KHK / Herzinfarkt

Ergänzen Fettsäuren die Statintherapie?

Fischölkapseln könnten wegen der Omega-3-Fettsäuren eine Ergänzung der Statintherapie sein.

Von Werner Stingl Veröffentlicht: 29.05.2009, 18:19 Uhr

MÜNCHEN.Fischölkapseln mit Omega-3-Fettsäuren sind in der Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen eine optimale und unbedenkliche Ergänzung zu Statinen. An dieser Überzeugung des Internisten, Kardiologen und klinischen Pharmakologen Professor Gustav Belz aus Wiesbaden haben auch aktuelle Studienergebnisse vom Kardiologenkongress in Mannheim nichts geändert.

Langkettige Omega 3-Fettsäuren aus fettem Kaltwasserseefisch wie Makrele, Hering oder Lachs, seien gewissermaßen eine natürliche "Polypill" für Herz und Gefäße, hat Belz auf einer Veranstaltung des Komitees Forschung Naturmedizin e.V. in München erinnert. Die American Heart Association würdigt die mehrdimensional kardioprotektiven Eigenschaften von langkettigen Omega-3-Fettsäuren mit der erstmals 2002 ausgesprochenen Empfehlung, wonach in der Sekundärprävention eine tägliche Zufuhr von im Mittel 0,5 g bis 1,8 g der langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) anzustreben sind. Da eine solche Menge über die Ernährung nur schwer zu sichern ist, riet Belz zur Supplementierung mit studiengeprüften Fischölkapseln.

In Kombination mit Statinen verbesserten sie das Lipidprofil gegenüber einer alleinigen Statintherapie signifikant und in einem klinisch relevanten Ausmaß, sagte Belz.

Zu einem anderen Ergebnis kommt allerdings eine Studie mit fast 4000 Herzinfarkt-Patienten. Demnach bietet eine zusätzliche Therapie mit hoch gereinigten Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zu einer alleinigen optimierten konventionellen Therapie innerhalb eines Jahres keine Vorteile bei der Häufigkeit von Reinfarkten, Schlaganfall, Rhythmusstörungen, Bypass- oder Katheter-Interventionen. Das geht aus einer von Professor Jochen Senges aus Ludwigshafen in Mannheim vorgestellten Studie mit insgesamt 3827 Herzinfarkt-Patienten hervor.

Belz gab allerdings zu bedenken, dass in der Studie die Zeit zu kurz oder die Patientenzahl zu gering gewesen sein könnte, um vor dem Hintergrund einer wirklich optimierten konventionellen Therapie den Nutzen einer zusätzlichen Therapie mit Omega-3-Säuren zu belegen.

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