Herzrhythmus-Störungen

Exklusive Reduktion der Herzfrequenz bei Angina pectoris

MÜNCHEN (hae). Zur symptomatischen Behandlung bei stabiler Angina pectoris steht seit Jahresbeginn ein neues Wirkprinzip zur Verfügung: die exklusive Herzfrequenzreduktion durch Ivabradin. Indiziert ist der Wirkstoff bei Patienten mit normalem Sinusrhythmus, wenn Betablocker kontraindiziert sind oder nicht vertragen werden.

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Ivabradin hemmt reversibel und spezifisch den für Natrium- und Kaliumionen durchlässigen If-Kanal in der Zellmembran von Schrittmacherzellen im Sinusknoten. Dadurch verlangsamt es selektiv die spontane diastolische Depolarisation, "ohne jeden Einfluß auf Form und Charakteristik des darauffolgenden Aktionspotentials", sagte Professor Gerd Heusch aus Essen beim Einführungssymposium des Unternehmens Servier in München.

Die resultierende reine Herzfrequenzsenkung verhindere den Sauerstoffbedarf und steigere die diastolische Durchblutung im ischämischen Myokardareal ähnlich wie ein Betablocker, allerdings ohne negativ-inotrope Wirkung.

In einem Studienprogramm hat sich Ivabradin bei über 5 000 Patienten mit stabiler Angina pectoris bei der anti-pectanginösen Potenz sowohl dem Betablocker Atenolol als auch dem Kalziumantagonisten Amlodipin zumindest als ebenbürtig erwiesen.

Dies gelte sowohl für die Abnahme der Zahl der Angina-pectoris-Attacken als auch für die Steigerung der totalen Belastungsdauer und die Verlängerung der Zeit bis zur Senkung der ST-Strecke um einen Millimeter, so Professor Thomas Münzel aus Mainz. Häufigste unerwünschte Wirkungen waren transiente und reversible, leichte visuelle Symptome (meist Phosphene, also partielle Aufhellungen des Gesichtsfelds) bei zwei bis 15 Prozent der Patienten.

Zu schweren Bradykardien kommt es bei der Therapie mit Ivabradin sehr selten, ergänzte der Pharmakologe Professor Ulrich Borchard aus Düsseldorf. Die bei Tachykardie ausgeprägte Hemmung des If-Kanals nehme mit fallender Herzfrequenz ab.

Gar nicht beobachtet wurden Reboundphänomene nach abruptem Absetzen oder Toleranzentwicklung bei längerfristiger Anwendung (über ein Jahr). Es kam auch nicht zu Veränderungen der Hämodynamik, der Kontraktilität oder der Erregungsleitung.

Die als Procoralan® Filmtablette mit 5 und 7,5 mg Wirkstoff angebotene Substanz sollte zweimal täglich zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Die überwiegend hepatische Metabolisierung durch das Isoenzym Cytochrom-P450-CYP3A erlaubt auch bei eingeschränkter Nierenfunktion bis zu einer Kreatinin-Clearance von 15 ml/min eine normale Dosierung.

Unproblematisch kombinieren läßt sich Ivabradin nach Borchards Aussage mit praktisch allen kardiovaskulären Standardmedikamenten mit Ausnahme von Verapamil und Diltiazem. Kontraindiziert sei lediglich die Kombination mit sehr starken CYP3A4-Induktoren wie den Antimykotika Ketoconazol und Itraconazol, verschiedenen Makroliden und Proteasehemmern sowie dem Antidepressivum Nefazodon.

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