"Enormes Interesse an Cholesterin-Kampagne"

Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen e.V. (Lipid-Liga) klärt über die Bedeutung der Lipidwerte auf. Die Schwerpunkte dabei hat der Vorsitzende Professor Achim Weizel zum heutigen Tag des Cholesterins der "Ärzte Zeitung" erläutert.

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Ärzte Zeitung: Wie groß ist das Interesse der Bevölkerung am "Tag des Cholesterins"?

Professor Achim Weizel: Enorm groß. In den vergangenen 6 Jahren wurden die Angebote in den mehreren 1000 Apotheken, Arztpraxen, Kliniken und Betrieben von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Bei unseren Messaktionen, ob in Berlin, Frankfurt, Freiburg, Köln oder Hamburg war der Andrang so groß, dass wir nicht bei allen Interessierten die Lipidwerte bestimmen konnten.

Ärzte Zeitung: Wie groß ist inzwischen das Wissen in der Bevölkerung über den Risikofaktor Cholesterin?

Weizel: Die Älteren wissen recht gut Bescheid. Aber die Jüngeren sind schlecht informiert. Nehmen wir mal den Risikofaktor erhöhtes (LDL-) Cholesterin. Im Alter unter 50 Jahren kennen nur 5 bis 20 Prozent ihren LDL-Wert. Über 50 nimmt das Wissen mit dem Alter deutlich zu: So kennen bis zu 90 Prozent der 60- bis 70-Jährigen ihren LDL-Wert.

Ärzte Zeitung: Was weiß man in Deutschland über die Höhe der Cholesterin-Werte in der Bevölkerung?

Weizel: Die DGFF schätzt, dass 30 Prozent der Bevölkerung zu hohe Lipidwerte haben. Es könnten aber auch mehr sein, legt man die Auswertung des Robert-Koch-Instituts oder die nationalen Gesundheitssurveys der DHP-Studie* zugrunde. Allerdings zeigen sich auch deutliche Erfolge: So erreichen heutzutage über 50 Prozent der gefährdeten Personen den LDL-Cholesterinzielwert, vor 5 Jahren waren es nur 20 Prozent.

Ärzte Zeitung: Um welche Werte geht es bei der Cholesterinsenkung?

Weizel: Uns geht es um alle Lipidfraktionen. Besonders wichtig ist die Senkung des LDL-Cholesterins. Aber auch die Triglyceride nehmen einen hohen Stellenwert ein. Gerade die Triglyceriderhöhung in Verbindung mit dem metabolischen Syndrom wird ein zunehmend ernstes Problem, von dem immer mehr Kinder und Jugendliche betroffen sind. Daher haben wir auch bei unserem diesjährigen Aktionstag den Fokus besonders auf Personen unter 20 Jahren gelegt.

Ärzte Zeitung: Woran hapert es bei der Senkung des LDL-Werts und der Triglyceride?

Weizel: Trotz der guten Daten zur Cholesterinsenkung bedarf es sowohl bei vielen Ärzten wie auch bei Patienten noch einiger Überzeugungsarbeit.

Patienten mit ungünstigen Blutfettwerten fällt es schwer, ihre Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Empfiehlt der Arzt die langfristige Einnahme eines Lipidsenkers, machen sich viele Patienten Sorgen bezüglich Langzeitnebenwirkungen. Auch bei manchen Ärzten gibt es noch Unsicherheiten bezüglich der Therapie und den zu erreichenden Grenzwerten.

Ärzte Zeitung: Mit welchen Maßnahmen wollen Sie aufklären?

Weizel: Zu dem bereits vorhandenen Patientenratgeber und dem Lipidpass werden wir aktuell am Aktionstag einen neuen Ratgeber vorstellen, der speziell für Eltern ist, deren Kinder eine Fettstoffwechselstörung haben. Im Sinne "Know your numbers" setzt die DGFF alles daran, eine generelle Präventions-Aufklärung zu betreiben.

Es geht uns nicht nur um die Lipide, sondern auch um alle anderen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren. Die Bevölkerung - und gerade junge Menschen - müssen wissen, wie wichtig normale Werte bezüglich Blutfette, Gewicht, Blutdruck und Blutzucker sind.

Ärzte Zeitung: Reichen Ihnen die Gesundheitsuntersuchungen der gesetzlichen Krankenkassen aus?

Weizel: Nein. Leider wird beim Check-up 35 und auch bei der Jugend-Gesundheitsuntersuchung (J1) für 12- bis 14-Jährige nur das Gesamt-Cholesterin bestimmt. Wir fordern, dass LDL-, HDL-Cholesterin sowie Triglyceride bestimmt werden sollten.

Weitere Informationen zur Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen gibt es im Internet unter der Adresse www.lipid-liga.de

*DHP steht als Kürzel für "Deutsche Herz-Kreislauf-Präventionsstudie"

Das Interview führte Sabine Stürmer

Für die Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen gibt es keine Altersgrenzen

Heute findet der bundesweite "Tag des Cholesterins 2009" statt. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen (Lipid-Liga) ruft den Tag zum 7. Mal aus. Im Fokus steht das Thema: "Für die Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen gibt es keine Altersgrenzen." Alten Menschen wird nämlich nach Herzinfarkt nur halb so oft ein Statin verschrieben wie Jüngeren. - Ist das vertretbar?

In ihrem Grußwort erinnert die Bundesministerin für Gesundheit, Ulla Schmidt, an den hohen Stellenwert dieser Kampagne bei der Aufklärung und Prävention von erhöhtem LDL-Cholesterin als einem Hauptrisikofaktor für Herzkreislauferkrankungen. Mindestens eines von 500 Neugeborenen bringt eine familiäre Hypercholesterinämie mit auf die Welt. Bei diesen Kindern schädigt die vermehrte Cholesterineinlagerung die Gefäßwände. Das ist eines der weiteren Themen, auf die die Lipid-Liga aufmerksam macht.

Mehrere Tausend Apotheken, Praxen, Kliniken, Krankenkassen und Betriebe in ganz Deutschland haben sich an den bisherigen Aktionstagen beteiligt.

Mehr Informationen zum Tag des Cholesterins: www.lipid-liga.de

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