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"Es ist unsere Pflicht, medizinisches Wissen an Osteuropa weiterzugeben"

Von Inga Niermann Veröffentlicht:

Zur Unterstützung der medizinischen Behandlung von Aids-Patienten in Rußland und der Ukraine hat der Aids-Aktivist Frieder Alberth an die Kliniken in Deutschland appelliert, stärker mit Krankenhäusern und Gesundheitszentren in diesen Ländern zusammen zu arbeiten.

"Für einen regelmäßigen Know-how-Transfer sollten die Verbindungen nach dem Vorbild von Städtepartnerschaften aufgebaut werden," sagte Alberth im Vorfeld des Internationalen Aids-Kongresses, der gestern in Wien begonnen hat. Thema ist dort unter anderen die Entwicklung neuer Strategien gegen den rasanten Anstieg der HIV-Neuinfektionen in Osteuropa.

Alberth, der für seinen engagierten Einsatz gegen die Immunschwächekrankheit in Osteuropa im letzten Jahr den Bambi verliehen bekam, verwies darauf, daß in Deutschland der medizinisch-therapeutische Bereich der Aids-Behandlung hervorragend sei und international geschätzt werde. Dagegen mangele es in Rußland und in der Ukraine besonders bei der Aids-Therapie noch an den richtigen Strukturen und an einer spezialisierten Ausbildung der Ärzte.

"Ich sehe es deshalb als unsere Pflicht an, unser medizinisches und therapeutisches Wissen an diese Länder weiterzugeben", sagte er. Seit knapp 20 Jahren engagiert sich der 53jährige Diplompädagoge in der Aids-Hilfe. Vor vier Jahren gründete er den Verein Connect Plus e.V. zur Bekämpfung von Aids in Osteuropa mit Sitz in Berlin.

Hilfe für die Behandlung von Aids-Kranken und HIV-Infizierten sowie für die Präventionsarbeit sei in beiden Ländern nötiger denn je, betonte Alberth. Allein in der Ukraine sind Angaben von UNAIDS zufolge etwa 400 000 Menschen mit HIV infiziert. 20 000 Menschen sterben dort jährlich an den Folgen der HIV-Infektion. Besonders dramatisch sei die Situation in der Region Odessa, wo Experten von etwa 70 000 HIV-Infizierten ausgingen.

In Rußland ist die Lage noch schlimmer: Dort sollen UNAIDS zufolge zwischen 860 000 und einer Million Menschen mit HIV infiziert sein. Besonders hohe Raten verzeichnen die Großstädte St. Petersburg, Moskau und Irkutsk sowie Städte im Ural und in Sibirien.

In beiden Ländern breitet sich das Virus vor allem in der jüngeren, heterosexuellen Bevölkerung weiter aus. Dennoch gibt es kaum medizinische und soziale Hilfsprogramme, das Thema Aids ist vielerorts ein Tabu.

Aber es gibt auch Fortschritte: Da die Ukraine früher als Rußland von Aids betroffen war, wurden dort früher Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankheit ergriffen. "In der Ukraine verfügt inzwischen jeder Oblast (Regierungsbezirk) über ein Aids-Zentrum", berichtet Alberth, der das Land regelmäßig besucht. Medikamente für Aids-Kranke und HIVInfizierte stehen zur Verfügung. Für die Finanzierung sorgen maßgeblich internationale Hilfsorganisationen.

Ein großes Problem sei aber nach wie vor die Ausbildung der Ärzte, die zu kurz und zu stark auf einzelne medizinische Sparten konzentriert sei, sagte Alberth. Connect Plus e.V. organisiert deshalb in Zusammenarbeit mit dem Augusta-Victoria-Krankenhaus in Berlin in Kiew Fortbildungsprogramme für Ärzte, Therapeuten und Pflegepersonal, um sie für Aids stärker zu sensibilisieren.

Mehr als ein Dutzend Ärzte aus Deutschland haben sich in den vergangenen 18 Monaten für die Lehrgänge in Kiew zur Verfügung gestellt. In einem fünftägigen Seminar haben sie ihr Wissen über Grundlagen der antiretroviralen Therapie sowie ihre Erfahrungen in der Aids-Behandlung an ihre ukrainischen Kollegen weitergegeben.

Als wirkungsvoller schätzt Alberth aber eine Zusammenarbeit auf institutioneller Ebene ein. Kontaktarbeit von deutschen mit russischen und ukrainischen Kliniken und Aids-Zentren, zum Beispiel durch regelmäßigen E-Mail-Austausch, könnten maßgeblich zum Know-how-Transfer beitragen: "Es würde die Arbeit in den Aids-Zentren ein großes Stück voranbringen."

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