FSME breitet sich in Deutschland und Europa weiter aus

Jetzt ist es doch Frühling geworden. Doch da werden nicht nur Menschen aktiv, sondern auch Zecken. Sobald es über sieben/acht Grad warm wird, lauern Zecken auf warmblütige Wirtstiere. Es ist also höchste Zeit, in der Praxis an die von Zecken übertragenen Krankheiten zu denken, allen voran die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Von Ursula Gräfen Veröffentlicht:

Im letzten Jahr wurden 278 FSME-Patienten in Deutschland registriert. "Das ist die höchste Zahl seit 1994", so sagt Professor Jochen Süss von der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in Jena im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Auch bei den Risikogebieten für FSME gibt es eine Zunahme: 1998, als die Definition festgelegt wurde, waren in Deutschland 63 Landkreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen. "Im letzten Jahr waren es mindestens 87, vielleicht sogar mehr." Denn die Auswertung sei noch nicht abgeschlossen.

Mit ihren Wirtstieren wandern die FSME-Viren nordwärts

Die FSME-Viren wandern mit ihren Wirtstieren nordwärts, bedingt durch die Klima-Erwärmung. Und das gilt für ganz Europa. "In Europa ist FSME inzwischen überall endemisch mit Ausnahme der iberischen Halbinsel, der britischen Inseln und der drei Benelux-Staaten", so Süss. Allerdings gebe es "drastische Unterschiede": von wenigen Einzelfällen in Norditalien bis zu dramatischen Zahlen im Baltikum, vor allem in Lettland. Der sogenannte FSME-Gürtel zieht sich von Deutschland über Rußland bis nach China und Japan, wo die Viren vereinzelt vorkommen.

In diesen Risikogebieten sollten Menschen gegen FSME geimpft sein, denn das ist der einzige sichere Schutz. "Die FSME-Schutzimpfung ist eine Indikationsimpfung." Zur Indikation gehören: Aufenthalt in einem Risikogebiet und Risiko eines Zeckenstichs. Gefährdet sind also Menschen, die in der Natur aktiv sind. Das sind vor allem Menschen ab 35, die etwa joggen oder im Freien arbeiten wie Förster. Es sind aber auch ältere Menschen, die Pilze oder Beeren sammeln. Zehn bis 15 Prozent der Patienten sind Kinder. "Doch bei ihnen verläuft die FSME meistens relativ milde, allerdings mit einer langen Rekonvaleszenzzeit."

Übrigens erkranken Männer doppelt so häufig wie Frauen an FSME. Das mag daran liegen, daß sie aktiver sind in der Natur. Es wird aber auch mit Unterschieden in der Schweißsekretion erklärt, denn Zecken suchen sich gerne Menschen, die stark transpirieren, als Wirt.

Zwei sichere und verträgliche Impfstoffe auf dem Markt

Es gibt zwei Impfstoffe gegen FSME, jeweils als Vakzine für Erwachsene und als Vakzine für Kinder: Encepur® von Chiron Vaccines Behring und FSME IMMUN® von Baxter. Geimpft wird nach dem Schema 0, ein bis drei Monate, neun bis zwölf Monate. Für Encepur® gibt es auch eine Schnell-immunisierung, die etwa nötig wird, wenn jemand last minute in ein Risikogebiet reist: 0, sieben Tage, 21 Tage. Die erste Auffrischung wird dann nach zwölf bis 18 Monaten fällig. Bei allen Impfschemen sind alle drei Jahren Boosterinjektionen fällig. Diese Dreijahresfrist für die Booster wird in Österreich übrigens gerade überdacht. "Bei jüngeren Menschen ist eine Fünfjahresfrist möglich", so Süss.

Bekanntlich übertragen Zecken nicht nur das FSME-Virus, sondern auch etwa Borrelien. Es gibt etwa 25 verschiedene Zecken-vermittelte Krankheiten. Das Perfide: Zecken können mit mehreren Erregern gleichzeitig infiziert sein. "Fünf bis zehn Prozent der Zecken haben Läuse und Flöhe", sagt Süss. Besonders häufig sei das in Rußland und im Baltikum. In Rußland hätten Forscher in einer Zecke acht verschiedene Erreger gefunden. "Auch wir müssen uns in Zukunft vermehrt auf Mehr- und Mischinfektionen einstellen."

Lesen Sie dazu auch: Beim Herausziehen müssen Zecken gelockert werden

Mehr zum Thema

Steigende Zahlen

Zwei neue FSME-Risikogebiete in Deutschland

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Porträt

Wie eine Gynäkologin ihre Krebserkrankung in einem Comic verarbeitet

Lesetipps
Maske

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Mutter mit MS: Kind gegen MMR impfen?

Ein Mann zieht an einem riesigen Virus.

© freshidea / stock.adobe.com

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein