Chronische Darmentzündung

Fatigue bei CED ist mehr als nur Müdigkeit

Die medikamentöse antientzündliche Therapie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Doch die Lebensqualität Betroffener wird nicht nur durch die Darmsymptome, sondern auch durch Fatigue wesentlich beeinträchtigt.

Von Peter Stiefelhagen Veröffentlicht:

MANNHEIM. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) bedeuten für die meist jüngeren Patienten wegen des rezidivierenden Krankheitsverlaufs eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität. Dies resultiert zum einen aus Symptomen wie Schmerzen, Diarrhoe oder Hämatochezie, zum anderen aber auch aus den Komplikationen und den Nebenwirkungen der Therapie.

Die Behandlung bei CED konzentriert sich deshalb auf die Reduktion der Beschwerden und auf die Besserung des endoskopischen und histologischen Befundes, wobei neuerdings auch Laborparameter wie CRP und Calprotectin in die Steuerung der Therapie miteinbezogen werden.

"Gesundheit ist aber mehr als die Abheilung der Darmschleimhaut und die Normalisierung der Laborparameter", so Professor Andreas Stallmach von der Universitätsklinik in Jena. Wichtig sei auch die Beurteilung patientenrelevanter Endpunkte und dazu gehöre auch die Fatigue.

Mehr als Müdigkeit

Fatigue ist mehr als Müdigkeit. Der Begriff beschreibt einen Zustand von erschöpften Kraftreserven verbunden mit einem erhöhten Ruhebedürfnis und einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit. "Entsprechende Untersuchungen haben gezeigt, dass mehr als jeder Zweite mit einer CED unter Fatigue leidet", so Stallmach bei einer von der Falk Foundation unterstützten Veranstaltung in Mannheim.

Die Fatigue-Prävalenz hänge aber stark von der Krankheitsaktivität und der Behandlung ab. In der Wichtigkeit der verschiedenen Symptome wurde Fatigue schwerer gewertet als die Symptome "Stuhlgang" und "dringlicher Stuhlgang". Deshalb sei es, so Stallmach, wichtig, die Erfassung dieses Symptoms mit Hilfe einfacher Fragebögen in den Sprechstundenalltag zu integrieren.

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die Fatigue begünstigen oder sogar auslösen. Dazu gehören die Krankheitsaktivität, Medikamente, Symptome, gestörter Schlaf, Anämie und Ernährungsdefizite. "Eine gegen diese Faktoren gerichtete Therapie kann die Fatigue-Symptome reduzieren", so Stallmach.

Dazu gehören neben einer effektiven Entzündungshemmung, zum Beispiel mit Mesalazin (Salofalk®), Azathioprin (Azafalk®) oder Biologika auch die Behandlung der Anämie beziehungsweise des Eisenmangels durch entsprechende Substitution. Auch sportliche Aktivitäten sind empfehlenswert. Eine spezifische gegen Fatigue gerichtete medikamentöse Therapie gibt es nicht.

Mehr zum Thema

Umweltverschmutzung

Wie viel Mikroplastik in uns steckt

Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Konnektor adé?

Lauterbach will smartphone-basierte IT-Struktur für Arztpraxen

Ampel-Pläne

Ab April sollen Kassen für Corona-Impfungen zahlen