Erfolgreiche Therapie mit Rufinamid bei Lennox-Gastaut-Syndrom

POTSDAM (stü). Mit Rufinamid gibt es seit wenigen Monaten ein neues Antiepileptikum in Deutschland. Es ist das erste Medikament in Europa, das spezifisch für die Behandlung bei Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) zugelassen wurde, und zwar als Zusatztherapie bei Patienten ab 4 Jahren.

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Patienten mit LGS ließen sich bislang nur sehr schwer behandeln. Sie können jetzt auf eine bessere Therapie hoffen. Darauf deuten etwa Daten einer Placebo-kontrollierten Studie mit Rufinamid (Inovelon®) als Add-On-Therapie. Die Studie dauerte 70 Tage und wurde dann offen fortgeführt, 139 LGS-Patienten im Alter von vier bis 30 Jahren nahmen teil.

Das Ergebnis: Rufinamid verringerte die Häufigkeit aller mit LGS assoziierten Anfälle um 32 Prozent. "Bemerkenswert ist, dass sich in der Rufinamid-Gruppe die Anzahl der Sturzanfälle sogar um 43 Prozent reduzierte," berichtete Professor Ulrich Brandl aus Jena. Außerdem verringerte sich der Schweregrad der Anfälle mit Rufinamid bei 53 Prozent der Patienten. Eine Toleranzentwicklung wurde nicht beobachtet, wie Brandl auf einem Epilepsie-Symposium von Eisai in Potsdam erläuterte.

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen mit Rufinamid-Therapie waren Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Schwer wiegende Hautreaktionen, signifikante kognitive oder psychische Wirkungen sowie idiosynkratische Reaktionen wurden nicht beobachtet. Den Grund für das Erbrechen vermutet Brandl in der schnellen Aufdosierung, wie sie in der Studie gefordert wurde. "Wir haben bei Patienten außerhalb der Studien, die unter Erbrechen litten, die Dosis zunächst halbiert und danach langsam wieder auftitriert."

Mit diesem Vorgehen hätten sie gute Erfahrungen gemacht. Generell riet Brandl deshalb zur langsameren Eindosierung.

STICHWORT

Lennox-Gastaut-Syndrom

Das LGS manifestiert sich meist im frühen Kindesalter. Die Patienten sind nur schwer behandelbar. Die Anfälle treten sehr oft und mit vielfältigen Verlaufsformen auf - häufig sind tonische Anfälle, vor allem nachts, sowie myoklonische Anfälle. Betroffene haben aber auch lange anhaltende Absencen, einen nicht-konvulsiven Status epilepticus oder Sturzanfälle. Letztere lassen sich durch Antiepileptika nur schwer vermeiden.

Sturzanfälle sind besonders gefürchtet, da der Bewusstseinsverlust blitzartig ohne Vorwarnung kommt, sodass die Betroffenen wie ein Brett umfallen. Dies kann zu schweren Verletzungen führen. Die Erkrankung geht bereits früh mit einem kognitiven Abbau, Persönlichkeitsstörungen und chronischen Psychosen einher. Schätzungen zufolge haben etwa fünf Prozent aller Kinder mit Epilepsie ein LGS. Eine vollständige Anfallsfreiheit wird sehr selten erreicht. (stü)

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