Krebs

Enzymhemmer Sunitinib bringt Vorteile bei Nierenkrebs

BERLIN (hbr). Bei Patienten mit metastasiertem Nierenzell-Ca beträgt die progressionsfreie Überlebenszeit bei einer Therapie mit dem Enzymhemmer Sunitinib durchschnittlich 47 Wochen. Damit ist diese Frist fast doppelt so lang wie bei Patienten, die Interferon-alpha erhalten.

Veröffentlicht:

In Deutschland erkranken jährlich etwa 13 000 Menschen an Nierenkrebs, vier von fünf Patienten am klarzelligen Nierenzell-Ca. Ein Viertel dieser Patienten hat zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen. Beim metastasierten Nierenzell-Ca habe sich in Deutschland die Kombination von Interleukin-2, Interferon-α und Chemotherapie durchgesetzt, sagte Privatdozent Jan Roigas von der Berliner Charité.

Eine Chemotherapie sei bei metastasiertem Nierenkrebs jedoch nicht wirksam. Zudem würden die beiden Zytokine an Bedeutung verlieren, so Roigas bei einem Symposium des Unternehmens Pfizer in Berlin.

    Mehrere Wachstums-
mechanismen des Tumors werden gehemmt.
   

Vielversprechende Daten zur Therapie mit einem neuen Wirkstoff, dem Tyrosinkinase-Hemmer Sunitinib, sind beim US-Krebskongreß ASCO in Atlanta präsentiert worden. Das Präparat hemmt mehrere Wachstumsmechanismen des Tumors. So blockiert es etwa die Rezeptoren der Wachstumsfaktoren VEGF und PDGF. Dadurch wird das Einsprießen von Blutgefäßen in den Tumor gestoppt.

Studienteilnehmer waren 750 Patienten mit klarzelligem, metastasierten Nierenzell-Ca, die eine relativ gute bis mittelmäßige Prognose hatten. Bei 90 Prozent war die befallene Niere entfernt worden. Die Patienten erhielten als Ersttherapie Sunitinib in Sechs-Wochen-Zyklen - vier Wochen lang täglich 50 mg, gefolgt von zwei Wochen Pause - oder Interferon-alpha.

Damit blieb die Erkrankung in beiden Gruppen bei etwa jedem Zweiten stabil. Eine partielle Remission erreichten mit Sunitinib 103 Teilnehmer, mit Interferon nur 20. Dabei bedeutet partielle Remission: Von allen Metastasen werden jeweils die längsten Durchmesser addiert; diese Summe muß nach der Therapie um mindestens 30 Prozent abgenommen haben. Mit Sunitinib hatten 31 Prozent und mit Interferon sechs Prozent der Patienten eine teilweise oder komplette Remission. Der Unterschied war signifikant.

Zudem dauerte es mit Sunitinib länger bis zur Progression, also bis zum Anstieg der Gesamtdurchmesser um mindestens ein Fünftel. Das progressionsfreie Überleben betrug im Mittel 47 Wochen, war also fast doppelt so lang wie mit Interferon (25 Wochen). In den USA ist Sunitinib (als Sutent®) bereits zur Therapie bei fortgeschrittenem Nierenzell-Ca zugelassen. Die EU-Zulassung ist beantragt.

Mehr zum Thema

Gegen den Trend

Die Suizidrate von Krebskranken ist gesunken

Das könnte Sie auch interessieren
Hochrisikopatienten richtig antikoagulieren

COVID-19 & Thrombose

Hochrisikopatienten richtig antikoagulieren

Anzeige
Management tumorassoziierter VTE

CME-Fortbildung

Management tumorassoziierter VTE

Anzeige
CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Empfehlungen

CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Anzeige
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Soll bald in der EU zugelassen sein: AstraZenecas COVID-19-Vakzine.

Neue Corona-Impfempfehlung

STIKO will AZD1222 nur für Erwachsene bis 64 empfehlen

Hoffnungsträger oder Strohhalm? Lillys Bamlanivimab soll – wie auch Regenerons Antikörper-Cocktail „REGN-COV2“ – das Spike-Protein von SARS-CoV-2 blockieren und so die Viruslast reduzieren.

BMG-Bestellung

COVID-Antikörper mit Staatshaftung