Diabetes mellitus

Entlastung für erschöpfte Betazellen

KOPENHAGEN (hbr). Bei Patienten mit Insulinresistenz müssen die Betazellen im Pankreas mehr Insulin ausschütten, um die Resistenz auszugleichen und normale Blutzuckerwerte zu erreichen. Diese Fähigkeit zur vermehrten Insulinbildung ist bei Patienten mit hohem Diabetesrisiko aber oft verringert.

Veröffentlicht: 29.11.2006, 08:00 Uhr

Auf steigenden Insulin-Bedarf können Betazellen normalerweise mit vermehrter Hormonsekretion reagieren, so Professor Steven Kahn aus Seattle in den USA. Das funktioniert bei gesunden Menschen sehr gut. So sinkt zum Beispiel bei Jugendlichen in der Pubertät die Insulin-Empfindlichkeit auf die Hälfte im Vergleich zu gesunden Erwachsenen.

Trotzdem bleiben ihre Glukosewerte meist normal, weil ihre Insulinproduktion gleichzeitig auf das Doppelte steigt. Selbst Schwangere, deren Insulin-Empfindlichkeit sogar um 80 Prozent sinkt, entwickeln eher selten einen Schwangerschaftsdiabetes. "Denn ihre Betazellen vervierfachen die Insulinsekretion", so Kahn bei einem von GlaxoSmithKline geförderten Symposium beim Diabeteskongreß in Kopenhagen.

Manche Adipöse können den Insulinmangel ausgleichen

Ähnliches gilt für adipöse Patienten, die ja auch nicht alle Diabetes bekommen. Genügt aber die Leistung ihrer Betazellen nicht mehr, dann kann ein Insulin-Sensitizer wie Rosiglitazon (Avandia®) helfen: Er senkt die Insulinresistenz in Muskulatur, Fettgewebe und Leber.

Es kommt also darauf an, ob die Betazellen auf die Resistenz mit einer gesteigerten Insulinproduktion reagieren können. Aber gerade bei Patienten mit hohem Diabetesrisiko ist die Insulinantwort oft zu niedrig. Das belegt etwa eine Studie bei 220 Frauen mit polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS), die häufig insulinresistent sind. Die Nüchternwerte lagen zwischen 92 und 109 mg/dl. Als prädiabetisch gelten Werte ab 100 mg/dl.

Nüchtern-Blutzucker und Insulinresistenz steigen parallel

Die Einteilung der Nüchternwerte in vier Gruppen zeigt, daß Insulinresistenz und Nüchtern-Glukose von Anfang an parallel stiegen - auch schon im Normbereich. Entsprechend versuchten die Betazellen, den zunehmenden Insulinbedarf zu decken. Gemessen an der Gruppe mit der niedrigsten Nüchternglukose und Insulinresistenz stieg deshalb in den anderen Gruppen die Insulinproduktion.

Der Anstieg war aber zu schwach, um die Resistenz völlig auszugleichen: "Schon innerhalb des Normbereichs wird der Blutzucker-Anstieg nicht mehr voll kompensiert. Die Insulinantwort der Patientinnen mit polyzystischem Ovarsyndrom ist nicht ausreichend", betonte Kahn.



STICHWORT

Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS)

Definition: Vergrößerung der Ovarien durch Bildung multipler subkapsulärer Zysten.

Symptome : Zyklusanomalien, Hyperandrogenämie (Akne, Alopezie), Adipositas, Sterilität.

Hormonelle Veränderungen: Typisch ist außerdem eine Insulinresistenz mit Hyperinsulinämie und einer erhöhten Serumkonzentration von freiem IGF-1, sowie weitere metabolische Veränderungen, etwa erhöhte Testosteronspiegel. (ikr)

Mehr zum Thema

Zollstatistik

Globaler Handel mit gefälschten Pharmazeutika boomt

Ernährung

Sechs Mythen über Milch

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Plasmaspende als Therapie bei COVID-19?

Studie mit schwer Erkrankten

Plasmaspende als Therapie bei COVID-19?

Was die Corona-Pandemie für Krisenregionen bedeutet

„ÄrzteTag“-Podcast

Was die Corona-Pandemie für Krisenregionen bedeutet

Warum die Krebsrate bei jungen Menschen steigt

Präventionsdefizit

Warum die Krebsrate bei jungen Menschen steigt

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden