Enzym-Hemmer löst Tod von Tumorzellen aus

WIESBADEN (grue). Viele neu entwickelte Krebsmedikamente wirken erst in Kombination mit klassischen Zytostatika oder zusammen mit anderen molekular wirkenden Substanzen. Dies gilt vermutlich auch für epigenetische Therapien, bei denen durch eine medikamentöse Steuerung der Genexpression das Tumorwachstum gebremst wird.

Veröffentlicht:

Ein Beispiel für einen solchen Therapieansatz ist der gegen kutane Lymphome gerichtete Wirkstoff Vorinostat, dessen Zulassung in Europa beantragt ist. Vorinostat ist ein oraler Hemmstoff des Enzyms Histon-Deacetylase (HDAC). Er aktiviert die Expression von Tumorsuppressorgenen und löst in Tumorzellen den programmierten Zelltod aus.

In einer Phase-II-Studie erzielte Vorinostat als Drittlinientherapie bei Patienten mit kutanem T-Zell-Lymphom Ansprechraten von 30 Prozent und verbesserte die Lebensqualität, berichtet Professor Michael Lübbert von der Universitätsklinik Freiburg. Patienten aus Deutschland können das in den USA bereits zugelassene Medikament über das Studienzentrum des Klinikums Minden erhalten.

Das breite Wirkspektrum macht Vorinostat auch zu einem interessanten Medikament gegen andere Tumorarten. So führte Vorinostat in Kombination mit Paclitaxel/Carboplatin in einer Pilotstudie bei 14 von 19 Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom zu einer partiellen Remission oder Krankheitsstabilisierung. Dieser Ansatz werde nun weiter untersucht, so Lübbert bei einer Veranstaltung des Unternehmens MSD zum Internisten-Kongress in Wiesbaden.

Außerdem könne die Umprogrammierung der Genexpression durch Vorinostat dazu beitragen, die Sensitivität für Chemotherapien zu erhöhen oder wiederherzustellen. Es werden deshalb mehrere kombinierte und sequenzielle Therapien geprüft. So soll der Stellenwert der HDAC-Hemmung im Zusammenspiel mit biologischen und zytostatischen Therapien abgeschätzt werden.

Beim Unternehmen MSD, das sich seit wenigen Jahren verstärkt in der Onkologie engagiert, soll künftig ein Viertel der Neuentwicklungen aus der Krebsmedizin stammen. Vielversprechende Produktkandidaten sind außer Vorinostat auch der orale mTOR-Hemmstoff Deforolimus und ein Rezeptorantagonist des insulinähnlichen Wachstumsfaktors IGF-1. Beide Substanzen werden in Kooperation mit anderen forschenden Unternehmen entwickelt und befinden sich bereits in klinischen Studien.

Außerdem konzentriert sich MSD auf die Untersuchung von Genprofilen in Tumorzellen. Unter anderem wird in einer auf zwölf Jahre angelegten Beobachtungsstudie geprüft, ob die genetischen Merkmale eines Tumors mit dem Therapieansprechen und der Überlebenszeit der Patienten korrelieren.

Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

© samunella / stock.adobe.com

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom

PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
MRT-Bildgebung und Monitoring

© wedmoments.stock / stock.adobe.com

Plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1

MRT-Bildgebung und Monitoring

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Praktische Tipps

Beratungsfall Patientenverfügung – worauf es ankommt

Lesetipps
Ärztin im Gespräch mit einem Patienten

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Tipps für den Antrag

Vorsorge oder Reha: Was es für die Genehmigung durch die Kostenträger braucht