Direkt zum Inhaltsbereich

"Es ist ein tolles Gefühl, mit meinem Blut ein Leben gerettet zu haben"

Von Claudia Schimanski Veröffentlicht:

Heike Ronniger schießen Tränen in die Augen, als die fünfjährige Darya Farahmandria mit Blumen in der Hand auf sie zuläuft. Die beiden verbindet ein ganz besonderes Schicksal: Die 41 Jahre alte Krankenschwester aus dem niedersächsischen Stolzenau ist Daryas Lebensretterin.

Ohne Heike Ronnigers Knochenmarkspende hätte das an Leukämie erkrankte Mädchen nicht überlebt. Vor kurzem trafen sich die beiden auf Einladung des Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Registers (NKR) in Hannover zum ersten Mal.

Ronniger und Darya schließen sich in die Arme. "Dankeschön", haucht das Mädchen und strahlt über das ganze Gesicht. Ronniger schenkt ihr zwei Kuscheltiere - "damit du immer an mich denkst", sagt sie.

Spender und Empfänger wußten nichts voneinander

"Ich hatte keine Ahnung, für wen meine Stammzellspende war", berichtet Heike Ronniger. Und auch Darya wußte zweieinhalb Jahre lang nicht, wer ihre Lebensretterin ist. Stammzelltransplantationen müssen in Deutschland bekanntermaßen anonym erfolgen. Erst nach zwei Jahren können sich Spender und Empfänger kennen lernen.

"Ich bin so glücklich, daß ich dir helfen konnte", sagt Heike Ronniger und streicht dem Mädchen mit den vielen Locken und den großen, dunkelbraunen Augen sanft übers Haar. Das Schicksal der Fünfjährigen aus Hannover bewegte ganz Deutschland. Mehrere Chemotherapien konnten die bei ihr im Frühjahr 2003 diagnostizierte Leukämie nicht stoppen. Daryas einzige Rettung war eine Stammzellspende.

Doch weder Vater noch Mutter kamen als Spender in Frage, und auch die Suche in der bundesweiten Spenderdatei verlief negativ. Die Zeit lief gegen Darya. "Es war schlimm, sie so leiden zu sehen. Wir haben auf ein Wunder gehofft und gebetet", erinnert sich ihre Mutter Andrea Villaverde.

Mitarbeiter des NKR riefen im August 2003 zu einer deutschlandweiten Typisierungsaktion auf. 26 000 Menschen folgten dem Aufruf und ließen ihr Blut für Darya und andere Leukämiepatienten testen. Eine von ihnen war Heike Ronniger.

Daß genau ihre Gewebemerkmale mit denen von Darya übereinstimmten, war das ersehnte Wunder. Die Chance lag bei 1:100 000. Im Dezember wurde die Stammzelltransplantation vorgenommen. Heute ist Darya ein gesundes, lebensfrohes Kind.

Daryas Krankheit ist eine unter vielen. "Blutkrebs kann jeden treffen", sagt Marlena Robin-Winn, Leukämieexpertin und Leiterin des NKR. Bundesweit erkranken daran jährlich etwa 12 000 Menschen, viele von ihnen sind Kinder und Jugendliche. "Mehr als 1000 Leukämiepatienten warten derzeit darauf, daß man ihren genetischen Zwilling findet", weiß Marlena Robin-Winn.

Gesucht wird weltweit. Rund um den Globus sind etwa zehn Millionen Spender registriert, davon mehr als zwei Millionen in Deutschland. "Es kann also sein, daß ein Deutscher mit seinen Stammzellen einem Leukämiekranken in Korea hilft und umgekehrt", sagt Robin-Winn.

Ein Problem sind die Kosten von 50 Euro für die Typisierung - Geld, das sich viele Hilfsbereite nicht leisten können. Deshalb sind Register wie das NKR auf Spenden angewiesen.

"Die Stammzellentnahme tat überhaupt nicht weh"

"Die Stammzellentnahme tat überhaupt nicht weh", erinnert sich Heike Ronniger. "Es ist ein tolles Gefühl, mit meinem Blut ein Leben gerettet zu haben, und ich würde es immer wieder tun", sagt sie und drückt Darya ganz fest an sich. (dpa)

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Medibiom

© Medibiom

MEDICE

MEDIBIOM – Darmgesundheit neu gedacht!

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Esteban Roman Garcia hat einen modernen OP eingerichtet, mit allen erforderlichen Geräten, um effizientes Arbeiten zu ermöglichen.

© privat

Praxismanagement

Arzt und Unternehmer: Chirurg in Ostwestfalen auf Expansionskurs

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: dem Finanzdienstleister MLP SE, Wiesloch
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview

EU AI Act: Was die neuen Transparenzpflichten für Praxen bedeuten

Vergleich der Kreise

Wo MRSA-Infektionen besonders häufig sind

Kongress in Chicago

Herzkongress AHA 2026: Diese Studien könnten die Praxis verändern

Lesetipps
Blick von hinter den Kulissen auf die Springer Medizin Gala 2026.

© David Vogt

Highlights von der Gala

Galenus-Preis und Charity Award: Die Preisverleihung im Video

Ehrenamtliches Engagement beeindrucke sie nicht nur, „es berührt mich“, erklärte die einstige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

© David Vogt

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt

Bei der Springer Medizin Gala wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026