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Fehlbildungen immer besser und früher erkennbar

LEIPZIG (ddp). Arme und Beine sind schon zu erkennen. Das Herz pumpt. Die Ärztin blickt ins Innere des Organs: Linke, rechte Kammer, Herzklappen und Aorta. Alles da. Der Fetus sieht gesund aus. Noch vor einigen Jahren konnte man die Organe des Ungeborenen dabei nicht im Detail sehen. Heute ermöglichen es hochauflösende Ultraschallköpfe, feine Unterschiede zwischen den Geweben auszumachen.

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Die 3D-Sonografie zeigt detaillierte Aufnahmen eines Ungeborenen.

Die 3D-Sonografie zeigt detaillierte Aufnahmen eines Ungeborenen.

© Foto: Siemens

"Die Ultraschalldiagnostik hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Es können etwa 400 Fehlbildungen erkannt oder ausgeschlossen werden", sagt Professor Renaldo Faber, Spezialist für Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. Vor allem angeborene Erkrankungen des Gehirns und Herzfehler lassen sich in den Aufnahmen heute leichter als früher identifizieren. Etwa 5 von 100 Kindern haben eine angeborene Fehlbildung. Eine relativ große Zahl, die jedoch sehr unterschiedliche Schicksale erfasst. Bei einigen Ungeborenen fehlt zum Beispiel eine Herzhälfte oder das Organ sitzt auf der falschen Seite. Auch zu kleine oder vertauschte Koronararterien kann das geübte Auge des Arztes auf den Ultraschallbildern sehen.

Nicht jede Auffälligkeit im Ultraschallbild gibt Anlass zur Sorge. Ein Septumdefekt beeinträchtigt die Gesundheit zunächst meist nicht und lässt sich durch Operation gut verschließen. Andere Fehlbildungen können gravierende Folgen haben, zum Beispiel das hypoplastische Linksherz. Bei diesem Defekt ist die Aorta oder eine Herzklappe nicht richtig angelegt. Dadurch verkümmert die linke Kammer. "Manche dieser Kinder können erfolgreich operiert werden. Sie bleiben aber chronisch krank und müssen ein Leben lang betreut werden. Wir wissen auch nicht, wie lange sie ohne Herztransplantation leben können", betont Faber.

Abtreiben bei Röteln? Viele Feten sind gar nicht infiziert.

Dennoch rettet die frühzeitige Diagnose auch in diesem Fall oft Leben, denn Totgeburten oder schwerere Schäden können mit einem geplanten Kaiserschnitt verhindert werden. Eltern entscheiden sich angesichts der Ultraschallaufnahmen manchmal sogar bewusst gegen einen Schwangerschaftsabbruch, weiß Faber zu berichten. "Noch vor einigen Jahren wurden Kinder abgetrieben, wenn die Frau an Röteln erkrankte. Heute können wir im Ultraschall eindeutig sehen, dass viele Kinder sich gar nicht anstecken", nennt der Geburtsmediziner ein Beispiel.

Seine Botschaft an werdende Eltern soll ihnen zugleich die Angst nehmen: "Wir machen Ultraschall, um Leben zu schützen. Der Eindruck, dass die Untersuchungen zu mehr Abtreibungen führen, ist falsch." Zumindest bei Herzfehlern mag diese Einschätzung zutreffen. Bei Störungen im Gehirn sieht die Situation allerdings häufig anders aus. Denn dieses Gewebe lässt sich weder regenerieren noch transplantieren. Fehlt die Schädeldecke und ein Teil des Gehirns, dann entscheiden sich viele Eltern für einen Abbruch. Wenn das Ungeborene ein Downsyndrom hat, brechen etwa 85 Prozent der Frauen die Schwangerschaft ab, berichtet Professor Eberhard Merz, Direktor der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin.

Bei ein und derselben Erkrankung können die Säuglinge jedoch unterschiedlich schwer betroffen sein. Der Schweregrad lässt aus den Ultraschallaufnahmen ablesen. Erst kürzlich habe er einen Fetus mit einer Bindegewebserkrankung untersucht, sagt Merz. Arme oder Beine verharren dabei in einer gestreckten Position und können sich nicht bewegen.

In einem speziellen Ultraschallfilm, in dem die Bewegungen des Ungeborenen einige Stunden aufgezeichnet werden, konnten die Eltern selbst verfolgen, wie sich die Krankheit äußert. Anhand des Films kann Merz vorhersagen, ob das Kind später im Rollstuhl sitzen muss oder sich weitgehend normal bewegen wird. "Nicht selten sagen die Eltern dann: Das haben wir uns viel schlimmer vorgestellt. Sie wollen das Kind gerne austragen", berichtet Merz.

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