochrom-, sowie ohne den unspezifischen Schadstoff-"Verstärker" Aluminium-Hydroxid würde die aufgeklärte Impfbereitschaft gewiß noch zunehmen!
Allerdings bleibt immer noch die Abkehr von der intramuskulären, körperverletzenden Stichelei, wenn Impfstoffe direkt an die Erreger-Eintrittspforten (Schleimhäute) gebracht werden bzw. in unser subkutanes Immunsystem appliziert werden, und über den Lympheabfluß auch parenteral systemisch wirken können.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock

Dr. Thomas Georg Schätzler 04.01.201914:13 Uhr

"Giftige" Formaldehyd-Hysterie bei Impfstoffen?

"Das Blut von Säugetieren enthält pro Liter ständig zwei bis drei Milligramm Formaldehyd. Weiterhin entsteht Formaldehyd auch bei der Photooxidation in der Atmosphäre. Auch in Früchten wie Äpfeln oder Weintrauben kommt Formaldehyd natürlicherweise vor. Ebenso kommt Formaldehyd in Holz vor und diffundiert in geringen Mengen auch nach außen." nach WIKIPEDIA

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